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Immer mehr Institute schrauben ihre Kontoführungsgebühren hoch

Bankgeschäfte werden teurer

Bielefeld (WB). Immer mehr Geldinstitute drehen wegen der weggebrochenen Zinserträge an der Gebührenschraube. Jüngst hat die Sparkasse Bielefeld die monatliche Kontoführungsgebühr für Privatkunden um einen Euro auf 6,90 Euro angehoben. Mancher Kunde ärgert sich. Die Erhöhung ist jedoch kein Einzelfall, wenn man auf die gesamte Region blickt. Bundesweit bieten nach Angaben des Verbraucherportals Biallo aber mindestens 40 Geldhäuser noch ein kostenloses Girokonto an.

Edgar Fels und den Lokalredaktionen

Symbolbild. Foto: dpa

So haben auch andere Institute ihre Gebühren erhöht – zum Teil bereits 2016 oder 2015. Doch Vorsicht: Ein Vergleich gestaltet sich aufgrund der unterschiedlichen Girokontenmodelle schwierig. Grob gesagt gilt: Wer als Kunde wenig Bank-Leistungen in Anspruch nimmt, kommt mit etwa drei Euro im Monat hin. Wer allerdings mehr will, zahlt bis zu 15 Euro. Für Schüler, Auszubildende und Studenten ist das Girokonto meist kostenlos.

Blick nach Ostwestfalen-Lippe

Bei einer der größten Banken in der Region, der Verbund-Volksbank OWL (Paderborn/Höxter/Detmold/Minden), liegt die Erhöhung bereits ein Jahr zurück. So liegt der Grundpreis pro Monat bei 8,50 Euro. Standard-Buchungsposten, Überweisungen am SB-Terminal oder das Online-Banking sind enthalten – es fallen also keine zusätzlichen Kosten an. Nur wer Überweisungsaufträge per Telefon, Fax oder am Schalter erledigt, zahlt dafür zwei Euro extra, erläutert Sprecherin Sylvia Hackel.

Bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh gibt es drei Modelle mit den Namen Klassik für monatlich 2,95 Euro, Online für 4,95 Euro und Premium für 12,95 Euro. Auch hier müssen Kunden sich vorher überlegen: Wie oft erledige ich welche Bankgeschäfte wie etwa Ein- und Auszahlungen von Bargeld am Schalter?

Die Sparkasse Paderborn-Detmold als größte in OWL hat gleich vier kostenpflichtige Modelle im Angebot: Am teuersten ist das so genannte Premiumkonto »Giro Gold« für monatlich 15 Euro. Es enthält unter anderem Abschläge beim Dispositionskredit sowie einen kostenlosen Chip-TAN-Generator. Wer weniger Leistungen benötigt, kann das »Giro Silber« für 7,50 Euro wählen, das »Giro Bronze« für 3,75 Euro oder das »Giro Online« für 3,00 Euro. Beim »Giro Bronze« etwa kosten Über­weisungen, Dauer­aufträge, Last­schriften und Schecks sowie Überweisungen im Online-Banking je 35 Cent. Die Modelle bestehen seit Juli 2015. Aktuell sei keine Gebührenerhöhung vorgesehen.

Preiswert in Rahden

Bei der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen können Kunden seit etwa einem Jahr unter drei Konto-Modellen wählen: ein Girokonto mit Einzelabrechnung für Wenignutzer für 3,45 Euro im Monat, das Girokonto »Sparkasse direkt« für Online-Nutzer für 3,95 Euro – es beinhaltet Online-Transaktionen – sowie das »Giro kompakt« für 8,45 Euro im Monat. Letzteres beinhaltet alle Transaktionen. »Erhöhungen sind derzeit nicht geplant«, sagte ein Sprecher.

Bei der Sparkasse Höxter bewegt sich die Gebühr je nach Modell in einem Korridor zwischen zwei und 7,50 Euro. Auch hier seien derzeit keine Erhöhungen geplant.

Vergleichsweise preiswert ist die Kontoführung bei der Stadtsparkasse Rahden . Dort liegt die monatliche Kontoführungspauschale bei 4,50 Euro. »Eine Bepreisung der einzelnen Buchungen erfolgt nicht«, heißt es. Die Kondition bestünden bereits sei Anfang 2005. Seitdem habe es keine Erhöhung der Pauschale gegeben. Und: »Es besteht eine Preisgarantie bis 2020«, wie Anette Grewe von der Marketingabteilung betont.

