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Bundesliga

Trotz Lockerungen: Liga will mehr Fans

Berlin (dpa)

Am Wochenende dürfen wieder bis zu 10.000 Fans in die Fußball-Stadien. Auch wegen der schleppenden Umsetzung der Beschlüsse bleibt es in der Bundesliga aber bei einem Flickenteppich.

Von Stefan Tabeling, dpa

Wünscht mehr als 10.000 Zuschauer im Olympiastadion: Fredi Bobic, Geschäftsführer von Hertha BSC. Foto: Andreas Gora/dpa

Die Politik bewegt sich, die Zuschauer kehren langsam in die Stadien zurück - und doch schlägt der Fußball Alarm. Nach gut zwei Jahren Corona-Pandemie sorgen die finanziellen Nöte mancherorts für Existenzängste.

Dazu lieferten die Europäische Fußball-Union und die Deutsche Fußball Liga besorgniserregende Zahlen. Rund sieben Milliarden Euro Einnahmeausfälle hat die Pandemie den europäischen Fußball in den vergangenen beiden Spielzeiten bereits gekostet. DFL-Chefin Donata Hopfen schreibt in einem Beitrag für das «Handelsblatt» von Verlusten von 1,3 Milliarden Euro für den deutschen Fußball in drei Corona-Spielzeiten.

Angesichts dieser Zahlen hat der gemeinsame Beschluss der Staats- und Senatskanzleien, zukünftig wieder bis zu 10.000 Fans bei einer Auslastung von maximal 50 Prozent bei Großveranstaltungen zuzulassen, eher Auswirkungen auf den Geräuschpegel in den Arenen als auf die leeren Konten der Clubs.

So freut sich Bayern-Coach Julian Nagelsmann über die Rückkehr der Fans, schränkte aber ein, «dass es aktuell immer noch einen Tick zu wenig sind». Und Hertha-Manager Fredi Bobic fügte hinzu: «Das kann nur der Anfang sein, es muss viel, viel schneller gehen.»

Dabei kommen am Wochenende noch gar nicht alle Clubs in den Genuss der Lockerungen. Während in Nordrhein-Westfalen, wo der 1. FC Köln, Borussia Dortmund und Arminia Bielefeld bereits juristische Schritte gegen die Beschränkungen eingeleitet hatten, der Beschluss gleich in der Corona-Schutzverordnung des Landes angepasst wurde, lassen sich andere Länder mehr Zeit.

In Niedersachsen bleibt es vorerst bei einer Zuschauer-Begrenzung von 500 Personen. In Berlin und Baden-Württemberg soll erst in der nächsten Woche über die Neuerungen beraten werden. So wird Hertha BSC am Freitag gegen den VfL Bochum erneut nur 3000 Personen im großen Olympiastadion begrüßen, der VfB Stuttgart kann gegen Eintracht Frankfurt 6000 Fans reinlassen. Der FSV Mainz 05 belässt es aus organisatorischen Gründen vorerst auf 6800 Personen.

«Verstehen kann ich das alles längst nicht mehr. 15000 Zuschauer in Magdeburg, bei uns fast keine, das ist doch unlogisch», sagte Hannovers Profifußball-Chef Martin Kind dem «Sportbuzzer». «Die Leute verlieren den Glauben an die Regeln, wenn sie so uneinheitlich sind.» In Baden-Württemberg kann indes der VfB Stuttgart nach einer Ausnahmegenehmigung kurzfristig 10.000 Fans gegen Eintracht Frankfurt reinlassen.

Der Widerstand im Fußball regt sich, nachdem die Liga die Einschränkungen fast zwei Jahre lang klaglos mitgetragen hatte. Doch gerade der Blick über die Landesgrenzen lässt die Vereine befürchten, abgehängt zu werden. So sieht Hopfen «in Zeiten deutlich vollerer Stadien in England, Frankreich, Italien und Spanien auch massive Auswirkungen auf den internationalen Wettbewerb».

Wenn am Wochenende auf Europas Plätzen wieder der Ball rollt, werden in England die Stadien wie in der gesamten Saison trotz der Omikron-Welle wieder voll auslastbar sein. Ganz zu schweigen von den ohnehin schon deutlich höher dotierten TV-Verträgen in der Premier League. So rechnet BVB-Sportdirektor Michael Zorc im «Kicker» vor: «Wenn wir pro Heimspiel bis zu vier Millionen Euro weniger umsetzen, summiert sich das - zumal wir schon zwei Geschäftsjahre hatten, die stark von der Corona-Pandemie beeinflusst waren.»

Den meisten Clubs gehe es wirtschaftlich nicht gut, betont Zorc. Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle hatte zuletzt schon berichtet, dass man in eine Phase komme, die wirtschaftlich nicht lange auszuhalten sei. Daher hofft er, «dass diese Beschränkung auf 10.000 Fans der Ausgangspunkt einer dynamischen Entwicklung in den kommenden Wochen ist».

Der eingereichte Eilantrag beim OVG Münster habe sich für den Moment erledigt. Ähnlich sehen es die Dortmunder und die Bielefelder - vorerst. Der BVB erklärte in einer Adhoc-Meldung (Pflichtmeldung) an die Börse, dass er den «Hauptantrag auf Zulassung von 25.000 Zuschauer*innen für erledigt erklärt», stellte aber auch klar: «Wir beobachten die Entwicklungen der Sach- und Rechtslage weiter und behalten uns einen erneuten Eilantrag ausdrücklich und vorsorglich vor.»

Ähnlich äußerte sich Arminias Geschäftsführer Markus Rejek: «Wir warten das jetzt erstmals ab und halten uns offen, in Zukunft ähnliche Schritte zu gehen, wenn wir glauben, dass die Verordnungen nicht mehr entsprechend gerecht sind verglichen mit anderen Regelungen.»

Der Fußball sehnt nach zwei Jahren Ausnahmezustand die Rückkehr zur Normalität herbei. Was die Pandemie angerichtet hat, dokumentierte die UEFA in ihrem Benchmarking Bericht, einer Studie von über 700 Vereinen aus den 54 Top-Ligen. Nach Verlusten in Höhe von rund drei Milliarden Euro im Jahr 2020 kamen weitere vier Milliarden in 2021 hinzu.

Die größten Verluste resultierten in Höhe von 4,4 Milliarden Euro aus den geringeren bzw. fehlenden Ticketeinnahmen während der Pandemie. Die Sponsoring-Einbußen beliefen sich auf 1,7 Milliarden Euro, dazu schlugen Verluste aus den TV-Rechten in Höhe von rund 900 Millionen Euro noch zu Buche.

Festgehalten wurde aber auch: Trotz der Verluste sind die Spielergehälter in der Pandemie bei den Clubs durchschnittlich um zwei Prozent pro Jahr gestiegen. Damit machte dieser Posten in den Bilanzen der Clubs bereits 56 Prozent der Einnahmen aus. Zum Vergleich: 2013 wurden nur 42 Prozent der Einnahmen für die Spielergehälter verwendet. So ist der Ernst der Lage vielen Verantwortlichen noch nicht bewusst.

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