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Arte bringt schwulen Serienklassiker in Mediathek

Straßburg/Manchester (dpa)

Schon vor über 20 Jahren war das britische Fernsehen so weit, eine schwule Serie im Programm zu haben. Arte stellt das historische Zeugnis jetzt für etwa ein Jahr in seine Mediathek.

Von Gregor Tholl, dpa

Die Teenager Nathan (Charlie Hunnam, l-r), Stuart (Aidan Gillen) und Vince (Craig Kelly) sind die Hauptdarsteller der Serie «Queer as Folk». Foto: Arte

Die über 20 Jahre alte britische Serie «Queer as Folk» gilt als erste der Welt, die offen schwule Hauptfiguren hatte und deren spezielle Erlebnisse in den Mittelpunkt stellte.

Es geht um drei junge Männer und ihre Abenteuer in der Schwulenszene von Manchester. Ab Freitag (20.8.) sind alle Folgen der Originalserie in der Arte-Mediathek abrufbar (arte.tv).

Der Teenager Nathan (Charlie Hunnam) ist im Coming-out-Stress und verliebt sich beim Ausgehen in den Yuppie und One-Night-Stand-Jäger Stuart (Aidan Gillen). Stuarts bester Jugendfreund Vince (Craig Kelly) hadert derweil mit dem scheinbar typisch schwulen Lifestyle der Promiskuität, also der Lust an ständig wechselnden Partnern.

Ausgestrahlt wurde die Serie in Großbritannien 1999 und 2000 auf Channel 4. Im deutschsprachigen Raum wurde sie einst erstmals in der Schweiz und 2008 dann auch in Deutschland beim längst wieder eingestellten schwulen TV-Sender Timm ausgestrahlt.

In den USA gab es ab dem Jahr 2000 vom Pay-TV-Sender Showtime ein amerikanisch-kanadisches Remake unter demselben Titel.

Die Handlung wurde auf nordamerikanische Gegebenheiten angepasst und von Manchester nach Pittsburgh verlegt (wobei viel in Toronto gedreht wurde). Die US-Version kam bis 2005 auf fünf Staffeln, während bei der englischen Version nach zehn Folgen Schluss war (acht halbstündige Episoden und zwei einstündige Abschlussfolgen).

In der amerikanischen und hierzulande bekannteren Fassung wurde in mehr als 80 Episoden aus dem Leben der fünf Schwulen Brian, Justin, Michael, Ted und Emmett sowie von deren lesbischen Freundinnen Lindsay und Melanie erzählt. Im deutschen Fernsehen war die US-Serie 2006 bis 2008 bei ProSieben und dann auch bei Timm zu sehen.

Der komisch anmutende Titel der Serien leitet sich übrigens von der nordenglischen Redewendung «There's nought so queer as folk» ab, was in etwa «Es gibt nichts Seltsameres als Menschen» bedeutet.

Das britische Original von «Queer as Folk» war der erste große Erfolg des Drehbuchautors Russel T Davies (58). Er hat sich inzwischen auch mit Serien wie der Polit-Science-Fiction «Years and Years» und dem eindrucksvollen Fünfteiler «It’s a Sin» über die Aids-Pandemie unter Schwulen in den 80er und 90ern einen Namen gemacht hat.

Erst vor ein paar Monaten hat der zum Medienkonzern NBC Universal gehörende Streamingdienst Peacock eine Neuauflage von «Queer as Folk» angekündigt, die diesmal in New Orleans spielen soll. Ob und wann diese Serie nach Deutschland kommt, ist unklar.

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