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American Football

Überraschungsduell im Super Bowl: Cincinnati gegen Rams

Los Angeles (dpa)

Die Los Angeles Rams stehen im 56. Super Bowl und treffen im eigenen Stadion völlig unerwartet auf die Cincinnati Bengals. Das Überraschungsteam der Playoffs könnte nun zum Partycrasher werden.

Von Maximilian Haupt, dpa

Quarterback Joe Burrow (9) feiert mit seinem Teamkollegen den Sieg der Bengals. Foto: Charlie Riedel/AP/dpa

Inmitten der Rücktrittsgerüchte um Tom Brady hat der große Außenseiter Cincinnati Bengals das Überraschungsduell im Super Bowl perfekt gemacht.

Das Team um Quarterback Joe Burrow bezwang den patzenden Superstar Patrick Mahomes und die Kansas City Chiefs mit 27:24 und fordert im Endspiel in zwei Wochen die favorisierten Los Angeles Rams heraus. Ein Jahr nach der Premiere durch Football-Legende Brady und die Tampa Bay Buccaneers kann das Team aus Kalifornien durch das 20:17 über die San Francisco 49ers die Vince-Lombardi-Trophy als zweites NFL-Team ebenfalls im eigenen Stadion gewinnen.

Mahomes muss den Super Bowl am Fernseher verfolgen

Vor den Halbfinals der National Football League hatten noch die Spekulationen um das Karriere-Ende von Brady dominiert, im Super Bowl wird nach dem Playoff-Aus des erfolgreichsten Profis der Geschichte gegen die Rams nun auch ein weiterer großer Name fehlen. Statt einer dritten Final-Teilnahme in Serie muss Mahomes am 13. Februar das Duell am Fernseher verfolgen.

Und das trotz einer frühen 21:3-Führung gegen den Underdog und allen Trümpfen in der eigenen Hand zu Beginn der Verlängerung. Denn wie beim Spektakel in der Woche zuvor gegen die Buffalo Bills hatten die Chiefs erneut zuerst Ballbesitz. Alles was noch fehlte, war ein eigener Touchdown. Stattdessen aber fingen die Bengals den dritten Pass von Mahomes ab und erledigten den Job wenig später durch ein verwandeltes Field Goal von Kicker Evan McPherson: 27:24. Die Überraschung war perfekt.

«Wenn du den Münzwurf gegen diese Jungs verlierst, dann gehst du normalerweise nach Hause», sagte Bengals-Quarterback Joe Burrow dem TV-Sender CBS. «Ich bin einfach ein bisschen sprachlos gerade.» Gemeinsam mit Passempfänger Ja'Marr Chase, der einen Touchdown hatte, und Kicker McPherson steht Burrow für die Hoffnungen der Bengals auf den ersten Super-Bowl-Sieg ihrer Geschichte - die beiden bisherigen Finals 1982 und 1989 gingen jeweils gegen San Francisco verloren. Da war keiner der drei Football-Profis schon geboren.

Traum der Rams ist greifbar nah

Noch in der vergangenen Saison standen die Bengals am Ende der Hauptrunde auf dem letzten Platz ihrer Division. So wie schon im Jahr zuvor. Auch die Rams hatten die Playoffs vor zwei Jahren verpasst - die Voraussetzungen für die Mannschaft aus Los Angeles waren zuletzt dennoch völlig andere.

Vor drei Jahren standen die Rams mit ihrem damals erst 33 Jahre alten Trainer Sean McVay bereits im Super Bowl und verloren gegen die New England Patriots. Seither haben die Rams noch mehr ihrer mittelfristigen Zukunft für Stars in der Gegenwart aufgegeben und in ein Team investiert, das den Super Bowl gewinnen kann. Und das am besten im 2020 eröffneten SoFi Stadium, das mit Kosten von etwa fünf Milliarden Euro als das teuerste Stadion der Welt gilt und nun Austragungsort ist.

Durch den Sieg gegen San Francisco ist dieser Traum in der Unterhaltungsmetropole im Süden Kaliforniens fast greifbar. 1999, als die Rams ihren bislang einzigen Super-Bowl-Titel holten, spielte das Team unter dem Namen St. Louis Rams. Erst seit 2016 ist die Organisation wieder in Los Angeles zu Hause. Viele Bewohner in LA drücken anderen NFL-Teams die Daumen, das war auch am Sonntag zu sehen und zu hören. Sehr viele Zuschauer trugen Trikots der 49ers und veranstalteten einen Lärm bei Ballbesitz für die Rams, dass es sich zeitweise wie ein Auswärtsspiel anfühlte. In den kommenden zwei Wochen aber wird sich die Stadt hinter den Rams versammeln.

Offene Zukunft von Quarterback Garoppolo

Dass es dazu noch kommen würde, war am Sonntag lange sehr fraglich - noch im letzten Viertel lagen die Rams 7:17 in Rückstand. Dann aber erzielte Passempfänger Cooper Kupp seinen zweiten Touchdown und zwei Field Goals brachten die Führung. Weil Jimmy Garoppolo in seinem wohl letzten Spiel als Quarterback der 49ers im Anschluss unter großem Druck den Ball nur unsauber zum Mitspieler warf und daraus eine Interception wurde, war das Comeback perfekt.

Wo der 30 Jahre alte Garoppolo in der kommenden Saison spielt, ist offen. Seine Tage in San Francisco schienen schon vor der Partie gezählt. Eine freie Stelle gibt es absehbar in Florida: Dass Tom Brady seine Karriere beendet und den noch ein Jahr laufenden Vertrag bei den Bucs nicht mehr erfüllt, ist trotz der Verwirrung am Vortag noch immer die wahrscheinlichere Variante. Offiziell steht die Entscheidung des 44-Jährigen aber noch aus.

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