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Nationalmannschaft

Flick sucht den WM-Fokus - Gündogan: Ernst wie beim Turnier

Neu-Isenburg (dpa)

Beim Start ins WM-Jahr erhofft sich Hansi Flick wichtige Erkenntnisse auf dem Weg Richtung Katar. In der Abwehr darf gegen Israel ein Debütant ran. Im Tor spielen gleich zwei Kandidaten vor.

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa

Bundestrainer Hansi Flick verspricht sich wertvolle Testspiel-Erkenntnisse. Foto: Arne Dedert/dpa

Hansi Flick stellte sein Wasserglas zur Seite und blickte nachdenklich in das ihn blendende Scheinwerferlicht.

Vor seinem persönlichen Heimspiel zum Auftakt des WM-Jahres beschäftigt und belastet den Bundestrainer wie Millionen andere Menschen auch die Grausamkeit des Krieges in der Ukraine. «Es ist nicht so einfach, sich auf den Fußball zu konzentrieren», gestand Flick. Und doch muss er am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Sinsheim beim für ihn gerade gegen einen Kontrahenten wie Israel besonders emotionalen Test-Länderspiel sofort den Fokus auf den längst tickenden WM-Countdown legen.

Intensive Trainingstage

«Jetzt wollen wir überprüfen, ob wir alles richtig gemacht haben», sagte Flick nach intensiven Trainingstagen. Für den Weg zu seinem ersten Großereignis als Chefcoach hat er den Nationalspielern längst einen dicken Anforderungskatalog präsentiert. Absolute Fitness, absolute Leistungsbereitschaft und eine immer maximal steile Lernkurve fordert Flick ein.

Auch Ilkay Gündogan ist klar, dass die Nationalmannschaft acht Monate vor dem WM-Anpfiff in Katar keine Zeit verlieren darf. «Man muss es so ernst angehen, wie man es im Turnier machen würde», forderte der 31-Jährige von Manchester City, der von Flick in Abwesenheit der Bayern-Profis Joshua Kimmich und Leon Goretzka eine Startelf-Garantie als Mittelfeldorganisator für die Partie in Sinsheim bekam.

Familienmensch Flick wohnt in Bammental rund 20 Kilometer von der Arena entfernt. «Ich bin da in großer Verbundenheit mit den Menschen und der Region», sagte der 57-Jährige. Verwandte und Freunde werden unter den 25.600 Zuschauern sein. Erstmals seit November 2019 ist ein Heimländerspiel in der Corona-Pandemie wieder ausverkauft.

Turnier-Kandidaten checken

Aber auch der Heimat-Aspekt mit dem Länderspiel vor der eigenen Haustür darf ihn nicht ablenken, weiß Flick. «Ich sage jetzt nicht, wie geil ist das», merkte er an. Sondern: «Wir konzentrieren uns auf die Leistung, die wir bringen wollen.» Die Rekord-Bilanz von sieben Siegen in den ersten sieben Spielen unter dem früheren Titelsammler beim FC Bayern München soll ausgebaut, das gute Grundgefühl unbedingt mit ins WM-Jahr genommen werden. «Dann kommt es auf das Momentum an», sagte Gündogan mit Blick auf das Turnier in Katar.

Das WM-Schicksal von Europameister Italien mit dem bitteren Aus im Playoff gegen Außenseiter Nordmazedonien hat auch Flick nochmal demonstriert, wie fragil Erfolg im Fußball sein kann. «Ich bin froh und happy, dass wir für Katar schon früh qualifiziert waren und auch für die Heim-EM 2024 schon qualifiziert sind», sagte Flick.

240 Tage vor dem Eröffnungsspiel in Doha will er mögliche Turnier-Kandidaten wie Nico Schlotterbeck checken. Der Freiburger Linksfuß wird als fünfter aktueller U21-Europameister unter dem Bundestrainer in der A-Elf debütieren. «Er agiert sehr selbstbewusst, er verteidigt sehr hoch», lobte Flick den 22-Jährigen, der in der Vierer-Abwehrkette auf der Position von Abwehrchef Antonio Rüdiger links als WM-Option getestet wird. «Wir wollen den jungen Spielern die Chance geben, auf Einsatzzeit zu kommen», versicherte Flick.

Job-Sharing im Tor

Zugleich muss der Bundestrainer den Leistungsstand von zuletzt formschwachen Fix-Größen wie Timo Werner überprüfen. Der Stürmer des FC Chelsea erlebt im Gegensatz zu seinem Club-Kollgen Kai Havertz in London gerade eine schwere Zeit. «Es ist wichtig, dass er von der Fitness top aufgestellt ist, weil er das braucht für sein Spiel», sagte Flick über den 26-Jährigen. Immerhin ist Werner mit fünf Toren der Top-Scorer in Flicks noch kurzer Zeit als Bundestrainer, in der in sieben WM-Qualifikationsspielen stolze 31 Treffer gelangen.

Im Tor nutzt der Bundestrainer seine im WM-Jahr möglicherweise letzte sinnvolle Chance, auch den Backups von Kapitän Manuel Neuer Spielzeit zu gewähren. Marc-André ter Stegen und Kevin Trapp spielen gegen Israel je 45 Minuten, kündigte Flick an. Neuer kann einen Tag vor seinem 36. Geburtstag zuschauen, bevor er am Dienstag im Klassiker gegen die Niederlande sein 109. Länderspiel bestreiten soll.

Bis Katar folgen noch die sechs wichtigen Spiele in der Nations League gegen Italien, England und Ungarn sowie ein Test kurz vor dem Turnierstart. Neuer wird diese als unumstrittene Nummer eins für sich reklamieren.

Israel ist für Flick ein besonderer Gegner, auch wenn er rein sportlich nur zweite Wahl war. Der Bundestrainer wollte eigentlich gegen ein afrikanisches Team spielen, um seine Auswahl mit anderen internationalen Spielphilosophien zu konfrontieren. Corona verhinderte aber Südafrika als Kontrahenten. Das fünfte deutsche Länderspiel gegen die bislang immer besiegten Israelis hat für Flick in den politisch so bewegten Tagen auch Aspekte jenseits jeder sportlichen Relevanz. Man habe großen Respekt vor der Vergangenheit beider Länder. «Es ist toll, dass wir uns in aller Freundschaft messen können in diesem wichtigen Jahr 2022», sagte Flick.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland - Israel, Samstag, 20.45 Uhr/ZDF

Deutschland: Ter Stegen (FC Barcelona/29 Jahre/27 Länderspiele) - Kehrer (Paris Saint-Germain/25/16), Ginter (Borussia Mönchengladbach/27/46), Schlotterbeck (SC Freiburg/22/0), Raum (TSG 1899 Hoffenheim/23/3) - Weigl (Benfica Lissabon/26/5), Gündogan (Manchester City/31/54) - Havertz (FC Chelsea/22/23), Müller (FC Bayern München/32/110), Musiala (FC Bayern München/20/9) - Werner (FC Chelsea/26/47)

Israel: Marciano (Feyenoord Rotterdam/32/34) - Dgani (Beitar Jerusalem/33/20), Bitton (Celtic Glasgow/30/38), Goldberg (Maccabi Haifa/26/0), Menahem (Maccabi Haifa/28/16) - Avraham (Maccabi Netanya/25/1), Abu Fani (Maccabi Haifa/23/11), Peretz (FC Venedig/26/25), Solomon (Schachtjar Donezk/22/26) - Dabbur (TSG 1899 Hoffenheim/29/35) - David (Maccabi Haifa/25/0)

Schiedsrichter: Maurizio Mariani (Italien)

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