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Feuerwehren bekämpfen Brände

Kurze »Dusche« für NRW: Am Samstag kommen Schauer und Gewitter

Berlin/Düsseldorf (dpa/epd/WB). Deutschland hat erneut eine hochsommerliche Nacht hinter sich gebracht. Die Temperaturen waren vielerorts tropisch. »In Duisburg und Mainz lag der Höchstwert bei 26 Grad, in Darmstadt bei 25 Grad«, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am frühen Freitagmorgen. Der Hochsommer macht aber Tag Pause: Am Samstag ziehen Gewitter von West nach Ost über NRW und duschen das Land kalt ab.

Altena: Rauchwolken sind über einem Waldstück bei Altena zu sehen. Ein etwa 10.000 Quadratmeter grosses Waldstück steht an einem unwegsamen Steilhang in Brand. Foto: dpa

Tagsüber klettern die Temperaturen am Freitag im Westen auf bis zu 38 Grad. »Richtung Osten wird es weniger heiß, aber immer noch heiß genug«, sagte der Sprecher.

Ein extrem seltenes astronomisches Schauspiel ist später am Abendhimmel zu bewundern. Neugierige können die totale Mondfinsternis etwa 103 Minuten genießen – und dabei auch einen so hellen und großen Mars beobachten wie zuletzt vor 15 Jahren.

Das Wochenende bringt etwas Abkühlung ins Land. »Aus Westen naht eine Kaltfront mit heftigen Gewittern«, sagte der DWD-Sprecher. Mit starkem Regen und Hagel rechnet der DWD vor allem in Ostwestfalen. Dann sinken die Temperaturen – bevor der Sommer nächste Woche wieder anklopft. Dann kommt die Hitze zurück – auch in der Nacht.

Ein Überblick zur aktuellen Lage in NRW, Deutschland und den Nachbarn:

Geduldsprobe auf der A3

In der größten Mittagshitze hat eine Vollsperrung der Autobahn 3 im Rhein-Main-Gebiet Autofahrer auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Wie ein Polizeisprecher am Freitag berichtete, zog sich der Stau in Richtung Würzburg von der Ausfahrt Hanau bis zur Anschlussstelle Frankfurt-Süd. Das sind mehr als 15 Kilometer. Helfer verteilten Verpflegung und Getränke an die wartenden Autofahrer. In Frankfurt war es gegen Mittag etwa 32 Grad warm.

Nach Polizeiangaben waren gegen 8.30 Uhr zwei Lastwagen aus noch ungeklärten Gründen ineinander gefahren und hatten die Straße blockiert. Ein Fahrer wurde im Fahrerhaus eingeklemmt. Zu weiteren Verletzten konnte die Polizei zunächst nichts sagen. Der auffahrende Lkw hatte Bitumen geladen, was in ein anderes Fahrzeug umgefüllt werden sollte. Dafür sperrten Einsatzkräfte dann gegen 11 Uhr nach Angaben des Sprechers alle Spuren der Autobahn in Richtung Würzburg. Auch auf der Gegenfahrbahn bildete sich wegen Gaffern ein Stau, sagte der Sprecher. Die Polizei ging davon aus, dass die Fahrbahn zum Nachmittag hin wieder frei wird.

Öffentliche Grillplätze in Bielefeld gesperrt

Aufgrund des extremen Sommerwetters und der daraus resultierenden Trockenheit sperrt der Umweltbetrieb in Absprache mit der Feuerwehr ab sofort alle öffentlichen Grillplätze in Bielefeld.

Hitze hat Wasserstand der Dalke arg schrumpfen lassen

Täglich 14 Stunden Sonnenschein und kein Regen in Sicht: die brütende Hitze hat den Wasserstand der Dalke arg schrumpfen lassen. Waren vor einigen Wochen an einigen Stellen noch 60 Zentimeter gemessen worden, so beträgt die Tiefe dort derzeit nur noch 20 Zentimeter.

Eine Stahlplatte hält das Wasser an Meiers Mühle zurück, weil die Steuerung der Stauanlage streikt. Foto: Wolfgang Wotke

Mutter lässt Kinder im Auto zurück

Eine 35-jährige Frau aus Gütersloh hat ihre Tochter und ihren Sohn bei 35 Grad Außentemperatur für mindestens 15 Minuten alleine im Auto zurückgelassen.

Algen breiten sich aus

Die Hitze macht nicht nur Bäumen, Sträuchern und Wiesen zu schaffen. Auch die Teiche und kleinen Seen in Bielefeld leiden aktuell sehr unter der Hitze. Im Blickpunkt steht der Teich im Bürgerpark, wo sich zurzeit die Fadenalge ausbreitet.

