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Strecken, Zeiten, Distanzen

9 Dinge, die Sie über das Laufen wissen müssen

München/Darmstadt (dpa/tmw)

Von Slow-Jogging bis Ultra-Trail: Laufen ist eine vielseitige Sportart. Fast jeder kann da seine Nische finden. Hinzu kommt: Es ist denkbar einfach. Sie müssen nur die Schuhe anziehen und loslaufen.

Christoph Klemp, dpa

Gesundheit, Fitness, Spaß: Gute Gründe, mit dem Joggen anzufangen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland schnüren in ihrer Freizeit gelegentlich die Joggingschuhe. Das zeigt eine repräsentative Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der über 14-Jährige befragt wurden.

«Laufen ist die ursprünglichste Form der menschlichen Bewegung», sagt der Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

«Laufen muss man nicht neu erlernen - wie etwa Skifahren». Nein, wir können es in der Regel. «Laufen bekommen wir als Kinder mit in die Wiege gelegt», so Froböse.

Hier sind die neun wichtigsten Fakten zum Laufen:

1. Wie viele Läufer gibt es in Deutschland?

Joggen ist eher ein Individualsport. Daher ist es nicht möglich, die Zahl über Mitgliederzahlen in Vereinen oder ähnliches zu ermitteln. Wir können uns dieser Zahl seriös also tatsächlich nur annähern.

Fakt ist: Es sind Millionen, die in Deutschland regelmäßig laufen. Laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2021 joggen 22,78 Millionen Menschen in Deutschland häufig oder ab und zu.

Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) zählte im Jahr 2019 insgesamt 2,1 Millionen Teilnehmer bei 3400 Laufveranstaltungen.

2. Wie viel Geld geben Läufer für das Joggen aus?

Rund 2,2 Milliarden Euro gaben die Menschen in Deutschland fürs Joggen aus - vor allem für Laufschuhe und Sportkleidung. Das zeigt eine Erhebung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISP) aus dem Jahr 2015.

Zum Vergleich - noch höher liegen die Investionen für ein Hobby im Outdoor-Bereich nur

  • beim Radsport mit 5,18 Milliarden und
  • beim Wandern mit 4,7 Milliarden.

3. Wie viele Kilometer laufen Jogger im Jahr?

Hinweise über die regelmäßige Aktivität der Jogger liefern die Daten der Lauf-Apps, mit denen Läufer ihr Training aufzeichnen.

Allein die App Strava, die in Deutschland 2,5 Millionen registrierte Nutzer hat, verzeichnete im Zeitraum vom 1. Oktober 2019 bis 30. September 2020 in Deutschland insgesamt:

  • 100,9 Millionen gelaufene Kilometer und
  • 839,9 Millionen Höhenmeter.
  • Männer liefen im Schnitt 8,3 Kilometer pro Lauf,
  • bei den Frauen waren es 6,8 Kilometer.
Motiviert: Manche Läufer trainieren trotz Kälte regelmäßig. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

4. Wo und wann Läufer in Deutschland häufig joggen?

Ein besonders beliebter Ort bei Joggern ist der Wald. Kein Wunder, Sport unter dem grünen Dach baut Stress ab und oft geben Waldböden auch etwas nach - zumindest sind die Böden weicher als Asphalt, und damit schonender für die Gelenke.

3 Run-Facts:

  • Die beliebteste Joggingzeit bei Nutzern der App Strava ist sonntags um 10 Uhr.
  • Die beliebteste Laufzeit insgesamt ist 18 Uhr.
  • Das beliebteste Datum der 31. Januar 2021.

Das ergab eine Auswertung zum Laufverhalten der Deutschen zwischen Mai 2020 und April 2021 durch Strava. Anlass war der Global Running Day am 2. Juni 2021.