Preiserhöhungen seien »je nach Marktlage ein Standardthema«

Die Sparkasse Gütersloh-Rietberg hat zwei Kontenmodelle: Das S-Privatkonto mit einem Grundpreis von 7,50 Euro im Monat mit Sparkassen-Card einschließlich Zusatzkarte. Hier fallen den Angaben zufolge keine weiteren Buchungskosten an. Zudem gibt es das Einzelpreismodell: Neben einem monatlichen Grundpreis von 5,00 Euro (inklusive Sparkassen-Card) kosten hierbei einzelne Buchungen bis zu 25 Cent. Die letzte Erhöhung liegt eineinhalb Jahre zurück. Eine Anhebung der Preise sei aktuell nicht geplant. Für die Kunden der ehemaligen Sparkasse Rietberg existierten derzeit andere Preismodelle.

Bei der Sparkasse Herford liegen die Kontoführungsgebühren zwischen monatlich 3,50 Euro und 13,90 Euro – letztere mit »unbegrenztem Banking online oder in der Filiale« sowie Sparkassen-Card und mit Wunsch-PIN, wie die Sparkasse mitteilt.

Bei der Kreissparkasse Halle gibt es neben dem »Giro Privat-Konto« für 7,95 Euro monatlich das »Giro Online-Konto« für 5,95 Euro monatlich. Hier erfolgte die Preiserhöhung am 1. Januar 2017. Weitere Anhebungen seien derzeit nicht vorgesehen. Ein Sprecher betonte jedoch: Preiserhöhungen seien »je nach Marktlage ein Standardthema.«

Drei Modelle im Angebot

Die Volksbank Halle bietet den Kunden drei Modelle an: Die Gebühren liegen bei 3,95 Euro, 5,95 und – extra für Mitglieder – 9,95 Euro – auch hier mit unterschiedlichen Leistungen. Bei den beiden preiswerteren Modellen kosten etwa Online-Buchungen 19 beziehungsweise neun Cent. Das Modell, das unter anderem auch die Höhe der Dispo- und Überziehungszinsen berücksichtigt, bestehe seit Januar 2015. Eine Erhöhung sei derzeit nicht geplant.

Bei der Vereinigten Volksbank im Kreis Höxter bewegen sich die Gebühren zwischen 3,50 und 8,50 Euro. Aktuell seien auch hier keine Erhöhungen geplant.

Und die Großbanken?

Und die Großbanken? Die Deutsche Bank bietet Konten in einer Spanne von 4,99 Euro – zum Beispiel für Kunden, die ihre täglichen Bankgeschäfte weitgehend online und/oder über die Bankingterminals erledigen möchten – bis hin zum »db BestKonto« für 9,99 Euro mit im monatlichen Grundpreis enthaltenen »umfangreichen Basis- und Komfortleistungen«.

Die Commerzbank wirbt weiterhin mit ihrem Null-Euro-Konto um neue Kunden. Voraussetzung: ein monatlicher Mindestgeldeingang von 1200 Euro, sonst werden 9,90 Euro fällig. »Im Schnitt ist eine neue Kundenverbindung für uns im zweiten Jahr profitabel«, sagt eine Sprecherin. Im Klartext: Die Commerzbank muss sehen, dass sie mit anderen Produkten beim Kunden Geld verdient.

Wie die Commerzbank werden auch die Sparda-Banken von Verbrauchern mit kostenlosen Girokonten verbunden. Hinter der Sparda-Bank stehen zwölf als Genossenschaften organisierte Institute. Allerdings gibt es hier eine Trendwende: Vom 1. Oktober an führt die Sparda-Bank Berlin Kontoführungsgebühren ein – je nach Leistungsumfang monatlich zwischen 1,50 und 3,90 Euro. Grund: die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die dafür sorge, dass Banken mit den Einlagen ihrer Kunden kein Geld mehr verdienen können.

Die Sparda-Bank Hannover mit ihren Filialen in OWL will das Girokonto weiterhin für null Euro anbieten. »Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern wollen wir auch künftig auf Kontoführungsgebühren verzichten«, sagte eine Sprecherin. Die Bankcard kostet zwölf Euro im Jahr.

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