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TV-Tipp

Neue «Breisgau»-Folge: Tue Gutes und rede nicht darüber

Freiburg (dpa)

Dass die Polizisten in diesem Krimi fast alle gleich heißen, ist etwas kompliziert. Dass sie nicht nur wie staatstreue Beamte agieren, macht die Sache interessant.

Von Marco Krefting, dpa

Tanja Wilken (Katharina Nesytowa) und Dennis Danzeisen (Joscha Kiefer) ermitteln wieder. Foto: Maria Wiesler/ZDF/dpa

Während sich die Yogarunde noch in Genügsamkeit übt, schwimmen Geldscheine durchs Wasser - und lenken die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Outdoor-Sports schnell ab.

Tanja Wilken zögert erst, ist dann aber doch interessiert: Denn das Geld bahnt sich seinen Weg von einem Rucksack aus, der bei einem zusammengeschlagenen Mann liegt. Und der bezichtigt ausgerechnet den Onkel von Wilkens Kollegen Dennis Danzeisen der Tat.

So ist es typisch für die noch junge ZDF-Reihe «Breisgau», sofern man das bei Folge zwei schon sagen kann: Irgendwie ist der Familien- und Polizeiclan Danzeisen immer auch persönlich involviert. Im Oktober startete der Krimi um die Freiburger Mordkommission. 7,28 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten ein. Das entspricht 26,2 Prozent, was eine ziemlich gute Quote ist. Die neue Folge «Nehmen und Geben» zeigt der Mainzer Sender nun an diesem Mittwoch (20.15 Uhr).

Die halbe Familie Danzeisen, so scheint es, arbeitet unter der Regie von Revierleiterin Dorothea Danzeisen (Johanna Gastdorf) bei der Polizei. Doch sie sorgt in der Stadt nicht nur für Recht und Ordnung, sondern engagiert sich im Verborgenen sozial, hinterlässt hier und da Finanzspritzen. Ein Aspekt, der auch Wilken (Katharina Nesytowa) auffällt: «Ihr versorgt hier halb Freiburg mit euren Umschlägen.»

Das Geld dafür kommt allerdings nicht auf legalem Wege zusammen, weshalb Dennis Danzeisen (Joscha Kiefer) eher abweisend reagiert. «Dir ist schon klar, dass ich nicht gegen euch bin?», beschwichtigt seine Kollegin. Doch misstrauisch und prinzipientreu, wie die neue im Team der Mordkommission ist, belässt sie es nicht dabei.

Derweil hält auch der eigentliche Fall - der niedergeschlagene Mann - die Ermittler auf Trab: Daniel Danzeisen (Rüdiger Klink) weist die Vorwürfe zurück. Es gibt aber einen Zusammenhang zu dem Opfer: Daniel Danzeisen war seinerzeit als Polizist am Tatort, als die Beamten wegen häuslicher Gewalt gerufen wurden. Das jetzige Opfer René Klettner, genannt «Klette» (Ludwig Trepte), drosch damals vor den Augen des gemeinsamen Kindes auf seine Frau Sunny (Tinka Fürst) ein. Die wiederum zeigte sich aber vom Polizeieinsatz nicht gerade erfreut, sondern schoss Danzeisen zweimal in den Rücken.

Er musste den Dienst quittieren und ist nun auf eine Gehhilfe angewiesen. Die Szenen der Eskalation zeigt Regisseur Thomas Durchschlag zwar leicht verfremdet, aber doch recht deutlich.

Sunny hat dabei ein weit weniger sonniges Gemüt, als ihr Name vermuten lässt: Ausdrucksweise derb, Aggressionspotenzial hoch, Modeauswahl bunt. Sie möchte ihr Kind zurück, dass in die Obhut von Pflegeeltern kam. Auch die haben ein Motiv. Zu alldem hält sich Daniel Danzeisen auch heute nicht aus dem Konflikt heraus.

Und als wäre das nicht verworren genug, tauchen noch ein ehemaliger Kunstdieb und jetziger Autor von Krimigeschichten sowie mutmaßliche Kunsträuber mit gruseligen Masken auf. Machen sie gemeinsame Sache? Da der Film unaufgeregt über anderthalb Stunden die Geschichte erzählt, kann das Publikum jedoch den Überblick behalten.

Sollte es zudem ein Herz für das Breisgau-Metropölchen haben, kommt es auch auf seine Kosten: Während es mit dem Freiburg-«Tatort» diesbezüglich eher zäh läuft, liefert die ZDF-Reihe viele schöne Ansichten der Stadt im Dreiländereck am Südwest-Zipfel der Republik.

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