5. Was sind die häufigsten Gründe für das Laufen?

Warum laufen Sie? Diese Frage stellt das Fachmagazin Runner’s World jedes Jahr seinen Lesern. Für das Jahr 2020 gaben die 10500 befragten Läufer folgende Antworten am häufigsten:

Ich laufe,

  • um gesund zu bleiben - 71 Prozent,
  • für meine Fitness - 70 Prozent,
  • aus Spaß - 65 Prozent,
  • für mehr Ausdauer - 64 Prozent,
  • um Stress abzubauen - 62 Prozent,
  • um mich besser zu fühlen - 61 Prozent,
  • um mein Gewicht zu halten - 37 Prozent,
  • um in Wettkämpfen Erfolg zu haben - 32 Prozent,
  • um abzunehmen - 20 Prozent,
  • um gut auszusehen - 18 Prozent.

6. Warum ist Laufen so gesund?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen,

  • mindestens 2,5 Stunden pro Woche mäßig anstrengende Ausdaueraktivitäten auszuüben und
  • an mindestens zwei Tagen in der Woche die Muskeln zu trainieren.

Joggen ist dafür perfekt. Denn Laufen kann einen großen Beitrag zum Ausdauertraining leisten.

Laut Robert Koch-Institut gehört Laufen zu den gesundheitsfördernden Aktivitäten, insbesondere als mäßig anstrengende Ausdaueraktivität.

Denn sogenanntes «aerobes» Training, also «Laufen, ohne zu schnaufen», bewirkt eine erhöhte Atem- und Herz-Frequenz. Sie sollten es aber mindestens zehn Minuten am Stück ausgeüben.

Kontrolle ist gut: Beim Laufen Zeit und Puls im Blick behalten. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Der Berufsverband Deutscher Internisten attestiert Ausdauersportarten wie Joggen folgende positiven Auswirkungen:

  • Schutz der Herz-Kreislauf-Funktion,
  • Stabiles Knochengerüst,
  • Aktiver Stoffwechsel,
  • Bessere Blutfettwerte,
  • Stärkung der Immunabwehr,
  • Bessere Stressresistenz,
  • Positive Stimmung.

Auch Forscher der Victoria University Melbourne haben im Jahr 2019 in einer großen Meta-Studie herausgefunden, dass Läufer im Vergleich zu Nicht-Läufern

  • ein um 30 Prozent niedrigeres Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben und
  • ein um 23 Prozent niedrigeres Risiko haben, an Krebs zu sterben.

Die Ergebnisse basieren auf 14 Studien mit mehr als 230000 Teilnehmern aus den USA, Großbritannien, China und Dänemark.

7. Wer sollte lieber nicht laufen?

Grundsätzlich ist der Nutzen körperlicher Aktivität erheblich höher als mögliche Risiken. Dennoch gilt auch beim Joggen der gesunde Menschenverstand.

Wer aus dem Stand einen Marathon laufen will, wer zu schnell, zu viel, zu oft läuft - riskiert oft seine Gesundheit.

«Übergewichtige oder Personen mit Gelenkproblemen wie Arthrose oder Rheuma in den unteren Extremitäten sollten vom Joggen erst einmal absehen», sagt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er rät dann zu anderen Aktivitäten wie Radfahren.

Tipp: Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention rät Einsteigern und Wiedereinsteigern vorab zu einer ärztlichen Untersuchung. So können Sie mögliche Vorerkrankungen erkennen und Risiken vorbeugen. Spricht aus Sicht des Arztes oder der Ärztin nichts dagegen, können Sie das Lauf-Training beginnen.

Gelenke schonen: Nicht nur auf Asphaltwegen laufen. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Tipp für Anfänger: Froböse rät Beginnern, zunächst mit dem Walking zu beginnen, bevor sie nach etwa einem halben Jahr zum Laufen übergehen. Grund: Es sei wichtig, die Stoßdämpfer, also die Beinmuskulatur, aufzubauen.

«Alle Personen mit Herzkreislaufproblemen oder auch neurologischen Erkrankungen sollten auf jeden Fall vor dem Beginn mit Ihrem Arzt darüber reden», so Froböse.

Zudem gibt es einige Warnzeichen, die Sie nicht ignorieren sollten. In Form, eine Initiative der Bundesregierung, nennt zwei:

Tipp für den besten Untergrund: Vermeiden Sie lange Läufe auf Asphalt oder Betonböden. Unebener Untergrund etwa auf Waldwegen schult die Koordination und wirkt einseitiger Belastung der Gelenke entgegen.

