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Borussia Mönchengladbach

Eberl-Rückzug mit Tränen: «Beende etwas, was mein Leben war»

Mönchengladbach (dpa)

Der sofortige Abgang von Sportchef Eberl trifft Borussia Mönchengladbach hart. Nachdenklich stimmt der Grund für Eberls Aus nach fast einem Vierteljahrhundert im Verein.

Von Carsten Lappe, dpa

Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl erklärt seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Foto: Christian Verheyen/Borussia Mönchengladbach/dpa

Das Ende der 23 Jahre langen Ära von Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach kam einem Hilferuf gleich.

Kein neuer Verein, kein Corona-Frust, kein sportlicher Niedergang seines ins Abstiegsnot geratenen Herzensclub - das Fußballgeschäft habe ihn krank gemacht, begründete der 48 Jahre alte langjährige Sportchef der Borussia seinen sofortigen Abgang. «Es war mir eine Ehre, hier zu arbeiten», sagte Eberl mit Tränen in den Augen, fiel zunächst Vize-Präsident Rainer Bonhof um den Hals und umarmte dann weitere langjährige Mitarbeiter. «Ich beende etwas, was mein Leben war.»

«Ich will einfach raus»

Nach 13 Jahren als Sportdirektor hat Eberl nach eigener Aussage vorerst keine Kraft mehr für den Job. «Die Person Max Eberl ist erschöpft und müde. Ich habe keine Kraft mehr, diesen Job so auszuüben, wie es der Verein benötigt», sagte Eberl in bemerkenswerter Offenheit. Immer wieder stockte er und wischte sich Tränen aus den Augen.

«Ich will einfach raus, ich will einfach mit diesem Fußball gerade nichts zu tun haben. Ich will Spaß haben. Ich will Max Eberl sein», sagte der Mann, der lange Zeit das Gesicht schlechthin des fünfmaligen deutschen Meisters war, die Borussia nun aber schlagartig kurz vor dem Ende des Transferfensters am 31. Januar verlässt. Dass dies den Verein zur Unzeit trifft, ist Eberl bewusst. «Zum ersten Mal in meinem Leben denke ich da aber jetzt mal an mich.»

Clubchef Rolf Königs schaute nicht nur in diesem Moment etwas gequält. «Wir haben das respektiert, nicht akzeptiert. Wir sind traurig», sagte der 80-Jährige, der nach eigener Aussage zusammen mit seine Vorstandskollegen alles versucht habe, Eberl umzustimmen. «Aber die Möglichkeit, die wir ihm angeboten haben, passte nicht zu seiner privaten und beruflichen Lebensplanung», sagte Königs weiter.

Wie Hape Kerkeling einfach mal weg sein

Aus der Branche bekam Eberl sogleich Zuspruch nach dem emotionalsten Auftritt in Gladbach seit vielen Jahren. «Bei aller Rivalität: Respekt für diese Entscheidung, Max Eberl. Gesundheit steht über allem. Der #effzeh wünscht alles Gute für die Zukunft», twitterte der Gladbacher Erzrivale 1. FC Köln und Real Madrids Toni Kroos verbreitete: «Chapeau Max Eberl. Überragender Manager und Typ mit richtig großen Eiern. Gute Erholung, Max!»

Ein neuer Club, über den bereits seit dem Vortag spekuliert worden war, als erste Gerüchte über einen Rücktritt Eberls publik wurden, scheidet demnach erstmal aus. «Ich werde mir die Zeit und die Ruhe nehmen», kündigte Eberl an. «Ich werde wie Hape Kerkeling einfach mal weg sein und dann mal sehen, was die Zukunft bringt.»

Für die Borussia kommt der Abgang des 48-Jährigen, der erst vor gut einem Jahr seinen Vertrag bis 2026 verlängert und dabei von «Visionen» gesprochen hatte, einer Zäsur gleich. Seit dem Wirken von Helmut Grashoff bis 1991 hat kein anderer Manager den stolzen Club vom Niederrhein so sehr geprägt wie Eberl. Seit Januar 1999 war er im Verein, zunächst als Spieler, später als Nachwuchskoordinator und schließlich als Sportdirektor und Geschäftsführer. «Alles, was ich hatte, habe ich dem Verein gegeben», sagte Eberl pathetisch.

Sportlich schwierige Monate

Doch das war zum Ende hin offenbar nicht mehr gut genug. Seit der erfolgreichen Relegation 2011 gegen den VfL Bochum machte Eberl zunächst vor allem mit dem damaligen Trainer Lucien Favre die Borussia wieder zur einer Top-Adresse im deutschen Fußball. Dreimal spielte Gladbach seitdem wieder in der Champions League, noch vor einem Jahr stand die Borussia dort unter Trainer Marco Rose im Achtelfinale. Die folgenden Monate waren sportlich schwierig, auch die - offenbar auch interne - Kritik an Eberl nahm zu.

Dass er an Rose trotz dessen angekündigten Wechsels zu Borussia Dortmund und etlicher Niederlage festhielt, nahm man ihm im Umfeld des Clubs übel. Im für 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt geholten Adi Hütter dachte Eberl, den «am besten passendsten Trainer für Borussia» gefunden zu haben. Stattdessen ist der Österreicher mit dem teuersten - aber seit gut zwei Jahren nur noch punktuell veränderten - Kader seit langem im Abstiegskampf angekommen. In den bevorstehenden wichtigen Spielen gegen die inzwischen direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld (5. Februar) und den FC Augsburg (12. Februar) geht es wohl auch schon bereits um Hütters Job.

Ein Nachfolger wird gesucht

Zunächst aber muss der Vorstand einen Nachfolger für Eberl finden. Eile ist geboten. «Wir geben uns nicht viel Zeit. Wir haben die Möglichkeiten intern schon abgesteckt, wir werden uns extern umschauen», kündigte Königs an.

Ein aussichtsreicher Kandidat könnte der ehemalige Trainer Dieter Hecking sein. Mit dem aktuellen Sportvorstand des Zweitligisten 1. FC Nürnberg hatte Eberl vor gut drei Jahren in Gladbach erst verlängert, dann aber die Zusammenarbeit zur Saison 2019/2020 beendet, um Rose zu holen.

Ganz nebenbei müssen die Borussen ohne Eberl nun bis Montag nach Möglichkeit noch wechselwillige Spieler wie Matthias Ginter, Denis Zakaria, Marcus Thuram oder Alassane Plea gegen eine Ablöse transferieren. Ginter und Zakaria sind im Sommer ablösefrei. Darum soll sich nun federführend Eberls bislang engster Mitarbeiter Steffen Korell kümmern. «Da ist noch Ruhe», berichtete Vize-Präsident Rainer Bonhof über den Stand der Dinge bei den möglichen Abgängen.

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