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Winterspiele in Peking

Die Vorfreude der Fahnenträger-Anwärter

Peking (dpa)

Einen Tag vor der Eröffnungsfeier wird das deutsche Fahnenträger-Duo bei den Peking-Spielen präsentiert. Zum Kreis der sechs Auserwählten zu gehören, macht alle Kandidaten schon stolz.

Von Andreas Schirmer, Frank Kastner und Jordan Raza, dpa

Hinter ihrem Fahnenträger zieht die deutsche Mannschaft 1992 in das Stadion von Albertville ein. Foto: Rolf Haid/dpa

Allein die Vorstellung, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele am Freitag in Peking die deutsche Fahne tragen zu dürfen, lässt die Kandidaten ins Schwärmen geraten.

Für die Snowboarderin Ramona Hofmeister wäre es «der Wahnsinn und ein Moment für die Ewigkeit». Die Olympia-Dritte im Parallel-Riesenslalom von 2018 in Pyeongchang ist eine von jeweils drei Kandidaten und Kandidatinnen, aus deren Kreis am Donnerstag das Fahnenträger-Duo präsentiert wird. «Ich bin fast nervöser als vor dem Wettkampf selber», meinte die 25-Jährige vom WSV Bischofswiesen.

Die deutschen Fahnenträger werden seit den Spielen im Sommer 2016 in Rio de Janeiro von den Athleten des deutschen Teams und von Fans per Online-Abstimmung gewählt. Vor vier Jahren war der Nordische Kombinierer Eric Frenzel der Auserwählte.

Nicht weniger euphorisch blickt Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich (31) der Aussicht entgegen, mit dem schwarz-rot-goldenen Banner vor dem deutschen Team ins Vogelnest-Stadion einmarschieren zu können. «Wenn man die Fahne tragen darf, ist es wie ein Ritterschlag unter Sportlern», meinte gebürtige Sachse. «Es ist eine der größten Ehren, wenn man die deutsche Mannschaft ins Stadion führen darf.» Um das sportliche Ziel, weiteres olympisches Gold zu holen, nicht zu gefährden, würde er aber auf Nummer sicher gehen und «mit einem Sonderauto fahren, damit coronamäßig alles abgesichert» sei.

Für Rodel-Doppelsitzer Tobias Wendl (34), der schon viermal Olympia-Gold gewann, wäre die Erfüllung des Traumes von der Fahnenträger-Ehre «das Allergrößte, was man erreichen» könne. Dafür würde der gebürtige Aachener auch weniger Schlaf bei den finalen Olympia-Vorbereitungen in Kauf nehmen: «Am nächsten Morgen wäre zwar um neun Uhr Training, doch dann müsste ich in den sauren Apfel beißen - aber das ist es wert.»

Nicht undenkbar, dass er mit der ebenso nominierten Rodel-Kollegin Natalie Geisenberger an der Seite den Einmarsch und Karrierehöhepunkt erlebt. «Von sechs Athletinnen und Athleten haben wir drei aus unserem Verband dabei», sagte Bundestrainer Norbert Loch vom Deutschen Bob- und Schlittenverband. Wenn es einer von ihnen schaffen würde, fände er es gerechtfertigt. Über viele Jahre habe sein Verband «zum sehr guten olympischen Abschneiden» beigetragen. «Es wäre schon cool», meinte auch Filius Felix Loch, der 2014 bei der Schlussfeier in Sotschi die Fahne getragen hatte: «Eine super Sache.»

Viel Anerkennung hat die ewige Eisschnellläuferin Claudia Pechstein nach ihrer Kür für die Fahnenträger-Endauswahl bekommen. «Was für eine Ausnahmeathletin! Man muss sie bewundern für das, was sie sportlich geleistet hat und leistet», sagte Eiskunstlauf-Ikone Kati Witt, die der Rekord-Olympionikin und fünfmaligen Gold-Sammlerin mehr als reif für die Ehre hält. «Es wäre eine große Anerkennung», sagte sie. «Ihre Leistung ist beispiellos im Eisschnelllauf. Sie setzt sich keine Grenzen, sondern einfach drüber hinweg. Chapeau!»

Die 49-Jährige selbst versicherte: «Für mich wäre es der i-Punkt auf der Karriere mehr oder weniger, weil es einfach etwas ganz Spezielles wäre.» Dass Pechstein bei ihrem vermeintlich letzten Olympia-Start selbst eingestanden keine Medaillenchance mehr hat, hinderte den Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig nicht, ihr uneingeschränkt Wertschätzung zu zollen: «Die Karriere dieser Athletin ist überragend und einzigartig.» Die Berlinerin gehörte auch 2018 zum Kreis Fahnenträger-Kandidatin. Ihre Nominierung hatte damals polarisiert, weil sie Jahre zuvor wegen Dopingverdachts auf Grundlage eines auffälligen Blutbildes, aber ohne positiven Befund gesperrt wurde.

Für große Freude sorgte beim Deutschen Eishockey-Bund, dass nach vier Jahren wieder ein Nationalspieler die Fahne tragen könnte. Bei der Abschlussfeier in Südkorea schwenkte der frühere NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff die Flagge - auch als Anerkennung für sein Team, das erst im Olympia-Finale gegen Russland verloren hatte. Diesmal ist dessen damaliger Teamkollegen Moritz Müller einer der Vorgeschlagenen im Sextett. «Vier Jahre nach der Abschlussfeier in Pyeongchang schon wieder einen Eishockeyspieler als Fahnenträger zu haben, wäre wirklich unbeschreiblich», meinte DEB-Präsident Franz Reindl. Das zeige, «welchen Stellenwert wir als Sportart» wieder haben».

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