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TV-Tipp

Ein Schoko-Kuss in der Mikrowelle: «Gut gegen Nordwind»

Berlin (dpa)

Was mit zwei Menschen passiert, die sich nur durch Mails und Chats kennenlernen, das zeigt eine deutsche Filmkomödie mit Nora Tschirner.

Von Klaus Braeuer, dpa

Sie sind im selben Supermarkt, doch weil sie sich nur per Mail kennen, erkennen sie einander nicht: Emma Rothner (Nora Tschirner) und Leo Leike (Alexander Fehling) in einer Szene aus «Gut gegen Nordwind». Foto: Tom Trambow/Anne Wilk/ZDF/dpa

Sie treffen sich lange Zeit nicht persönlich, und sie vereinbaren, keinerlei Nachforschungen über den anderen anzustellen. Nur Mails und Chats fliegen zwischen Leo und Emma hin und her, die in derselben Stadt leben. Das hat natürlich Folgen, wie die Komödie «Gut gegen Nordwind» an diesem Montag im ZDF (20.15 Uhr) zeigt.

«Herzlichen Dank für Ihre überaus originelle Massenmail» - so antwortet der Kommunikationsforscher Leo Leike (Alexander Fehling) auf die gar nicht für ihn bestimmte Mail von Emma Rothner (Nora Tschirner), die nur ein Abonnement bei einem Verlag kündigen möchte. Ihre Antwort: «Passiv aggressiver Idiot». Wider Erwarten schreiben die beiden einander weiter, ohne sich jedoch zu sehen - und kommen sich auf diese Weise immer näher.

Nach einem Roman von Daniel Glattauer

Leo ist gerade Single, nachdem seine Freundin ihn verlassen hatte, und Emma ist mit dem Dirigenten Bernhard (Ulrich Thomsen) verheiratet, der zwei Kinder mit in die Ehe gebracht hat. Während Leos Schwester ihn mit ihrer besten Freundin verkuppeln möchte, kommt Bernhard hinter das Geheimnis seiner Frau, das in ihrem Laptop schlummert.

Regisseurin Vanessa Jopp (51, «Lügen und andere Wahrheiten») hat ihre Komödie nach einem Roman von Daniel Glattauer (62, «Die Wunderübung») inszeniert. Nora Tschirner (40, «Wunderschön») und Alexander Fehling (41, «Das Ende der Wahrheit») spielen das Paar auf einer Art virtuellen Insel ganz wunderbar. Die beiden Schauspieler waren tatsächlich einmal ein Paar (2007-2011) und spielen hier erstmals in einem Film, wobei sie fast nie gemeinsam zu sehen sind. Dafür ist ganz viel in ihren Gesichtern abzulesen, während sie sich schreiben.

Geplante und ungeplante Begegnungen scheitern, dafür gibt es einige berührende Momente: Sie kann bei Nordwind nicht schlafen, und er gibt ihr gute Tipps. Wenn Emma an Leo schreibe, dann fühle sie sich wie ein «Schoko-Kuss in der Mikrowelle». Das mag man sich in Wirklichkeit nicht unbedingt vorstellen, aber die beiden kleben zunehmend aneinander. Es sind kluge und oft zugespitzte Dialoge.

Das Ende des sehr unterhaltsamen Films ist offen, lässt aber hoffen. Wie es weitergeht, ist in der Briefroman-Fortsetzung «Alle sieben Wellen» zu lesen. Eine Verfilmung steht aber bislang noch aus.

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