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Anhaltende Niedriglöhne in der Kurier- und Paketbranche

17 Euro brutto pro Stunde

Düsseldorf

Der Online-Handel boomt besonders in der Corona-Krise – und auch zu Weihnachten 2021 erreicht er wieder Höchststände. Doch diejenigen, die die Pakete und Geschenke zu den Bestellern nach Hause bringen, haben trotz vielfacher Kritik seit mehr als zehn Jahren keine Lohnsteigerungen erfahren.

Von Birgit Marschall

Der Pakete-Boom ist auch eine Folge der vielen Corona-Beschränkungen im Einzelhandel. Die Mitarbeiter der Branche haben gerade vor Weihnachten viel zu tun. Allerdings werden sie in der Regel nicht gut bezahlt. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn der Beschäftigten in der Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) lag im vergangenen Jahr bei 17,13 Euro ohne Sonderzahlungen. Die Paketzusteller verdienten damit im Jahr 2020 nicht mehr als im Jahr 2009. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, die unserer Redaktion zu Weihnachten exklusiv vorliegt.

Die Niedriglöhne bei Paketzustellern sind seit Jahren ein politisches Ärgernis, doch das Lohnniveau ist dennoch nicht gestiegen. Der Antwort zufolge gab es 2020 gegenüber dem Jahr 2009 einen Nominallohnanstieg von nur 0,1 Prozent. Berücksichtigt man die Inflation in den zurückliegenden zwölf Jahren, bedeutete das für die Zusteller einen Kaufkraftverlust von knapp 13 Prozent.

Vollzeitbeschäftigte in der KEP-Branche lagen damit 2020 bei nur knapp 73 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts, wie aus der Antwort des Ministeriums hervorgeht. Und 43 Prozent aller Beschäftigten der Post-, Kurier und Expressdienste erhielten im Jahr 2018 einen Niedriglohn von weniger als 11,05 Euro die Stunde brutto, heißt es in der Antwort.

Das durchschnittliche Monatsgehalt (ohne Sonderzahlungen) von Vollzeitbeschäftigten in tarifgebundenen KEP-Unternehmen lag im Jahr 2020 mit 3013 Euro brutto um 561 Euro höher als in nicht-tarifgebundenen KEP-Unternehmen. Dieses Lohngefälle zwischen tarifgebundenen und nicht-tarifgebundenen KEP-Unternehmen ist den Daten zufolge seit 2009 rasch angestiegen: Im Jahr 2009 lag die Differenz noch bei 330 Euro im Monat.

Die geringen Verdienste führen dazu, dass nicht wenige Zusteller ihr Einkommen durch ergänzende staatliche Hilfe aufstocken müssen. Von den insgesamt 430.000 Beschäftigten in der Branche seien im April 2021 knapp 23.000 oder 5,3 Prozent auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen gewesen, so das Arbeitsministerium, das sich dabei auf Daten des Statistischen Bundesamts und der Bundesagentur für Arbeit beruft.

„Die neuesten Zahlen zeigen: Die Löhne sind in weiten Teilen der Branche weiterhin unterirdisch. Daran hat offenkundig die viel gepriesene Nachunternehmerhaftung in der Paketbranche nichts ändern können“, sagte Linken-Politiker Pascal Meister. „Es muss endlich Schluss damit sein, dass diejenigen, die bei Wind und Wetter auch jetzt in der Weihnachtszeit Briefe und Pakete austragen, dafür nicht anständig bezahlt werden. Die neue Bundesregierung muss endlich konsequent gegen die anhaltende Ausbeutung in der Branche vorgehen. Subunternehmerketten und Werkverträge gehörten analog zur Fleischindustrie verboten. Bei der Neufassung des Postgesetzes müsse zudem die bereits für die Briefpost bestehende Lizenzpflicht auch auf die Paketbranche ausgeweitet werden, sagte Meiser.

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