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Tennis

Wimbledon-Aus für russische Profis - Djokovic: «Verrückt»

London (dpa)

Russische und belarussische Tennisprofis dürfen in diesem Sommer nicht am Rasenklassiker Wimbledon teilnehmen. Die Entscheidung der Organisatoren ruft nicht nur bei Novak Djokovic Kritik hervor.

Von Kristina Puck, dpa

«Wenn sich die Politik in den Sport einmischt, ist das Ergebnis nicht gut», sagt Novak Djokovic. Foto: Darko Vojinovic/AP/dpa

Der serbische Topstar Novak Djokovic nennt es «verrückt». Die WTA, ATP und Martina Navratilova finden die Sanktion nicht gerecht. Der Alleingang von Wimbledon mit dem pauschalen Ausschluss russischer und belarussischer Tennisprofis hat Kritik und reichlich Diskussionen ausgelöst.

Dem prestigeträchtigsten Tennis-Turnier der Welt müssen in diesem Sommer Titelkandidaten wie US-Open-Sieger Daniil Medwedew und die Weltranglisten-Vierte Aryna Sabalenka fernbleiben.

Für die Organisatoren ist dies eine notwendige Konsequenz aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Es ist eine Entscheidung für einen umfassenderen Ausschluss von Spielerinnen und Spielern, wie es sie zumindest aus politischen Gründen in den vergangenen Jahrzehnten im Tennis nicht gegeben hat.

Die Russin Darja Kassatkina reagierte nach ihrem Achtelfinal-Aus von Stuttgart mit Verständnis. «Es gibt größere Dinge, die gerade in der Welt passieren. Das Leben von Menschen ist das Wichtigste», sagte die Nummer 26 der Welt. Sie sei nicht sicher, «wie die Entscheidung die Situation im Allgemeinen verändern» werde, sagte die in Spanien lebende Kassatkina. Aber Menschenleben hätten «ganz sicher» Priorität. Sabalenka, Vorjahres-Halbfinalistin von Wimbledon, wollte den Ausschluss nicht kommentieren. Sie fokussiere sich auf das Turnier und versuche alles zu kontrollieren, was sie kontrollieren könne, sagte die Stuttgarter Viertelfinalistin.

«Wir wollen sie nicht komplett ausgeschlossen haben», sagte die ukrainische Spitzenspielerin Jelena Switolina der BBC. «Wenn Spieler nicht ihre Stimme erheben gegen die russische Regierung, dann ist es das Richtige, sie auszuschließen.» Wie andere ukrainische Spieler hatte die pausierende 27-Jährige zuvor die Organisationen WTA und ATP zu einer Aufforderung an die russischen und belarussischen Spieler aufgerufen, sich klar zu positionieren.

Athletinnen und Athleten allgemein hätten mit dem Krieg nichts zu tun, meinte der serbische Weltranglisten-Erste Djokovic. «Wenn sich die Politik in den Sport einmischt, ist das Ergebnis nicht gut», sagte der sechsmalige Wimbledonsieger. Der 34-Jährige erinnerte angesichts der Kriege im Balkan daran, dass er selbst ein Kriegskind sei. Er sei der Erste, der Kriege verurteile, betonte Djokovic auch mit Blick auf das Leid der Zivilbevölkerung in Kriegen.

Navratilova: Tennis ein «demokratischer Sport»

Auch Tennis-Ikone Navratilova fühlt mit der ukrainischen Bevölkerung und den Sportlern, hält den Ausschluss für das traditionsreiche Grand-Slam-Turnier vom 27. Juni bis zum 10. Juli aber für falsch. «Tennis ist ein solch demokratischer Sport. Es ist schwierig, wenn man sieht, dass die Politik ihn zerstört.» Der Krieg sei schrecklich. Der Ausschluss gehe aber über das hinaus, was erforderlich sei.

Wimbledon greift zu einem Schritt, der andere Maßnahmen im Tennis überschreitet. Der Weltverband ITF hatte zwar Russland und Belarus aus der Teilnehmerliste für die Mannschaftswettbewerbe Davis Cup und Billie Jean King Cup gestrichen. Wimbledon ist aber das erste Turnier, das Einzel- und Doppelspieler wegen der russischen Invasion in der Ukraine ausschließt.

Auf der ATP- und WTA-Tour spielen Russen und Belarussen weiter mit - nur nicht unter ihrer Nationalflagge. Auch beim derzeit laufenden Sandplatz-Hallenturnier in Stuttgart fehlt beispielsweise in der Auslosung und im Spielplan die Herkunft etwa bei Sabalenka.

Die Schwäbin Laura Siegemund erklärte bei ihrem Heimturnier, der Entscheidung zwiespältig gegenüber zu stehen. «Der Krieg hätte nicht beginnen sollen. Jeden Tag, den er andauert, ist ein Tag zu lange», sagte die 34-Jährige: «Dass sie pauschal bestraft werden, auch wenn sie selbst gegen diesen Krieg sind, das finde ich ein bisschen zu einfach.» Sie glaube, es gebe bessere Zeichen, die man setzen könne.

WTA und ATP prüfen mögliche Maßnahmen

Auch die Profi-Organisationen WTA und ATP reagierten am Mittwochabend mit Kritik, nachdem die Veranstalter des Rasenklassikers vorangehende Medienberichte zum Ausschluss offiziell bestätigt hatten. Die ATP teilte mit, es sei «unfair», Spieler wegen ihrer Nationalität zu diskriminieren, und die Entscheidung habe «das Potenzial, ein schädlicher Präzedenzfall» zu werden.

Die WTA werde Schritte und mögliche Maßnahmen gegen diese Entscheidung prüfen, hieß es in einer Stellungnahme der Damen-Organisation. «Die WTA hat immer wieder betont, dass einzelne Sportlerinnen und Sportler nicht aufgrund ihrer Herkunft oder aufgrund von Entscheidungen der Regierungen ihrer Länder bestraft oder an der Teilnahme gehindert werden dürfen». Als nächstes Grand-Slam-Turnier stehen die Ende Mai beginnenden French Open in Paris an

Die Wimbledon-Organisatoren räumten ein, es sei hart für die Betroffenen, dass sie unter den Handlungen der russischen Führung leiden müssten. Es stünde mit in der Verantwortung des Turniers den weltweiten Einfluss Russlands mit den möglichen Mitteln zu beschränken, begründeten sie ihren Schritt. Angesichts des Krieges wäre es nicht zu akzeptieren, dass das russische Regime Nutzen aus den Auftritten von Tennisprofis in Wimbledon ziehen könne.

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