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TV-Tipp

Culture-Clash-Komödie «Kiss Me Kosher» bei Arte

Berlin (dpa)

Muss sie sich für Taten der Großeltern schuldig fühlen? Die Frage wird für die Deutsche Maria auf einmal wichtiger. Denn ihr Schwarm kommt aus einer jüdischen Familie. Stoff für eine Komödie auf Arte.

Von Johannes von der Gathen, dpa

Shira (Moran Rosenblatt r) und Maria (Luise Wolfram) in einer Szene aus «Kiss Me Kosher!». Foto: SWR/Fireglory Pictures Foto/Arte/dpa

Komödien über deutsch-israelische Befindlichkeiten sind naturgemäß immer eine Gratwanderung. Wie man aus den schwierigen Beziehungen komödiantische Funken schlagen kann, bewies die Regisseurin Julia von Heinz bereits vor einigen Jahren mit ihrer schlagfertigen Komödie «Hannas Reise».

Vom Schwung und Witz dieses Israel-Trips ist «Kiss Me Kosher» nun aber trotz einiger gelungener Szenen ein weites Stück entfernt. Die Komödie von Shirel Peleg ist am Freitag um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen.

Viel zu brav und betulich erzählt die Regisseurin und Drehbuchautorin Peleg ihre Lovestory zweier Frauen, die für Aufregung bei ihren Familien sorgt. Die Barbesitzerin Shira (Moran Rosenblatt) und die Biologin Maria (Luise Wolfram) gehen offen mit ihrer Sexualität um und sind seit drei Monaten überglücklich verliebt. Sie wollen zusammenziehen.

Doch die beiden stammen aus ganz verschiedenen Welten. Während Shira als Jüdin in Israel aufgewachsen ist, kommt Maria aus Deutschland. Shiras Familie sieht den Krieg als Kampf für den Frieden, wohingegen Marias Eltern Gewalt strikt ablehnen. Als dann noch das Gerücht aufkommt, die beiden wollten heiraten, geht der Schlamassel los.

Shiras bärbeißige Großmutter Berta (Rivka Michaeli) ist entsetzt, dabei pflegt sie selbst ein nicht ganz koscheres Verhältnis zu einem palästinensischen Arzt. Zu allem Überfluss beschließen Marias supertolerante 68er-Eltern aus Stuttgart, gespielt von Juliane Köhler und Bernhard Schütz, ebenfalls nach Jerusalem zu reisen. Aber riskant wird es nicht, peinlich nur selten.

«Kiss Me Kosher» gewann 2020 beim Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg den Gershon-Klein-Filmpreis für den besten deutschen Film zu einem jüdischen Thema. Dennoch: Etwas bissiger und vielleicht auch politisch unkorrekter hätte er schon ausfallen können. Viel zu schnell lösen sich die Konfliktlinien wieder auf. Da hilft es auch nichts, dass der Film Themen wie den Holocaust oder die Besatzungspolitik pflichtbewusst abhakt.

Am Ende wird Hochzeit gefeiert, aber man darf nicht verraten, wer sich da bindet. Immerhin gibt es noch eine pointierte Szene: Auf der Feier knallt es, alle schmeißen sich zu Boden, und stellen sich die bange Frage: Sektkorken oder Bombe? Von diesen leider typischen Nahost-Momenten hätten wir gerne mehr gesehen.

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