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American Football

Bereit für die größte Party: LA heiß auf den Super Bowl

Inglewood (dpa)

Die Musiker-Kombination einzigartig, das Heimteam dabei und dazu angekündigte Höchstwerte von fast 30 Grad - Los Angeles ist bereit für den ersten Super Bowl in der Stadt seit 29 Jahren.

Von Maximilian Haupt, dpa

Im Super Bowl LVI stehen sich die Los Angeles Rams und die Cincinnati Bengals gegenüber. Foto: Morry Gash/AP/dpa

Gigantisches Stadion, das Heimteam am Start und eine Super-Bowl-Halbzeitshow mit Musik-Legenden, die schon vor dem ersten Beat als historisch eingestuft wird: Los Angeles ist bereit für die größte Party seit Beginn der Corona-Pandemie.

Die Los Angeles Rams spielen in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr) in ihrem SoFi Stadium gegen die Cincinnati Bengals und in der Millionen-Metropole im Süden Kaliforniens ist die Begeisterung für die Partie und das ganze Drumherum in den Tagen vor dem wichtigsten Football-Spiel der Welt in sehr vielen Ecken der Stadt spürbar. Die Promi-Dichte ist noch höher als sonst, überall gibt es Konzerte und Veranstaltungen mit dem Super Bowl LVI Logo. Und auch die NFL ist froh, für zumindest diesen einen Tag die Rassismus-Klage eines Ex-Trainers ausblenden zu können.

Spektakel in LA

Seit 1993 hatte die Unterhaltungshochburg an der Westküste keinen Super Bowl mehr. Nun ist das Spektakel wieder da - im ultramodernen SoFi Stadium. «Wie groß das Stadion ist, wie beeindruckend, das kann man sich als Deutscher gar nicht vorstellen», sagte der ehemalige NFL-Profi Sebastian Vollmer der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des nahe gelegenen Flughafens sind sechs der acht Stockwerke unterhalb der Erdoberfläche, ein gigantisches Dach und ein monströser Videoring, der größer als das Spielfeld ist, sind die Hingucker. Laut Schätzungen fünf Milliarden US-Dollar teuer, bietet das Stadion normalerweise Platz für etwa 70.000 Zuschauer.

Wie viele genau am Sonntagnachmittag rein passen, wenn bei erwarteten Temperaturen von fast 28 Grad Celcius einer der heißesten Super Bowls der Geschichte ansteht, wollte die NFL auch wenige Tage vor der Begegnung nicht sagen. Aber alle, die eines der Tickets ergattern konnten (die zuletzt rund 5000 Dollar aufwärts gekostet haben) werden wie die etwa 100 Millionen Fernsehzuschauer allein in den USA und die wohl deutlich mehr als zwei Millionen in der deutschen Nacht neben einer absehbar spannenden Partie zweier ähnlich stark eingeschätzter Teams auch Musik-Geschichte geboten bekommen. «Die Show ist wie immer richtig krass», sagte Vollmer.

Superstars in der Halbzeit

Die Hip-Hop- und Rap-Superstars Snoop Dogg, Dr. Dre, Eminem, Mary J. Blige und Kendrick Lamar sorgen für die Unterhaltung in der Pause - eine Kombination von Musik-Größen, wie es sie in dieser Form selbst beim Super Bowl noch nicht gegeben hat. Zum ersten Mal steht die Show komplett im Zeichen von Hip-Hop, R&B und Rap. «Das hätte schon vor langer Zeit passieren sollen», sagte Dr. Dre. «Es ist das größte Genre der Musik momentan. Dass es so lange gedauert hat, bis wir anerkannt wurden, ist verrückt. Wir werden eine Show machen, so dass niemand mehr wegschauen kann.» Snoop Dogg, der aus Los Angeles kommt und in der Gegend des Stadions aufgewachsen ist, ergänzte: «Der Hip-Hop ist hier, und das kann niemand mehr ändern.»

So ähnlich denken wohl auch die Bengals, denen vor dieser Saison so gut wie niemand den Einzug in die Playoffs, geschweige denn ins Endspiel um die Meisterschaft zugetraut hat. Noch vor zwei Jahren war das Team die schlechteste Mannschaft der Liga und hatte deswegen das Recht auf den besten Spieler beim sogenannten Draft. Die Bengals entschieden sich für Quarterback Joe Burrow - und der steht nun, in seiner zweiten NFL-Saison und der ersten nach seinem Kreuzbandriss in diesem gigantischen Finale gegen die Rams. «Wir haben sehr hart gearbeitet, um in diese Position zu kommen. Ich würde nicht sagen, dass es eine Überraschung ist», sagte er zu Wochenbeginn. Von der NFL wurde er für das Comeback der Saison ausgezeichnet.

Aus der Ruhe bringen lässt sich der 25-Jährige so gut wie gar nicht, seine Spitznamen drücken das aus. «Joe Cool» und «Joe Brr» in Anspielung auf seine Eiseskälte auf dem Platz zählen dazu, ebenso wie «Joe Franchise» - weil er allein die Bengals von ihrem Mauerblümchendasein in der NFL befreit zu haben scheint. «Ich war immer irgendwie ein selbstbewusster Spieler. Jetzt noch mehr als früher, weil ich mir selbst bewiesen habe, dass ich auf diesem hohen Niveau Football spielen kann», sagte Burrow.

Experte sieht Rams knapp vorne

Kicker Evan McPherson und Passempfänger Ja'Marr Chase, der zum besten Neuling der Liga im Angriff gewählt wurde, haben ebenso ihren Anteil am Super-Bowl-Einzug der Bengals und daran, dass die Bengals keinesfalls chancenlos sind. «Auf dem Papier ist LA die bessere Mannschaft, aber das heißt am Ende nichts. Auf dem Papier war ich auch in Super Bowls, die wir hätten gewinnen sollen. Klappt halt nicht immer. Ich würde Cincinnati nicht abschreiben», sagte Vollmer, der mit den New England Patriots zwei Mal einen Super Bowl gewonnen und zwei weitere Finals verloren hat.

Die Star-Power im Kader der Rams ist dennoch beeindruckend und ein Grund dafür, dass die Mannschaft leicht favorisiert ist. Quarterback Matthew Stafford zählt dabei nicht mal zu den größten Namen im Team, schließlich kam er vor der Saison nach zwölf Jahren bei den Detroit Lions ohne die Empfehlung auch nur eines Sieges in den Playoffs. Der wichtigste Spieler ist vielmehr Verteidiger Aaron Donald. Dazu kommen in Von Miller, der bei seinem Super-Bowl-Sieg im Trikot der Denver Broncos zum wertvollsten Spieler der Partie ausgezeichnet wurde, und Jalen Ramsey zwei weitere Verteidiger in einer starken Abwehr. Offensiv bauen die Rams auf Cooper Kupp, den die NFL als besten Angreifer der Saison ehrte, und Odell Beckham Jr.. Geht es nach ihnen, ist die Party in LA nach Spielende noch lange nicht vorbei.

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