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Olympische Winterspiele

Olympia-Vorbereitung virtuell: Mit 3D-Brillen fit für Peking

Zhangjiakou (dpa)

Die Pandemie machte eine normale Olympia-Vorbereitung unmöglich. Test-Weltcups fielen aus, viele Athletinnen und Athletinnen wissen erst seit kurzem, was sie erwartet. Eine besondere Technik half.

Von Thomas Wolfer, Christoph Lother und Patrick Reichardt, dpa

Eine Skipiste im Nationalen Ski-Alpin-Zentrum wird vorbereitet. Foto: Michael Kappeler/dpa

Obwohl Denise Herrmann noch nie zuvor in Zhangjiakou gewesen ist, wird der Sächsin doch sehr viel bekannt vorkommen.

Wenn sich die Biathletin am Mittwoch in China erstmals ihre Trainings-Ski anschnallt, läuft sie endlich real die Strecken ab, die sie zuvor nur virtuell dank einer 3D-Brille kennenlernte.

«Es ist extrem, was mit Technik mittlerweile möglich ist», sagte die ehemalige Weltmeisterin: «Das ist für uns supercool, dass man mal das Streckenprofil sehen kann - und nicht nur auf einem Bild.»

DSV filmt im Vorfeld die Olympia-Strecken

Wie das geht? Eine Skitechniker-Delegation des Deutschen Skiverbandes war Ende des vergangenen Jahres auf den Olympia-Strecken von Peking unterwegs, filmte diese ab und sammelte jede Menge Video-Material. Dieses wurde dann auf 3D-Brillen gespielt und den Athleten zur Verfügung gestellt. Nötig wurde das überhaupt, weil die olympischen Testwettkämpfe von Biathleten, Langläufern, Nordischen Kombinierern oder Skispringern wegen der Corona-Pandemie 2021 abgesagt wurden. Keiner der Sportlerinnen und Sportler hatte die neuen Anlagen vor der Anreise in diesen Tagen selbst gesehen. Also half nur die Technik.

«Ich bin sogar schon von der Schanze gesprungen mit dieser Brille», sagte Herrmann, die sich aber natürlich auf die Loipen rund um das Stadion der Skijäger konzentrierte. «Man hat dann so einen kleinen Voreindruck bekommen», sagte die 32-Jährige: «Man kann sogar links, rechts ein bisschen in die Ferne schauen, wie die Landschaft ist.»

Natürlich dient dieses Hilfsmittel nur dazu, ein erstes Gefühl zu bekommen. Und während die Biathletinnen und Biathleten nur drei Tage zur Vorbereitung eingeplant haben, sind die deutschen Skilangläufer bereits am vergangenen Wochenende angereist. «Die Strecken in Peking sind brechhart, das weiß man. Man muss sich dementsprechend sehr gut vorbereiten», sagte Langläufer Jonas Dobler: «Genau anschauen kann man es eh erst, wenn man läuft. Eine Woche anschauen reicht.»

Laufbänder mit Streckenprofilen

Als weitere Möglichkeit nutzen die nordischen Skisportler spezielle Laufbänder, auf denen das Streckenprofil einprogrammiert wird. Auch das hilft dabei, ein Gefühl für die Schwere der Loipen zu bekommen. «Wir sind auch das Streckenprofil auf dem Laufband in Oberhof schon abgelaufen», sagte Herrmann: «Aber optisch zu sehen, wie die Strecke aussieht mit der Brille, hat uns fast mehr gebracht.» Längst nicht jeder macht davon Gebrauch. «Ich werde mir die Brille nicht zu Gemüte führen», sagte Biathlet Benedikt Doll, der nicht mehr als die geplanten drei Tage Vorbereitung benötigt: «Das reicht mir.»

Während die Rodler oder Bob-Stars den Eiskanal von Yanqing bereits in den vergangenen Monaten selbst kennenlernen durften, sehen die Alpin-Fahrer ihre Unkenntnis der Pisten eher gelassen. Bislang durften die Herren nur auf der Trainingsstrecke fahren. Auf die richtige Olympia-Abfahrt geht es erst ab Donnerstag beim ersten offiziellen Training, zwei weitere Einheiten folgen. Auch sie haben jedoch Bilder und Videos bekommen, die allerdings natürlich noch nicht die spätere Kurssetzung enthalten konnten, wenn es am Sonntag um Gold geht.

«Man darf sich da nicht wahnsinnig machen», sagte Romed Baumann und warnte vor zu viel Aktionismus. Bei drei Trainings baue man «schon ein ganz gutes Gefühl auf», sagte der 36-Jährige. Für sie gehöre es ohnehin dazu, sich immer auf neue Bedingungen einzustellen. «Nicht nur schnell Skifahren, sondern auch Läufe lernen. Im Slalom ist es oft ja noch komplizierter als in der Abfahrt», sagte Baumann.

Und die besondere Vorbereitung hatte auch ihre Nachteile. So klagte Biathlet Johannes Kühn nach seiner virtuellen Ausfahrt über leichte Übelkeit. «Und mir war es auch leicht schwummerig», sagte Herrmann. Man habe richtig gemerkt, wie «der Körper mitmachen will», wenn man in eine Senke fährt, «obwohl man ja auf festem Boden steht».

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