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TV-Tipp

Eine Weltmeisterin im Trennen: «Man kann nicht alles haben»

Graz (dpa)

«Ehevertrag, Heirat, Kinder, Scheidung - wenn's gut läuft.» So sieht der Verlauf einer Beziehung aus Sicht einer Scheidungsanwältin aus. Wenn die Tochter dann den eigenen Ex als neuen Partner vorstellt, wird Trennen zur Mission.

Von Marco Krefting, dpa

Die junge Anwältin Anna (Marie-Luise Stockinger) und Richie (Fritz Karl) nehmen verliebt ein Selfie auf. Foto: Stefan Haring/ORF/Epofilm /dpa

«Beim Trennen bin ich Weltmeisterin», sagt Brigitte Fiedler. «Ich hab' Hunderten, Tausenden zu einer Scheidung verholfen.» Für eine Scheidungsanwältin ist das sicherlich eine beachtliche, gar ruhmreiche Bilanz.

Da überrascht es auch nicht, dass Brigitte das Trennen immer wieder zur ihrer Mission macht - selbst wenn es um die eigene Tochter Anna geht. Die bringt nämlich nicht nur einen deutlich älteren Mann mit nach Hause, der zudem Rockstar war. Richard Moosleitner ist zu allem Überfluss auch noch Brigittes Ex. Sie kennen sich aus einer Zeit, als sie «Biggi» und er «Richie» hießen. Während er als Künstler den Namen beibehalten hat, firmiert sie inzwischen ohne Koseform. «Biggi» ist die einzige Frau, mit der er «einmal fast verheiratet» war.

«Er könnte dein Vater sein!»

Die Konstellation ist also alles andere als einfach. Und bildet schon nach wenigen Minuten die Grundlage für die Komödie «Man kann nicht alles haben», die Arte am Freitag (11.3., 20.15 Uhr) zeigt.

Mit touristischen Stadtansichten von Graz gespickt, wird das Publikum zunächst in das Leben von Brigitte eingeführt. Eine Frau, die in Beziehungsdingen «was Ernstes» definiert als: «Ehevertrag, Heirat, Kinder, Scheidung - wenn's gut läuft.» Eine Frau, die - angesprochen auf die kühl eingerichtete Kanzlei - sagt, Mandanten dürften sich nicht wohlfühlen: «Da muss immer ein bisschen der Eishauch des Unbehagens durchwehen. Das ist was Psychologisches.» Und eine Frau, die ihrer Tochter vorhält: «Er könnte dein Vater sein!» Und auf die Gegenfrage, ob er es denn sei, Anna eine Ohrfeige verpasst.

Brigitte instrumentalisiert sodann Richies Sohn Michael, um die Beziehung seines Vaters zu zerstören. Ihr Plan: Michael soll Anna verführen. Dafür versucht Brigitte den schüchternen Jungunternehmer das Flirten zu lehren. Dafür lässt sie sich mal telefonisch zuschalten und verfolgt Michael mal bis auf die Herrentoilette. Das verspricht durchaus komische Momente.

Erwartbare Konstellationen

Aglaia Szyszkowitz als Brigitte, Karl Fritz als Richie, Aaron Friesz als Michael und Marie-Luise Stockinger als Anna spielen das Quartett, um das sich der Film im Kern dreht. Die Gegensätze vor allem zwischen Richie im schwarzen T-Shirt mit Totenkopf-Optik auf der einen und der Anwaltsfamilie Fiedler in Blazer, Bluse und mit Schlips und Kragen auf der anderen Seite könnten dabei kaum größer sein. Um das Ganze gipfeln zu lassen, kündigt Anna an, Richie heiraten zu wollen.

Mit der Zeit kristallisieren sich die Konstellationen heraus, die erwartbar sind: Auch wenn Michael sich immer wieder weigern will, verbringt er zunehmend mehr Zeit mit Anna. Gleiches gilt für Brigitte und Richie, die nach anfänglicher Distanz in Erinnerungen schwelgen. Dennoch halten der Musiker und die Anwaltstochter an den Hochzeitsplänen fest und treten gemeinsam vor die Standesbeamtin.

Nach den Gags am Anfang flaut der komödiantische Anteil über die anderthalb Stunden ab. Es wird mehr Romanze mit einem unfreiwilligen Roadmovie und nächtlichen Ausflügen in Zweisamkeit. Allerdings reicht es hier wiederum nicht für Tränendrüsenmomente. Da passt es, dass alle Songs des angeblichen Rockmusikers, an denen er für sein Comeback arbeitet, eher nach unaufgeregten Popschnulzen klingen.

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