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TV-Tipp

«Finsternis» - Kein Familienidyll im Frankfurter «Tatort»

Frankfurt/Main (dpa)

Der Schein trügt im Frankfurter Vorstadt-Idyll des neuen Hessen-«Tatorts». Die Kommissare Janneke und Brix müssen nicht nur einen Mord aufklären, sondern auch die Leiche dazu finden.

Von Eva Krafczyk, dpa

Anna Janneke (Margarita Broich, l-r), Paul Brix (Wolfram Koch), Freder (Caspar Kaeser) und Elli ( Samirah Breuer). Foto: Bettina Mueller/HR/Degeto/dpa

Mit kaputten Familien hatten die Ermittler des Frankfurter «Tatorts» schon wiederholt zu tun, etwa mit einem kindlichen Psychopathen. In der Episode «Finsternis» allerdings erweisen sich die Beziehungen einer scheinbaren Familienidylle als besonders toxisch.

Der Krimi ist am Ostermontag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Das Frankfurter Ermittlerteam Anna Janneke und Paul Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) hat zudem eine besondere Herausforderung zu meistern: Sie werden zu einem Tatort geordert, an dem die Leiche fehlt. Kurz zuvor hatte ein junges Paar im nächtlichen Wald noch eine tote Frau gesehen. Doch die ist nun verschwunden.

Immerhin: In der Nähe wurde ein Auto beobachtet, die Zeugin konnte sich das Kennzeichen merken. Der Wagen ist auf Maria Gombrecht (Victoria Trauttmansdorff) zugelassen. Zwar ist mittlerweile auch das Auto verschwunden, doch massive Blutspuren deuten darauf hin, dass die Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Die nächsten Angehörigen - Ehemann Ulrich Gombrecht (Uwe Preuss) und die beiden Töchter Kristina (Odine Johne) und Judith (Julia Riedler) hingegen wollen nicht wahrhaben, dass Maria tot sein könnte. Sie wollte zum Fastenwandern nach Frankreich, in den Bergen habe sie da oft kein Netz, erzählen sie den Ermittlern. Alles nur Verdrängung? Oder hat jemand aus dem Familienkreis was zu verbergen?

Fragen über Fragen

Gombrecht ist schwer krank. Tochter Kristina, die gleich gegenüber in gut situierter Vorstadtidylle wohnt, ist hochschwanger. Tochter Judith ist Theaterregisseurin und steckt in finanziellen Nöten. Doch hat sie mit Wissen der Mutter mit deren Bankkarte noch Bargeld bis zum Limit abgehoben, kurz ehe die verschwand? Steckt hinter der Nähe von Kristina und ihrem Vater liebevolle Sorge oder Kontrollwahn? Warum hatte Maria mit Beginn eines Literaturstudiums eine Wohnung angemietet? Warum wurde sie dort von ihrem Schwiegersohn beobachtet?

In dieser Familie scheint unter der Tünche der Harmonie jeder Geheimnisse zu haben - und nicht alle sind harmlos. Wollte sich Maria, aufgrund einer Erbschaft auch finanziell gut gestellt, trennen? Wer manipuliert wen in dieser Familienkonstellation? Und wo steckt Maria - oder ihre Leiche?

Die Suche nach der Wahrheit birgt für die Ermittler nicht nur Gefahren, sondern auch Einblicke in menschliche Abgründe, in eine Finsternis eben, in der das Ziel nicht allein der Tod, sondern totale Vernichtung ist. Ein dramatischer Showdown und ein Geständnis voller Selbstmitleid zeigen in diesem «Tatort» einmal mehr, dass unglückliche und dysfunktionale Beziehungen Potenzial für Tragödien haben.

Düstere Stimmung

Petra Lüschow, die das Drehbuch schrieb und Regie führte, hat mit «Finsternis» ihren zweiten Frankfurt-«Tatort» in Szene gesetzt nach «Wer zögert, ist tot». Während es damals reichlich schwarzen Humor gab, sind nun Stimmung und Töne deutlich düsterer und hoffnungsloser. Das Thema Frauensolidarität hingegen ist auch hier wichtig.

«Im Zentrum meiner Geschichten stehen ambivalente, verletzliche Figuren, die manchmal tapfer, manchmal verzweifelt kämpfen, aber nicht immer gewinnen», sagte Lüschow über ihre Arbeiten. «Mich beschäftigt, was uns gefangen hält, vor allem auch, wie Gewaltsysteme weitergegeben werden und uns prägen.»

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