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Naturpark-Serie, Teil 5: Nur ein Drittel des Naturparks liegt auf nordrhein-westfälischem Gebiet

Wo der Diemelsee glitzert

Willingen (WB). Bei den meisten Naturparks in NRW kooperieren Kreise innerhalb des Bundeslandes. Beim Naturpark Diemelsee ist das anders: Er verbindet Hessen mit Nordrhein-Westfalen.

Dietmar Kemper

Hinter dem Helminghäuser Weiher glitzert der Diemelsee wie eine Perle im Wald. Die Staumauer ist 42 Meter hoch. Foto: Naturpark Diemelsee

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In Nordrhein-Westfalen gibt es zwölf Naturparks und den Nationalpark Eifel. Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist mit 3826 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Siebengebirge (112) der kleinste.

»Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, für uns zählt der Naturpark, nicht Land A oder B«, betont der Geschäftsführer des Naturparks, Dieter Pollack. Zwei Drittel der 335 Quadratkilometer großen Fläche liegen im Nordwesten Hessens, ein Drittel befindet sich auf nordrhein-westfälischem Gebiet. Brilon im Westen, Korbach im Osten, Marsberg im Norden und Willingen im Süden rahmen den seit 1965 bestehenden Naturpark ein, der gleichermaßen als Erholungsraum für Menschen wie Schutzraum für seltene Tier- und Pflanzenarten dient.

Er umfasst die Gemeinden Diemelsee und Willingen sowie Teile der Städte Korbach, Brilon und Marsberg. Neben den Städten haben sich zwei Landkreise (Waldeck und Brilon) und ein Verein in einem Zweckverband zusammengeschlossen. Im Norden berühren sich der Naturpark und die Paderborner Hochfläche.

Kinder fahren in Goldhausen unter Tage: Im Naturpark Diemelsee gibt es allein vier Besucherbergwerke. Foto: Naturpark Diemelsee

Im Naturpark liegt Nordrhein-Westfalens höchste Erhebung

Weit ist es aus OWL ins Naturparadies nicht, das vor allem durch die erikafarbenen Hochheiden heraussticht. »Tieflandheiden wie in der Lüneburger Heide kennt man ja, aber Bergheiden sind deutlich rarer gesät«, betont Pollack ihren hohen Wert. Bergheiden wachsen in Höhen von mehr als 600 Metern und werden im Naturpark außer von Menschen von zwei hungrigen Herden gepflegt.

Freiwillige, Ziegen und Schafe entfernen Büsche, Bäume, Sträucher und Gras. Das farbenprächtige Blütenmeer im Spätsommer zieht Tausende Besucher an. Auf der Hochheide halten sich genügsame Pflanzenarten wie Vogelbeere, Ginster, Arnika, Alpenbärlapp, Siebenstern, Flechten und Moose, Heidel- und Preiselbeeren und das Heidekraut, das der Landschaft ihr Gesicht gibt.

Kupfer und Gold

Auch unter der Erde war in den vergangenen Jahrhunderten viel los. Davon zeugen allein vier Besucherbergwerke. Eines davon ist der Kilianstollen (www.kilianstollen.de) in Marsberg, in den gut 10.000 Gäste pro Jahr mit der Grubenbahn einfahren und den Kupferbergbau kennenlernen. In Goldhausen und im dortigen Besucherbergwerk geht es natürlich um Gold (www.goldspur-eisenberg.de). Und wo ist Deutschlands größte Goldlagerstätte? Im Eisenberg bei Korbach.

Im Naturpark liegt Nordrhein-Westfalens höchste Erhebung, der Langenberg mit 843 Meter. Tiefer unten zieht der Diemelsee Ausflügler aus OWL, dem Ruhrgebiet, Südhessen und aus den Niederlanden und Belgien magisch an.

»Vielseitigkeit« zeichne den Naturpark aus, betont Pollack: Im Sommer sei er ein Badeparadies wegen des Diemelsees, im Winter Anlaufstelle für Wintersportler. Auch für die Profis unter ihnen: Die Mühlenkopfschanze in Willingen ist die größte Skisprungschanze der Welt. Laien fahren mit einem der 22 Lifte im Winterpark Willingen nach oben und genießen Abfahrten auf 18 Kilometern Länge.

»Bionic-Pfad« bis Ende 2018

Im Winter wie im Sommer bieten sich Wanderern im Naturpark, in dem sich Berge, Täler, Wiesen, Äcker sowie Fichten-, Laub- und Mischwälder abwechseln, viele Möglichkeiten. Die Sauerland-Waldroute zum Beispiel umfasst 240 Kilometer, auf dem Rothaarsteig ist angesichts von 3139 Höhenmetern Kondition gefragt.

Wenn es um Barrierefreiheit geht, bleibt noch eine Menge zu tun. Immerhin soll bis Ende 2018 der »Bionic-Pfad« fertig sein, auf dem Menschen mit und ohne Behinderung erklärt wird, welche Erfindungen der Mensch der Natur abgeschaut hat – wie zum Beispiel den Klettverschluss, benannt nach den Kletten, an denen man mit der Jacke hängen bleibt.

Ob mit Segway, Rad, Mountainbike oder zu Fuß: In der Region, in der sich Hessen und Nordrhein-Westfalen überlappen, gibt es zahlreiche wunder- und wanderbare Wege Foto: naturpark Diemelsee

Bei Wanderern soll viel von der Schönheit der Natur und ihrer Artenvielfalt hängen bleiben. In der Itter lebt das bedrohte Bachneunauge, in Laub- und Mischwäldern der Feuersalamander, im Upland das Mufflon mit den großen gebogenen Hörnern. Die 40 Naturparkführer kooperieren mit den drei Naturparkschulen und versuchen bei Kindern Faszination für Tiere und Pflanzen zu wecken.

Im nächsten Teil: der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Bereits erschienen

Teil 1: Naturparks – Rückzugsorte für Mensch und Tier

Teil 2: Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge – Wald macht gesund

Teil 3: Die Eifel – Der einzige Nationalpark in NRW

Teil 4: Der Naturpark Dümmmer – Das Moor hat seine Schuldigkeit getan

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