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Landwirte und Jagd-Verpächter fordern Debatte über Jagd

»Der Wolf passt nicht zu offener Weidehaltung«

Münster (WB). Im Märchen ist der Wolf immer böse, alle haben Angst vor ihm – aber am Ende ist er doch eine auf unerklärliche Art geliebte Figur. Schließlich kann man dem Wolf notfalls den Wanst aufschneiden und das mit Haut und Haar verschlungene Rotkäppchen wieder rausholen.

Gunnar Pier

Der Landwirtschaftsverband bezweifelt, dass Wölfe in Westfalen eine Bereicherung sein sollen, wie es Naturschützer betonen. Stattdessen sieht er eine wachsende Gefahr für die Weidetiere und sogar für die Gesundheit der Menschen. Foto: dpa

Die heutigen Landwirte und die Verpächter von Jagdgebieten sehen die Sache ernster: Der Wolf in Westfalen ist zwar ausgestorben – aber er kommt offenbar zurück. »Wir wollen vorbereitet sein«, erklärte gestern Bauernpräsident Johannes Röring bei der Vorstellung eines Wolfsgutachtens in Münster – verbunden mit einem Appell für die Bejagung der Tiere.

Gutachter Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel: »Keiner wollte den Wolf«

»Die lokale Ausrottung war damals ein gesellschaftlicher Konsens. Keiner wollte den Wolf«, erinnerte Gutachter Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel. Der Diplom-Biologe und Professor für Zoologie an der FU Berlin war dem Wolf im Auftrag von Landwirtschaftsverband (WLV) und dem Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (VJE) in Westfalen-Lippe auf der Spur. In OWL gab es bis Ende Februar acht Sichtungen.

Landwirte und die Verpächter von Jagdgebieten fürchten finanzielle Einbußen, weil Wölfe Nutztiere reißen . »Wie wollen wir damit umgehen, dass uns unsere bisherige Weidetierhaltung so nicht mehr möglich sein wird?«, fragt der VJE-Vorsitzende Clemens Freiherr von Oer. Weidetiere seien kaum zu schützen.

WLV und VJE sehen Gefahr für den Menschen

Auch wenn noch nicht abzusehen sei, wann der Wolf in Westfalen tatsächlich zum Problem wird, prognostiziert Pfannenstiel: »Die Konflikte werden sich verschärfen, das ist unausweichlich.« Der Verfasser des Gutachtens lebt in Brandenburg – »da ist das Kind schon im Brunnen«. In Westfalen hingegen sei es noch früh genug, um dem Problem zu begegnen.

Letztlich sehen Pfannenstiel und seine Auftraggeber von WLV und VJE auch eine ernste Gefahr für Menschen – weil Weidetiere in Panik auf die Straße laufen oder ein Wolf gar einen Menschen anfällt. » Der Wolf muss im dichtbesiedelten Mitteleuropa nicht wie eine heilige Kuh behandelt werden «, fordert Pfannenstiel. »Wenn man ihnen nichts tut, streifen sie nachts durch die Dörfer.« Dann seien Opfer eine Frage der Zeit.

Wolf ist in Nordamerika und Nordosteuropa heimisch

Das Gutachten fordert deshalb »eine offene Debatte über verantwortliche Wege in der Bestandsregulierung von Wölfen durch die Jagd«. Pfannenstiel: »Wir wollen die Wolfspopulation in einen Zustand bringen, der im Einklang mit der Kulturlandschaft ist.« Dass könne auch bedeuten, dass die Ansiedlung der Wölfe komplett verhindert wird.

Die Art sei dadurch nicht bedroht, da es reichlich Wölfe in Nordamerika und Nordosteuropa gebe. Pfannenstiel: »Warum ist Artenschutz notwendig in einer Region, in der die Art nicht richtig heimisch ist?« Und Röring ergänzte: »Der Wolf passt nicht zu offener Weidehaltung. Und mir hat noch niemand gesagt, warum wir den Wolf hier brauchen.«

Bundesweit 70 Rudel und Paare

Im Gegensatz zu den Jagdgenossenschaften fordert der Landesjagdverband NRW keineswegs den Abschuss von Wölfen. Das Thema sei »derart emotionalisiert«, dass Jäger, die ein Tier töten, befürchten müssten, Opfer einer »gesellschaftlichen Hatz« zu werden, sagte der Sprecher, Andreas Schneider, dem WESTFALEN-BLATT. Er mahnte eine gesellschaftliche Debatte an.

Der Vorsitzende des Nabu NRW, Josef Tumbrinck, sagte, der Wolf gehöre zu Deutschland und habe mit bundesweit 70 Rudeln und Paaren noch lange keinen stabilen Bestand erreicht . Die Tötung der Wölfe sei völlig ungeeignet, um Nutztiere zu schützen. Stattdessen sollten Maßnahmen der Tierhalter für den Schutz der Schafe und Rinder vor Ort finanziert werden. Der Wolf sei nach nationalem und internationalem Recht streng geschützt. In Deutschland könne es daher überhaupt keine Abschussquote geben, betonte Tumbrinck.

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