Kommentar zum Fall Lügde

Fairen Umgang wahren

Der Landrat spricht von einem „starken Stück“ – und nicht nachvollziehbaren Kommunikationswegen. Michael Stickeln hat Recht.

Jürgen Drüke  

Michael Stickeln, Landrat im Kreis Höxter, im „Untersuchungsausschuss Kindesmissbrauch“ im Landtag Foto: Oliver Berg/dpa

Denn der Aufklärungsarbeit im Fall des hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz bei Lügde und möglichen Fehlern im Jugendamt Höxter ist aufgrund einer Indiskretion ein Bärendienst erwiesen worden.

Ein Antwortbrief an den Kreis Höxter wurde durchgestochen, bevor dieser zwei Tage später beim eigentlichen Adressaten am vergangenen Montag ankam. Michael Sticken musste aus der Presse entnehmen, was für ihn bestimmt war. Unseriös, schäbig und politisch motiviert – fällt mir dazu spontan ein.

Das Schicksal der Kinder, die über Jahre sexuell missbraucht worden sind, wird so in den Hintergrund gerückt. Das Vertrauen in die Mitarbeiter des Kreisjugendamts wird noch weiter erschüttert. Auch die Arbeit des Untersuchungsausschusses und die von ihm eingeforderte Transparenz werden ad absurdum geführt.

Dabei soll der Untersuchungsausschuss „Kindesmissbrauch“ des Landtags dazu beitragen, dass so etwas wie Lügde nie wieder passiert. 13 Fälle, mit denen das Jugendamt in Höxter betraut war, stehen mit Lügde im Zusammenhang. Was ist im Jugendamt in Höxter falsch gelaufen? Die Beantwortung dieser Frage steht immer noch am Anfang und wird nun zusätzlich erschwert.

Die Aufklärungsarbeit wird zudem unglaubwürdig, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird: So wurde der Ex-Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), wegen einer Erkrankung vor wenigen Wochen nicht im Ausschuss, sondern schriftlich befragt und danach vom Untersuchungsausschussvorsitzenden Martin Börschel gelobt. Für einen Mitarbeiter des wirtschaftlichen Jugendhilfe des Kreises Höxter ist das allerdings nicht möglich. Der schwerer erkrankte Mann soll demnächst vor dem Ausschuss vorstellig werden.

Bei aller Wichtigkeit, das Thema auch politisch aufzuarbeiten, sollte doch der faire Umgang gewahrt bleiben. Denn es geht um das Schicksal der betroffenen Kinder und das Vertrauen in die Arbeit des Jugendamtes.

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