8. Wie kam die Läuferbewegung nach Deutschland?

Eine kleine Chronik mit Personen und Ereignissen, die die Läuferbewegung in Deutschland mitgeprägt haben:

Turnvater Jahn nannte es bereits 1816 in seinem Buch «Die deutsche Turnkunst»: Lauf ohne Schnauf.

Ernst van Aaken machte in Deutschland in den 1950er-Jahren das «Waldnieler Lauftraining der reinen Ausdauermethode» bekannt. Ein langes, lockeres Laufen über weite Strecken, bei denen die Läufer nicht aus der Puste kommen sollten.

Dazu muss man wissen, bis dahin war das Intervalltraining, also der Wechsel aus schnellen und langsamen Laufphasen, das vorherrschende Trainingsprinzip.

Athleten, die van Aaken trainierte, gewannen deutsche und internationale Meisterschaften. Der bekannteste: Harald Norpoth. Er wurde 1964 bei Olympia in Tokio Zweiter über 5000 Meter.

Tragisch: Der leidenschaftliche Läufer Ernst van Aaken wurde im Jahr 1972 beim Laufen in der Dunkelheit von einem Auto erfasst und verlor in Folge des Unfalls beide Beine.

Bill Bowerman entdeckte die Idee dieses Ausdauerlaufs in Neuseeland. Der US-Leichtathletik-Trainer brachte sie 1962 mit in die USA. Die neue Laufformel auf der anderen Seite des Atlantiks lautete: LSD - long slow distance, also eine lange, langsame, weite Distanz. Später gründete Bowerman die US-Sportartikelfirma Nike.

9. Zurück nach Deutschland: Wie das Laufen zum Volkssport wurde

Der Bobinger Lauf in der Nähe von Augsburg vom 13. Oktober 1963 mit 1654 Teilnehmern gilt als der erste Volkslauf in Deutschland. Etwa zwölf Jahre später gab es bereits 497 Laufveranstaltungen mit 394.401 Teilnehmern und Teilnehmerinnen.

Unter dem Dach der Landesverbände des Deutschen Leichtathletik-Verbandes finden heute pro Jahr rund dreieinhalbtausend Lauf-Events mit mehr als zwei Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

«Trimm-Dich»: 1970 startete der Deutsche Sportbund, heute «Deutscher Olympischer Sportbund», die insgesamt 16 Jahre andauernde Breitensport-Kampagne. Fast jeder kannte «Trimmy», das Maskottchen mit dem nach oben gerecktem Daumen.

Ab Mitte der 70er-Jahre prägte die Kampagne das Motto:

  • «Ein Schlauer trimmt die Ausdauer!» und
  • «Trimm-Trab - das neue Laufen, ohne zu schnaufen».

In der DDR wurde die Bevölkerung 1974 mit dem Slogan «Eile mit Meile» zu regelmäßigem Laufen und anderen Ausdauersportarten eingeladen.

Für den ersten Lauftreff in Deutschland fiel am 16. März 1974 im Dortmunder Rombergpark der Startschuss. Die Idee: Ohne Anmeldung, ohne Vereinsmitgliedschaft und kostenlos kann jeder mitmachen.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» widmete dem Trend 1978 eine ganze Titelgeschichte: «Laufen: Besser als Sex, Drogen und Alkohol». Darin schreibt das Magazin: «Aus freien Stücken, ohne Ansporn einer Klub-Mitgliedschaft, machen sich viele Jogger täglich, die meisten wenigstens dreimal je Woche, auf die Jagd nach dem Köstlichen.»

Der Zeitpunkt, an dem Laufen endgültig zum Breitensport in Deutschland wurde, lässt sich ganz gut am Berlin Marathon festmachen: Im Oktober 1974 waren beim ersten Berliner Volksmarathon 286 Teilnehmer an den Start gegangen.

Im Jahr 1985 wurde bei dem Berlin Marathon zum ersten Mal die 10.000er-Marke überschritten. Damals nahmen 11.814 Läufer teil. Im Jahr 2019 zählten die Veranstalter 62.444 Läufer aus 150 Nationen.

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