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Kita „Arche Noah“ will am 1. September wieder starten

Nach der Flut fehlen die fröhlichen Farben

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die Ahr ist Luftlinie rund 200 Meter entfernt und nicht zu sehen. Als am 14. Juli 2021 die katastrophale Hochwasserwelle durch das Tal rauscht, fühlten sie sich deshalb in der evangelischen Kita „Arche Noah“ in Bad Neuenahr zunächst sicher. Dann kam die Flut – und alles ist zerstört. Jetzt bereiten die Verantwortlichen einen provisorischen Neustart vor – auch mit Hilfe der Spenden unserer Leser.

Von Gunnar A. Pier

Ratlos in der Kita „Arche Noah“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die aussieht wie ein trister Rohbau (von links): Elke Eumann (Gemeindeleitung), Pfarrer Thomas Rheindorf und Natalia Jesser (stellvertretende Kita-Leiterin).Ratlos in der Kita „Arche Noah“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die aussieht. Foto: Gunnar A. Pier

Der Spielplatz hinter der evangelischen Kita in Bad Neuenahr-Ahrweiler sieht schon ziemlich aufgeräumt aus, nur etwas trostlos. Auch im Gebäude der „Arche Noah“ ist weitgehend klar Schiff. Staub und Dreck statt Wasser und Schlamm, die Möbel sind abtransportiert, der Schutt ist weg. Also alles geregelt hier? Die meiste Arbeit kommt wohl noch. Am 1. September startet die Kita nach den Sommerferien wieder. Aber wo? Und wie? Und wer wird kommen? Knapp zwei Wochen vor dem Neustart seien noch fast alle Fragen offen, bedauerte Pfarrer Thomas Rheindorf am Donnerstag beim Besuch unserer Zeitung in Bad Neuenahr.

Als die „Arche Noah“ unter Wasser stand

Die „Arche Noah“ ist ein Traditionshaus im Ortsteil Bad Neuenahr. Schon vor Jahrzehnten wurde sie eröffnet, 2010 zog sie ins Erdgeschoss des ehemaligen Grundschulgebäudes gleich neben dem Pfarrzentrum. Erst waren es zwei Gruppen, inzwischen gibt es sechs Gruppen mit 115 Plätzen. Eine große Kita.

Das Gebäude ist heute ein Mehrgenerationenhaus mit Räumlichkeiten im oberen Geschoss für Angebote, die sich an ältere Menschen richten: Sprachkurse, Strick-Café, Senioren-Schach.

Die Ahr ist Luftlinie rund 200 Meter entfernt und nicht zu sehen. Als am 14. Juli 2021 die katastrophale Hochwasserwelle durch das Tal rauscht, fühlten sie sich deshalb in der „Arche Noah“ zunächst sicher. „Wir dachten: Ach, das kommt doch nicht bis zum Kindergarten“, erinnert sich Elke Eumann aus der Gemeindeleitung an jenen Mittwochabend. „Aber dann ging es ganz schnell.“ Innerhalb kürzester Zeit stieg das Wasser in den Straßen rund um die Kita fast zwei Meter hoch. Das Gebäude wurde komplett geflutet, bis auch die mannshohen Schränke in den Gruppenräumen nicht mehr oben herausragten, während die Wassergewalten draußen in der Ecke vom Hof 18 demolierte Auto auftürmten.

Ausmaß der Katastrophe erst nicht erkannt

Per Eltern-App informierten die Mitarbeiter, dass die Kita am nächsten Tag wohl geschlossen bleibe. Darüber können sie heute nur lachen – heute, mit dem Wissen, dass hier monatelang gar nichts mehr richtig geht. Und Elke Eumann fällt noch so ein im Nachhinein ulkiges Telefonat vom nächsten Morgen ein: „Es haben zwei Kollegen angerufen und gesagt, dass sie eventuell zehn Minuten später ins Büro kommen. Ich habe gefragt: In welches Büro?“ Rund um das Pfarrzentrum schoss da das Wasser noch immer hüfthoch durch die Straßen. Alle Häuser sind zerstört.

„Viele Familien sind weggezogen“

Das ist nun gut fünf Wochen her, und fleißige Helfer, darunter viele Soldaten, haben die meiste Verwüstung beseitigt. Die Kita ist nun ein feuchter, dreckiger Rohbau.

Für den Neustart am 1. September gibt es bisher nicht viel. Im oberen Bereich darf die „Arche Noah“ zwei Räume nutzen – karg eingerichtete Funktionsräume, ideal für einen Seniorenkaffeenachmittag. Kinderstühlchen, Malsachen, Puppenküche oder einfach nur fröhliche Farben fehlen. Wo sie wann herkommen sollen, ist noch ungewiss.

Noch sind die Räumlichkeiten, in denen die Kita „Arche Noah“ demnächst ihren Notbetrieb starten möchte, nicht hergerichtet. Da bleibt noch viel zu tun für Natalia Jesser (stellvertretende Kita-Leiterin, links) und Elke Eumann (Gemeindeleitung) Foto: Gunnar A. Pier

Und wie viele Kinder kommen überhaupt? „Die App-Nachricht, dass es wieder losgeht, haben noch nicht alle gesehen“, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Natalia Jesser. Kein Wunder, viele haben ihr Smartphone in den Fluten verloren. „Wir haben auch keine Telefonnummern mehr, alle Akten sind abgesoffen.“ Es sind so praktische Probleme, die die Kita-Verantwortlichen gerade im Ungewissen darüber lassen, wie groß der Betreuungsbedarf überhaupt noch ist. „Viele Familien sind weggezogen“, sagt Elke Eumann traurig. Verständlich: Die Flutkatastrophe hat für so viel Zerstörung gesorgt, dass es ganz einfach nicht mehr genug Häuser für alle gibt.

Aber das Team will weitermachen. Mit ganzer Kraft und viel Unterstützung nicht zuletzt unserer Leser wird wieder Leben zurückkehren in das alte Gebäude.

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