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Wie man schnell und sicher kontaktlos bezahlt – und mit welchen Kosten das verbunden ist

Bargeld-Alternative immer beliebter

Bielefeld

Der Anteil von Kontaktlos-Zahlungen mit der Girocard (früher EC-Karte) ist nach Angaben der Euro-Kartensysteme GmbH im vergangenen Jahr in Deutschland auf mehr als 60 Prozent gestiegen.

Von Georg Winters und Oliver Horst

Schnell und einfach: Beim kontaktlosen Bezahlen muss die Karte nur ans Terminal gehalten werden. Foto: EURO Kartensysteme GmbH/EURO Kar

„Dieser Trend wird sich fortsetzen und zur neuen Normalität werden“, sagt Margit Schneider von Euro-Kartensysteme, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Corona-Pandemie die Menschen hat vorsichtiger werden lassen beim Einkaufen. Sie haben seltener gekauft und öfter als bisher nicht mit Bargeld gezahlt. Auch die aus jenen Altersgruppen, die den Umgang mit Barem seit Jahrzehnten gewohnt sind.

Die Euro-Kartensysteme hat jüngst eine Umfrage in Auftrag gegeben, der zufolge die Verbraucher in Deutschland beim Kontaktloszahlen vor allem Hygiene (84 Prozent), Schnelligkeit (91 Prozent) und einfache Handhabung (90 Prozent) schätzen.

„Kontaktlos“ bedeutet, dass der Kunde die Girocard, Kreditkarte oder auch sein Smartphone mit eingerichteter Zahlungsfunktion im Laden oder an der Supermarktkasse nicht mehr wie früher üblich beim bargeldlosen Zahlen in ein Lesegerät schieben muss. Die Daten werden stattdessen mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte vor das Lesegerät gehalten wird. Bei geringen Beträgen ist meist nicht einmal mehr die Eingabe der Geheimnummer (Pin) durch den Karteninhaber nötig.

Vier von fünf Girocards bereits mit Kontaktlos-Funktion

Von den mehr als 100 Millionen Girocards, die es gegenwärtig in Deutschland gibt, sind bereits 80 Prozent mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet. Dazu kommen Kreditkarten und digitale Bezahlfunktionen über das Smartphone, wie sie die deutschen Banken und Sparkassen, aber auch Internet-Konzerne wie Apple und Google anbieten.

Um mit der Karte kontaktlos bezahlen zu können, muss auf der Vorderseite ein Symbol aufgedruckt sein, das im Grunde so aussieht wie ein WLan-Zeichen. Aber auch wer dieses Wellensymbol auf seiner Karte findet, kann noch nicht direkt kontaktlos zahlen. „Aus Sicherheitsgründen wird die Kontaktlos-Funktion erst aktiviert, wenn man mit seiner neuen Girocard einmal ganz regulär bezahlt oder Geld am Automaten abhebt. Durch das Stecken der Karte wird das kontaktlose Bezahlen freigeschaltet“, erklärt Expertin Schneider. Auf jeden Fall muss man sich einmal mit der Pin autorisiert haben. Dabei gilt wie immer: die Geheimzahl stets so eingeben, dass sie kein anderer sehen und auf diese Weise ausspionieren kann.

Das Wellensymbol, das man auf der Karte findet, gibt’s auch am Lesegerät im Supermarkt. Zum Bezahlen hält man dann Wellensymbol an Wellensymbol. Ob der Bezahlvorgang funktioniert hat oder nicht, erkennt man an einer Meldung: „Zahlung erfolgt“ oder „Zahlung abgebrochen“.

Aus Sicherheitsgründen kann man – je nach Anbieter – höchstens fünf Mal hintereinander kontaktlos zahlen und auch nicht mehr als insgesamt 150 Euro. Die maximale Summe bei einem einzelnen Einkauf beträgt 50 Euro – sie ist von Banken und Sparkassen inmitten der Pandemie verdoppelt worden. Wer danach weiterhin kontaktlos zahlen will, muss zwischenzeitlich einmal mit Pin zahlen, dann geht der Rhythmus wieder von vorn los.

Beim Smartphone funktioniert das Zahlen folgendermaßen: Man hält die Rückseite des Geräts an das Terminal im Laden. Dafür braucht es nicht einmal eine Verbindung mit dem Internet. Die Zahlung erfolgt dann mittels biometrischer Verfahren wie über den Fingerprint-Sensor oder bei Apple mittels Touch ID, je nach Gerät auch mit Face ID oder Smartwatch – oder mit einem eigenen Passwort.

In Sachen Geschwindigkeit ist das kontaktlose Zahlen auf jeden Fall nicht zu schlagen. „Eine Kontaktlos-Zahlung ist in durchschnittlich elf Sekunden – von Bekanntwerden der Rechnungssumme bis zur Ausgabe des Kassenbons – erledigt und damit mehr als doppelt so schnell wie eine Barzahlung“, sagt Expertin Schneider.

Was unabhängig vom kontaktlosen Zahlen immer für die Karte gilt: „Wenn Sie Ihre Girocard verlieren, egal ob es sich um die Karte selbst oder die digitale Variante im Smartphone handelt, müssen Sie diese umgehend beim kartenausgebenden Institut sperren lassen“, rät Schneider.

Und die Sicherheitsfrage generell? Expertin Schneider ist überzeugt: „Eine Kontaktlos-Zahlung mit der Girocard ist genauso sicher wie die kontaktbehaftete Kartenzahlung, da die gleichen hohen, bewährten Sicherheitsmechanismen wirken.“ Und da Karte oder Handy bis auf wenige Zentimeter an das Terminal gehalten werden müssen, sind unbeabsichtigte Transaktionen quasi ausgeschlossen.

Extra-Kosten sind mit dem kontaktlosen Bezahlen gegenüber herkömmlichen Kartenzahlungen nicht verbunden. „Verbraucher zahlen keine Gebühren für die Kartenzahlung an sich, sondern abhängig vom eigenen Kontomodell höchstens für den einzelnen Buchungsposten“, sagt Volker Willner vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe. Da viele Kunden Girokonten mit einer Monatspauschale nutzen, in der alle Transaktionen enthalten sind, fallen also keine Zusatzkosten an – ansonsten entsprechen die Gebühren denen einer üblichen Kartenzahlung.

Für den Händler hängen die Kosten indes in der Regel nicht vom kontaktlosen oder kontakthaften Bezahlen, sondern vom Sicherheitsgrad ab, sagt Willner. „Gibt der Kunde die Pin ein, dann ist die Zahlung garantiert, wird im Hintergrund auch abgefragt, ob das Konto gedeckt oder gesperrt ist. Zudem sind alle Zahlungen bis 50 Euro garantiert.“ Wird indes mit Unterschrift oder eben kontaktlos ohne Pin gezahlt, sei dies wie eine Lastschrift, die der Kunde zurückholen kann. Dann falle die Gebühr für den Händler in der Regel geringer aus. Die Gebührenmodelle seien so attraktiv, dass etwa Bäckereien inzwischen auch für Kleinstbeträge Kartenzahlungen anbieten. „Und auch Bargeld ist mit Kosten verbunden“, sagt Willner.

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