Bei der anhaltenden Trockenheit finden Vögel kaum Nahrungsquellen. »Füttert unsere gefiederten Freunde«, appelliert Jutta Wasels aus Stemwede. Sie besitzt einen großen Naturgartens, in dem sie Futter- und Trinkquellen für Vögel aufstellt.

Indes ist beim Ironman in Hamburg das Schwimmen abgesagt worden. Grund dafür ist die zu hohe Konzentration an gesundheitsgefährdenden Blaualgen in der Alster durch die große Hitze der vergangenen Wochen.

Waldbrand im Sauerland

Feuerwehrleute haben den Waldbrand in Altena im Sauerland in der Nacht zu Freitag unter Kontrolle gebracht. Dort hatten seit Donnerstagnachmittag rund 10 000 Quadratmeter Niederwald in Flammen gestanden.

Mit kilometerlangen Schlauchleitungen hatten die Feuerwehrleute entlegene Wasserreserven angezapft, um den Brand zu bekämpfen. Foto: dpa

Wodurch das Feuer in dem steilen, unzugänglichen Gelände entstanden war, stand am Freitag noch nicht fest, wie ein Sprecher des Forstamtes sagte. Der gesamte Bereich sei aber seit Wochen extrem trocken und werde weiter bewacht.

Mit kilometerlangen Schlauchleitungen hatten die Feuerwehrleute entlegene Wasserreserven angezapft, um den Brand zu bekämpfen. Auch ein Speziallöschwassertank mit 50 Kubikmetern Fassungsvermögen wurde aus Olpe herangeschafft. Einen Hubschrauber mit Außenlastbehälter bestellte die Einsatzleitung hingegen wieder ab. Er werde nicht mehr benötigt, hieß es.

Zeitweise waren bis zu 500 Helfer im Einsatz. Am Freitagmorgen durchstreiften noch 180 Feuerwehrleute in Trupps das Gebiet, um mit Schippen, Löschrucksäcken und Feuerpatschen immer wieder aufflammende Bodenbrände einzudämmen. »Wir haben das Feuer in Gewalt. Es hat sich aber tief in den Boden gefressen und kann dort auch in den nächsten Tagen noch neue Wurzelbrände auslösen«, sagte ein Feuerwehrsprecher. Daher werde der Boden stetig nass gehalten.

Einsatz im Sauerland. Foto: Feuerwehr Iserlohn/Buchen

Fontäne bleibt aus

Sparmaßnahme in Bad Oeynhausen: Die Brunnen in der Innenstadt sind, bis auf den Schweinebrunnen, vor­übergehend abgestellt.

Auch aus Hygienegründen – in der Folge hoher Temperaturen – musste die Fontäne der Kurparkterrasse erstmals abgestellt werden. Eine akute Wassernot droht derzeit im Stadtgebiet aber noch nicht.

Aufgrund der anhaltend extremen Hitzeperiode und wegen Bedenken bei der Hygiene hat sich das Staatsbad entschieden, die Fontäne an der Kurparkterrasse abzustellen. Foto:

»Wacken«: Autos werden geprüft

»Wacken«-Besucher aufgepasst: Die 29. Auflage des Heavy Metal-Spektakels » beginnt am Mittwoch in Schleswig-Holstein. Vor der Anreise weisen die Veranstalter auf das sehr trockene Wetter hin.

So soll geprüft werden, ob Autos zum Beispiel Flüssigkeiten verlieren und wie viel Hitze sie auf den Boden abstrahlen, da heiße Auspuffe Brände auslösen können. »Behaltet die Fahrzeuge daher nach eurer Ankunft genau im Blick, bis sie sich abgekühlt haben«, teilten die Veranstalter mit. Zudem solle wenn möglich ein Feuerlöscher mitgenommen werden.

Lage in Potsdam bleibt brenzlig

Wegen eines Waldbrandes beim Dreieck Potsdam müssen Autofahrer in dem Bereich am Freitag mit langen Staus rechnen. Auf den Autobahnen 9 und 10 gab es wegen des Feuers Sperrungen, auf den alternativen Strecken könnte es richtig voll werden. Schon am Freitagmorgen belief sich die Verzögerung der Fahrtzeit auf zwei Stunden und mehr, teilte ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale mit. Der Verkehr sei am Morgen stark angestiegen, noch dazu käme der tägliche Berufsverkehr, hieß es weiter.

Von der Autobahnsperrung betroffen sind die Streckenabschnitte A10 südlicher Berliner Ring Richtung Dreieck Werder ab Michendorf sowie Richtung Schönefelder Kreuz und die A9 ab Beelitz.

Potsdam: Ein Feuerwehrmann löscht einen Waldbrand in der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam. Foto: dpa

Einbrecher haben kein Hitzefrei

Es ist heiß, aber das hält Einbrecher ja nicht automatisch zurück. Deshalb erinnert die Polizei Gütersloh daran, »dass Einbrecher das auf Kipp stehende Fenster oder die geöffnete Terrassentür ausnutzen und so schnell und unkompliziert in die Innenräume von Häusern kommen können«.

