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TV-Tipp

Packende ZDF-Serie «Liberame» über Geflüchtete und Helfer

Berlin/Hamburg (dpa)

Segler schleppen ein havariertes Flüchtlingsboot ab, das über Nacht verschwindet. Jahre später begegnen sie einem der Geflüchteten - was ist damals passiert?

Von Oliwia Nowakowska, dpa

An Bord des Geflüchtetenbootes macht Jan Garbe (Friedrich Mücke, l) eine schreckliche Entdeckung. Foto: Reiner Bajo/ZDF/dpa

Der Hamburger Werftbesitzer Jan Grabe (Friedrich Mücke) will seine Segeljacht verkaufen, der Werft droht die Pleite und mit der «Liberame» verbindet er sowieso keine guten Erinnerungen - warum?

Damit unternahm er vor einigen Jahren mit seiner Ehefrau Caro (Johanna Wokalek), seiner Schwester und zwei Freunden einen folgenschweren Segeltörn auf dem Mittelmeer. Wetter, Wind, ausgelassene Stimmung - alles schien perfekt. Doch dann entdecken die Urlauber ein havariertes Flüchtlingsboot.

Die ersten drei Folgen der packenden Miniserie «Liberame - Nach dem Sturm» sind am Montag (5.9., ab 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen sein. Die anderen drei Episoden von jeweils 45 Minuten können sich Zuschauerinnen und Zuschauer am 7. September (ab 20.15 Uhr) angucken. In der Mediathek steht die Serie schon seit Ende Juli.

«Liberame» bedeutet «Erlöse mich», das schreibt der Segeljacht eine große Symbolkraft zu, wie sich später herausstellen wird.

Zu Beginn eilten die Urlauber damals den Geflüchteten zur Hilfe und schleppten ihr Boot ab. Doch in der Nacht riss die Schleppleine und das Boot mit den Menschen verschwand. Die Urlauber verdrängten die Ereignisse, bis Jan eines Tages vermeintlich zufällig auf Ismail (Mohamed Achour) trifft. Er war damals mit seiner Ehefrau Zahra (Kenda Hmeidan), der Tochter sowie seinem Sohn auf dem Boot und denkt, Jan und die anderen hätten die Leine durchtrennt.

Die Serie spielt zwar in der Gegenwart und somit einige Jahre nach dem Vorfall. Es werden aber immer wieder Rückblicke eingestreut - Erinnerungen der einzelnen Charaktere. So erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer erst nach und nach, was auf dem Mittelmeer passierte.

«You have made it» (Ihr habt es geschafft), sagt Jan bei der Begegnung mit Ismail, der ihm auf Deutsch antwortet: «Das haben wir.» Jetzt ist klar, dass die Vergangenheit alle Beteiligten eingeholt hat. Anders als Ismail freut sich Jan über das Wiedersehen und lädt die syrische Familie zu sich nach Hause zum Essen ein.

«Ich glaube, durch diese zwei Familien wird ein viel größeres Problem deutlich als das, was sie miteinander haben», sagt die Schauspielerin Kenda Hmeidan der Deutschen Presse-Agentur. Sie spielt auf das Seerecht an, dass zwar dazu verpflichte, Geflüchteten auf hoher See zu helfen, in dem man etwa die Küstenwache informiere. Gleichzeitig machten sich Hilfswillige aber strafbar, wenn sie die Menschen aufs Festland bringen. «Das ist irgendwie ein Widerspruchsgesetz», sagt die 30-Jährige. Tatsächlich droht auch den Urlaubern in der Serie eine Strafe, denn Ismail erstattet Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung.

Doch die Begegnung in der Dramaserie hat auch eine reinigende Wirkung: Die Urlauber müssen sich ihrer Schuld stellen und Verantwortung übernehmen, damit sie von ihr erlöst werden. Die Geflüchteten hingegen müssen akzeptieren, dass ihnen nur die Option bleibt, sich fern der Heimat in Deutschland auch gegen Widerstände und Ungerechtigkeiten ein neues Zuhause aufzubauen, wonach sie sich auch sehnen. Dafür steht die «Liberame» (Erlöse mich) symbolisch.

Das Drehbuch von Astrid Ströher und Marco Wiersch verführt dazu, alle Folgen hintereinander wegschauen zu wollen. Das Ensemble ist gut gewählt und überzeugt mit Authentizität.

Schauspielerin Kenda Hmeidan kam 2016 selbst aus Syrien nach Deutschland - jedoch nicht als Geflüchtete, sondern im Rahmen des Modellprojekts Exil Ensemble vom Berliner Gorki-Theater.

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