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Tennis-Star

Zverev ist Ausraster in Acapulco «peinlich»

Indian Wells (dpa)

Vor zwei Wochen schlägt Alexander Zverev mit seinem Schläger in Acapulco auf den Stuhl des Schiedsrichters ein. In Indian Wells entschuldigt er sich erneut - und macht eine kleine Enthüllung.

Von Maximilian Haupt, dpa

Zverev ist sein Ausraster in Acapulco vor zwei Wochen peinlich, wie er auf einer Pressekonferenz bekräftigt. Foto: Maximilian Haupt/dpa

Alexander Zverev wusste natürlich, welche Fragen bei der Pressekonferenz in Indian Wells als erstes kommen.

Nach der eher milden Bestrafung durch die Herren-Profiorganisation ATP für seinen Ausraster beim Turnier in Acapulco, als er seinen Schläger vor zwei Wochen am Schiedsrichterstuhl zerstörte und den Referee darauf wüst beschimpfte, ist das Thema in der Tennis-Szene noch längst nicht abgehakt für den Olympiasieger aus Hamburg.

Also machte sich der 24-Jährige auch gar nicht erst die Mühe, über etwas anderes reden zu wollen vor dem Start des ATP-Turniers in Indian Wells - an dem er trotz des Vorfalls teilnehmen darf. Denn die acht Wochen Sperre und die Geldstrafe sind zur Bewährung ausgesetzt.

Olympiasieger legt erneut Buße ab

Zverev setzte sich in seiner schwarzen Trainingsjacke also auf den Stuhl in dem Saal, in dem er bald dann doch wieder lieber über Siege in der kalifornischen Wüste sprechen würde. Während die langjährige Nummer eins Novak Djokovic wegen seiner fehlenden Corona-Impfung dort und in Miami gezwungenermaßen fehlt, wird Zverev nach einem Freilos gegen den Amerikaner Tommy Paul oder den Kasachen Michail Kukuschkin in Runde zwei einsteigen.

Zuvor tat er Buße. «Das war wohl der größte Fehler meiner Tennis-Karriere», sagte er über seinen Kurzschluss in Mexiko, der ihn weltweit viele der Sympathien gekostet hat, die er sich in den Jahren zuvor mühevoll erarbeitet hatte. «Es war sicher der schlimmste Moment meines Lebens und meiner Karriere.» Entschuldigen sei «wahrscheinlich nicht genug, so wie ich mich verhalten habe. Es war peinlich für mich, es ist noch immer peinlich, wenn ich rumlaufe oder in der Umkleide bin. Es ist kein schönes Gefühl.»

Der Weltranglisten-Dritte hatte beim Turnier in Acapulco nach einer Niederlage im Doppel mehrmals mit seinem Schläger gegen den Schiedsrichterstuhl geschlagen, auf dem der Unparteiische noch saß. Er wurde disqualifiziert und musste 40.000 Dollar Strafe zahlen. Zudem musste er das Preisgeld von mehr als 30.000 Dollar zurückzahlen und verliert die Punkte für die Weltrangliste. Die 25.000 Dollar Geldstrafe durch die ATP werden aber wie die acht Wochen Sperre nur fällig, falls er sich innerhalb eines Jahres noch etwas zu Schulden kommen lässt, dass eine Geldstrafe nach sich zieht.

Rekord-Major-Sieger Rafael Nadal findet die Strafe für Zverev nach dessen Ausraster beim Tennis-Turnier in Acapulco nicht hart genug. «Auf der einen Seite will ich keine Strafe für Sascha, weil ich ihn mag und eine gute Beziehung habe zu ihm», sagte der spanische Starspieler am Rande des Tennis-Turniers in Indian Wells. «Auf der anderen Seite, als Fan des Sports, würde ich gerne eine härtere Strafe sehen für diese Art Verhalten, nicht nur von ihm, sondern grundsätzlich, weil das den Sport und die Schiedsrichter schützt und alle, die an diesem Sport beteiligt sind.»

Zverev-Image mit Dellen

«Wenn mir das wieder passiert, dann sollte ich gesperrt werden. Aber ich werde alles tun, um sicherzustellen, dass es nicht passiert. Nicht nur im kommenden Jahr nicht, sondern hoffentlich für den Rest meiner Karriere», sagte Zverev. Das öffentliche Bild von ihm hat ohnehin einige Dellen. Lange war er immer wieder vor allem nach Niederlagen sehr dünnhäutig in der Öffentlichkeit. Die Gewaltvorwürfe seiner Ex-Freundin hat er vehement abgestritten, die Untersuchung der ATP dazu läuft noch. Der Sieg bei den Olympischen Spielen in Tokio und seine glaubhafte Freude daran, Deutschland vertreten zu dürfen, halfen Zverev auf der Sympathieskala dann merklich nach oben - Acapulco aber hat seinem Image nun wieder geschadet.

Dabei arbeitet er nach eigenen Angaben schon seit Monaten daran, um für die Fans in der Heimat einen Leckerbissen zu organisieren: Den Davis Cup. Seine Teilnahme in Brasilien vergangene Woche sei nur scheinbar kurzfristig gewesen. Was wirkte, wie ein Versuch, durch seinen Einsatz in Rio de Janeiro schnell wieder Pluspunkte zu sammeln, war wohl schon seit Wochen in der Planung. «Es wirkte kurzfristig, war es aber gar nicht, weil ich darüber mit unserem Kapitän schon seit den Australian Open gesprochen habe. Ein Geschäftspartner und ich arbeiten daran, den Davis Cup nach Deutschland zu holen und dazu mussten wir uns natürlich erstmal qualifizieren», berichtete er nun in den USA.

Der deutsche Teamchef Michael Kohlmann hatte in Rio betont: «Wenn es in Deutschland wäre, dann wäre das natürlich eine Riesensache und für alle bei uns im Team ein Riesen-Highlight.»

Hoffnung auf Davis Cup in Hamburg

Mit Gerard Piqué, der neben seiner aktiven Karriere als Fußball-Profi beim FC Barcelona als Investor über die Geschicke des traditionsreichen Tennis-Teamwettkampfs entscheidet, stehe er in «ständigem Kontakt, wöchentlichem Kontakt, wir reden über die Business-Idee und so weiter und so fort.» Es gehe nun nur noch darum, «ob sie unser Angebot annehmen oder nicht», sagte Zverev.

Dass er lange als großer Kritiker des neuen Formats einen Einsatz im Davis Cup verweigert hatte, sieht Zverev nun nicht als Widerspruch. «Ich habe immer gesagt, dass ich kein Riesenfan davon bin. Aber ich bin schon ein Riesenfan davon, was jetzt zum Beispiel in Rio war: die Auswärtsspiele, die Heimspiele. Da bin ich ein Riesenfan von», sagte er. Dass das Format nun aufgeteilt und nicht mehr alles im Dezember an einem Ort gespielt werde, wie noch im vergangenen Jahr, «das ist schon ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.»

Klappt alles, ist Zverev im September dann als Teil des deutschen Teams in seiner Heimatstadt Hamburg dabei. Und hat die Hälfte seiner Bewährung bis dahin hinter sich. «Am Ende des Tages hoffe ich, dass die Leute mir vergeben und verstehen können, dass es großen mentalen Druck gibt und Dinge passieren, die Leute gar nicht sehen, und dass wir alle Menschen sind. Es ist nicht einfach für mich. Aber das habe ich verdient, dass es nicht einfach ist für mich gerade.»

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