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Darts-WM in London

Lisa, Saarland, Schweißgerät: Der Kosmos von Gabriel Clemens

London (dpa)

Gabriel Clemens ist kein typischer Publikumsliebling, doch im «Ally Pally» hat er sich in die Herzen der Fans gespielt. Wie tickt der Saarländer, der Deutschland die großen Darts-Erfolge beschert?

Patrick Reichardt, dpa

Hat sich bei der Darts-WM ins Halbfinale gespielt: Gabriel Clemens. Foto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa

Vor zwei Wochen kannten Gabriel Clemens in Deutschland nur sehr wenige Menschen. Das ändert sich aktuell. Der 39-Jährige hat bei der Darts-WM in London vollkommen überraschend das Halbfinale erreicht - nicht irgendwie, sondern mit einem dominanten Sieg über den damit abgelösten Weltranglistenersten Gerwyn Price aus Wales, dem nicht mal sein kurioser Kopfhörer-Trick half.

Am Abend (20.30 Uhr/Sport1 und DAZN) wartet das nächste größte Match in Clemens' Karriere - gegen Englands Vorjahresfinalisten Michael Smith, der ähnlich wie Price klar favorisiert ist. Wie tickt der «German Giant», wofür interessiert er sich?

Partnerin Lisa

Das famose 5:1 gegen Primus Price sorgte auch bei seiner Partnerin für große Emotionen. Ein Video zeigt, wie sich Lisa Heuser nach dem verwandelten Matchdart ihres Gatten Tränen aus den Augen wischte. Die beiden lernten sich bei einem Turnier an der Scheibe kennen. Heuser plant Termine und Reisen für den Profi und ist oft selbst mit in den großen Hallen in Großbritannien und Deutschland. So auch im Alexandra Palace, wo Heuser stets in Clemens' Box sitzt. «Sie ist schon meine große Unterstützung, so etwas wie mein Anker», sagte Clemens. Bei erfolgreichen Würfen geht der Blick stets nach links in die Box.

Heimat Saarland

Das Saarland ist für Clemens Heimat, dort fühlt er sich wohl. Für Videoaufnahmen und Interviews fährt er gerne zur bekannten Saarschleife, seine meisten Partner und Sponsoren kommen direkt aus der Region. Und sein Fußball-Herz schlägt für Drittligist 1. FC Saarbrücken. In Merzig hat Clemens einen eigenen Darts-Shop. Mit Ausnahme der Turniere, die überwiegend auf der britischen Insel stattfinden, hält sich der bodenständige Darts-Profi am liebsten in seiner Heimat auf. Für private Fernreisen oder Urlaubstrips ist er nicht bekannt.

Gelernter Beruf

Lange Jahre war Clemens Maschinenschlosser. Dann merkte er: Das mit dem Darts läuft so gut und lukrativ, das lohnt einen Versuch auf Vollzeittätigkeit. Vor der WM sagte er der «Süddeutschen Zeitung» in einem Interview, dass eine Rückkehr in den normalen Job vorstellbar sei. «Natürlich, wenn ich nicht mehr erfolgreich bin und meinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen kann, würde ich zurück an die Werkbank gehen, das ist ganz klar.»

Der komplett überraschende Halbfinal-Einzug, der ihm 100.000 Pfund (circa 113.000 Euro) garantiert, hat diesen Schritt zurück ein riesiges Stück unwahrscheinlicher gemacht. Auf die Frage, wie ihm der Beruf bei der Ausübung seines Sports helfe, antwortete Clemens: «Also das Schweißgerät habe ich auf der Bühne nicht dabei. Mein Beruf bringt mir da erstmal nichts.» Es sei aber für den Kopf gut, etwas in der Hinterhand zu haben.

Weggefährten

Clemens hat auf der Darts-Tour einige Freunde. Mit Landsmann Martin Schindler, dessen Frau und Manager Ioannis Selachoglou reisen der Saarländer und Partnerin Heuser häufig zu den Turnieren. Bei der WM war immer wieder zu sehen, wie Clemens bei Schindlers Spielen mit in der Box saß - und umgekehrt. Interessant: Schindler verlor vor Weihnachten mit 3:4 gegen «Bully Boy» Smith. Dafür kann Clemens nun im Halbfinale Revanche nehmen und sein WM-Preisgeld auf 200.000 Pfund verdoppeln.

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