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Naturpark-Serie Teil 1: Statistisch gehen jeden Tag zehn Hektar Grün verloren

Rückzugsorte für Mensch und Tier

Bielefeld (WB). Ein Park ist die grüne Lunge einer Stadt, ein Naturpark die einer ganzen Region. In Nordrhein-Westfalen gibt es zwölf Naturparks und den Nationalpark Eifel. Sie umfassen 41 Prozent der Fläche des Landes und sind für Wanderer, Radler, Reiter und Kanuten ein Paradies.

Dietmar Kemper

Naturschatz vor der Haustür: Die Externsteine, die sich hier im Wasser spiegeln, liegen im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge. Er reicht von Ostwestfalen bis an die hessische Landesgrenze. Naturparks sollen Erholung und Landschaftsschutz harmonisch miteinander verbinden. Foto: A. Hub/Teutoburger Wald Tourismus

Durch den engen Kontakt mit der Natur sollen die Menschen für den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten sensibilisiert werden. »In Nordrhein-Westfalen ist der vorrangige Zweck der Naturparks, die Erholung der Menschen sicherzustellen«, sagt der Landesvorsitzende des Nabu-NRW, Josef Tumbrinck.

Erhalt der Artenvielfalt

In Bundesländern wie Brandenburg sei dies anders – dort stehe stärker der Erhalt der Artenvielfalt im Vordergrund. »Bei uns in NRW übernehmen diese Aufgabe vor allem die Biologischen Stationen«, erläutert der Sprecher der nordrhein-westfälischen Naturparks, Harald Sauer. Naturparks empfiehlt er nicht zuletzt Lehrern und Schülern als »außerschulische Lernorte«.

Erholung, Biodiversität und Umweltbildung schließen sich nicht aus. In den Naturparks gehe es um »stille Erholung«, betont Tumbrinck. Die Wander- und Radwege führen dort entlang, wo Tiere und Pflanzen möglichst wenig gestört werden. Damit sich Menschen in einem Naturpark wohlfühlen, muss auch etwas für die übrigen Lebewesen getan werden, betont der Nabu-Experte: »Zu einer Mountainbike-Strecke in einem Naturpark gehört eine intakte Natur.«

Vom Aussterben bedroht

Im Gegensatz zum Naturpark dreht sich im Nationalpark alles um Tiere und Pflanzen. Große Teile dürfen von Menschen gar nicht betreten werden. Schutzräume können die Tier- und Pflanzenarten in NRW gut gebrauchen.

Etwa 45 Prozent der untersuchten Arten gelten als gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits als verschwunden. Schmetterlinge (55 Prozent), Moose (60 Prozent), Kriechtiere (71 Prozent) sowie Vögel und wilde Bienen und Wespen (jeweils etwa 52 Prozent) sind besonders betroffen und führen die Rote Liste in NRW an.

Josef Tumbrinck vom Nabu beklagt ein dramatisches Insektensterben. Die Vorkommen seien in den vergangenen 20 Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Pflanzen würden dadurch nicht bestäubt, Vögel fänden weniger Nahrung.

Viele Gewässter in schlechtem Zustand

Hinzu kommt: Der Zustand der Gewässer in NRW ist offenbar besorgniserregend. Nur acht Prozent der 1708 Bäche, Seen und Flüsse befänden sich in einem guten Zustand, antwortete die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Nur 145 Gewässer hätten die Note »gut« verdient. Peter Schütz vom Landesumweltamt NRW erklärte den Befund unter anderem mit den in den Boden geratenen Altlasten aus der Zeit, als NRW vor allem ein Industrieland war.

Natürlich ist in NRW nicht alles schwarz in schwarz. Zwar sind der Große Feuerfalter, der Stör oder die Kornrade verschwunden, aber dafür sind immerhin Biber, Fischotter, Kraniche und der Seeadler zurückgekehrt. Refugien brauchen Tiere und Pflanzen auch deshalb, weil ihnen der Mensch in NRW statistisch jeden Tag zehn Hektar Natur für Siedlungen, Gewerbe und Verkehr wegnimmt. Das sind 14 Fußballfelder.

Ob groß oder klein

Für den Erhalt der Biodiversität, also der Artenvielfalt, sind die Naturparks Gold wert. Im einzelnen sind das die Naturparks Arnsberger Wald, Bergisches Land, Diemelsee, Dümmer, Hohe Mark-Westmünsterland, Nordeifel, Rheinland, Sauerland-Rothaargebirge, Schwalm-Nette, Siebengebirge, Teutoburger Wald/Eggegebirge, der Natur- und Geopark Terra.vita und eben der Nationalpark Eifel. Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist mit 3826 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Siebengebirge (112) der kleinste.

Ob groß oder klein: Sie sind ein Segen für Tiere und Menschen gleichermaßen. Der ehemalige grüne Umweltminister Johannes Remmel sagte: »Die Naturparks und der Nationalpark Eifel ziehen uns in ihren Bann, denn die Natur, die wir dort erleben, weckt die Lebensgeister.«

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