Fenster und Türen sollten geschlossen werden, wenn niemand Zuhause ist. »Weiterhin ist es verständlich, dass abends Fenster und Türen geöffnet werden, um kühlere Luft in die Häuser zu bekommen. Leider kommen aber auch Einbrecher so unbemerkt ins Haus.« Deshalb empfiehlt Ihre Polizei, in dieser Zeit Fenster und Türen im Auge zu behalten.

Lippstadt: Großbrand in Gewerbegebiet

Wegen eines Großbrands in einem Gewerbegebiet in Lippstadt bei Paderborn ist eine giftige Rauchwolke über der Stadt aufgestiegen. Bewohner sollten abregnende Rußpartikel nicht berühren, warnte die Feuerwehr am Freitagmorgen. Die größte Gefahr bestehe aktuell durch glühende Styroporteilchen, die auf die gesamte Stadt hinabgeregnet seien, sagte ein Sprecher der Polizei. Verletzte gab es zunächst nicht.

Feuerwehrleute löschen mit Wasser einen Brand in einer Kunststoffabrik in Lippstadt. Foto: dpa

Der Brand war am späten Donnerstagabend gemeldet worden. Ein hartschaumverarbeitender Betrieb in dem Gewerbegebiet habe bereits komplett in Flammen gestanden, als die Feuerwehr eintraf. Kurz danach sei eine Halle komplett eingestürzt, eine andere halb. Wegen beschädigter Hauptgasleitungen, Gasflaschen und eines Gastanks habe zwischenzeitlich Explosionsgefahr bestanden - die Einsatzkräfte hätten die Löscharbeiten deshalb schon eine halbe Stunde nach Einsatzbeginn unterbrechen müssen.

Bummeln, Feiern, Schwitzen

Der Höhepunkt des Bielefelder Sommers steht bevor: Von diesem Freitag bis Sonntag geht es für die Besucher des Sparrenburgfests auf eine Zeitreise ins Mittelalter. An drei Tagen stehen 150 Programmpunkte an – von Konzerten über Ritterkämpfe bis zur Märchenstunde für Kinder.

In Paderborn geht die fünfte Jahreszeit los: Libori startet Samstag, 28. Juli. Während der neun Tage rechnet die Stadt mit mehr als 1,2 Millionen Besuchern.

Mehr als 50.000 Besucher werden Freitag und Samstag zur 23. Auflage des Musik-Festivals »Juicy Beats« in Dortmund erwartet. Angesichts angekündigter Rekordtemperaturen haben die Veranstalter auf dem Gelände Wasserstellen eingerichtet, an denen die Besucher gratis Wasser zapfen können.

Musikalisch legt das Festival seine Schwerpunkte auf Indie-Rock, Electro und Hip Hop. Insgesamt treten an beiden Festivaltagen 200 Bands auf sechs Bühnen auf. Highlight am Freitagabend ist die Band Kraftklub (»Ich will nicht nach Berlin«). Am bereits ausverkauften Samstag gehören die britische Gruppe Editors und die Essener Rap-Combo 257ers zu den prominenten Programmpunkten.

Bilder wie dieses wollen die Veranstalter trotz Hitze auch in diesem Jahr beim »Juicy Beats«-Festival in Dortmund sehen. Foto: dpa

Notstand wegen Dürre?

Der Deutsche Bauernverband hat Bund und Länder aufgefordert, wegen der andauernden Hitze und Dürre einen Notstand zu erklären und Landwirte unbürokratisch zu unterstützen. »Die Lage ist ernst«, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied der in Düsseldorf erscheinenden »Rheinischen Post« (Donnerstag). Im Durchschnitt seien Ernteausfälle in Höhe von 20 Prozent zu befürchten, vor allem im Norden und Osten Deutschlands breche die Ernte aber um bis zu 70 Prozent ein. »Dort sind manche Betriebe in ihrer Existenz bedroht.«

Insgesamt zeichneten sich in diesem Jahr Schäden in Milliardenhöhe ab, warnte Rukwied. Wenn Bund und Länder die Notstandssituation ausriefen, sei damit die rechtliche Voraussetzung gegeben, um Betriebe mit Geld zu unterstützen, deren Ernteerträge 30 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahren lägen. Einige Bauern bräuchten das, um überhaupt ins nächste Jahr gehen zu können, sagte der Bauernpräsident.

Thüringen, Bretleben: Die Blüte einer Sonnenblume in einem Feld im Kyffhäuserkreis. Der Thüringer Landesbauernverband fordert vom Land Thüringen, Dürre- und Liquiditätshilfen für die Bauern zu prüfen Foto: dpa
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