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TV-Tipp

Dortmunder «Tatort»: Schmutzige Millionendeals

Dortmund (dpa/lnw)

Ein Mord an einem Vermögensberater: Ins Visier geraten diesmal aalglatte Finanzjongleure. Einer aus dem ermittelnden Viererteam scheint außer Kontrolle. Es wird spannend.

Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Kommissarin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) und Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) zeigen ihre Dienstausweise. Foto: Elliott Kreyenberg/WDR/unafilm GmbH/dpa

Diesmal hat es auch etwas von einem Beziehungskrimi. Es gibt im Dortmunder «Tatort» einen Toten, erschossen in einem Auto sitzend.

Die Sprache ist gewohnt derb, der Umgang schnörkellos-barsch wie immer, Hauptkommissar Peter Faber zynisch wie eh und je, seine Kollegin Martina Boenisch wieder des Öfteren angenervt. So weit die Konstanten. Ansonsten ist aber vieles anders in dem Sonntagskrimi «Gier und Angst» am 2. Januar im Ersten (20.15 Uhr).

Auf unterschiedliche Weise geht es um Beziehungen, Loyalität, innere Zerrissenheit. Alle vier im Team ringen emotional mit sich. Die Ermittlungen führen sie ins Finanz- und Investmentmilieu mit undurchsichtigen Deals und Millionen-Einsätzen. Und parallel dazu geht es in eine drogenaffine Clubszene. Konstrastreich.

Dubiose Vermögensgeschäfte?

Der Plot: Der hochnervöse Manager Josef Micklitza (Stefan Rudolf) meldet nachts einen Toten, seinen Vermögensberater Claus Lembach. Der habe ihn zu einem dringenden Treffen am Hafen gebeten, zu dem es dann nicht mehr gekommen sei. Am Tatort schlägt sich Boenisch (Anna Schudt) nicht nur mit Regen und Leiche rum, sondern auch mit ihrem Ex-Lover, dem Kriminaltechniker Sebastian Haller (Tilman Strauß).

Haller will über «unsere wundervolle Beziehung» reden, sie verpasst ihm eine eiskalte Abfuhr, beschwert sich später bei Kollegin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) in drastischen Worten: «Ich hab' schon Herpes wegen dem Arsch.» Der Abgewiesene will sich nicht abfinden. Es wird ungemütlich.

Ein einschneidendes wie schmerzvolles Auf und Ab hat Kollege Jan Pawlak (Rick Okon) zu bewältigen, der in der ersten «Tatort»-Folge des neues Jahres im Mittelpunkt steht. Pawlak stößt völlig unerwartet auf seine schon seit einem Jahr verschwundene Frau Ella, Mutter der gemeinsamen Tochter Mia. Und zwar ausgerechnet im Club von Micki Micklitza, mit dem sie Bett und Drogensucht teilt, wie Pawlak schockiert feststellt. Micki (Sascha Gersak) ist der Bruder des inzwischen verschwundenen Managers Josef Micklitza und ein schwer durchschaubarer Typ.

Die Story um Pawlak und seine Frau (Anke Retzlaff) und vor allem die Figur Ella wirken etwas konstruiert. Um sie zurückzugewinnen, lässt sich Pawlak auf ein gefährliches Spiel ein und scheint dabei die Kontrolle zu verlieren. Fabers Misstrauen ist ihm gewiss. Das Viererteam droht auseinanderzubrechen.

Die Angst geht um

Es treten diverse Unsympathen auf - der Chef einer Investmentfirma oder auch der Vorstand einer Privatbank. Arrogant, überheblich, ein wenig überzeichnet. Nach dem Mord geht in deren Kundschaft Angst um Betrug und verlorene Millionenvermögen um. Der Getötete soll in seiner Zunft ein Genie gewesen sein - hat er womöglich sein Gewissen entdeckt und hat dubiose Machenschaften offenlegen wollen?

Eine Faber-Boenisch-Überraschung gibt es: Da wächst was Neues zwischen den beiden, andeutungsweise. Es kommt zu einer Art versehentlichem Händchenhalten. Nur eine Sekundenszene und ein sehr spezieller Boenisch-Blick sind in der Episode zu sehen. Und zweimal mischt sich Faber in eine Auseinandersetzung zwischen Boenisch und Haller ein. Damit sind alle Spekulationen für die Zukunft zugelassen.

Als Neue hat Rosa mit der Januar-Folge schon fast ihr erstes TV-Jahr bei den Dortmundern hinter sich. Und sie hat sich als eine gewissenhafte Ermittlerin und gute Seele unter den schroffen Kollegen etabliert. Sie zeigt einen guten Riecher in dem Fall, bleibt allen Verwirrungen zum Trotz loyal gegenüber Pawlak und stellt das in einem entscheidenden Moment auch unter Beweis.

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