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TV-Tipp

Raus aus der Falle: «Siziliens Frauen begehren auf»

Berlin (dpa)

Ganz im Süden Italiens ist nicht einmal ein Drittel der Frauen berufstätig. Eine Arte-Reportage erklärt die Gründe. Und zeigt, dass es in manchen Familien zu brodeln beginnt.

Von Hilal Özcan, dpa

Nicoletta Cosentino in ihrer Manufaktur «Cuoche Combattenti» («Kämpferische Köchinnen»), die sie 2017 in Palermo auf Sizilien gegründet hat. Foto: Oliver Nies/Spiegel TV/Arte/dpa

In Sizilien haben es Mütter nicht leicht. Eine Nachmittagsbetreuung von Kindern ist auf der italienischen Insel nicht üblich. Betreuungsangebote vom Staat gibt es nur in mäßiger Zahl.

Nicht ohne Grund gehen nur 29 Prozent der Sizilianerinnen einer Erwerbstätigkeit nach. Denn die Betreuung der Kleinen fällt dort heute immer noch nach dem traditionellen Rollenmuster fast immer komplett der Frau zu. Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt, aber vom Mann finanziell abhängig ist. Ganz im Süden Italiens zeigt sich die Benachteiligung von Frauen noch deutlicher als anderswo in Europa. Die Arte-Reportage «Siziliens Frauen begehren auf» erzählt am Mittwoch um 19.40 Uhr davon.

Zwei Frauen, die ihr Leben zwischen dem Job und der Betreuung des Kindes meistern müssen: Eine von ihnen ist die Alleinerziehende Nicoletta Cosentinos. Die 50-Jährige hat seit 2017 ihr Unternehmen «Kämpferische Köchinnen» gegründet und stellt dort gemeinsam mit anderen Frauen regionale Produkte wie Marmelade oder Backwaren her.

Zugleich trifft Nicoletta ihre Kundinnen und Kunden und kümmert sich dann auch allein um ihre zwei Kinder. In ihrer Ehe hatte die 50-Jährige oft Demütigung erlebt. Sie wurde psychologisch ständig unter Druck gesetzt, bis sie sich scheiden ließ. In ihrem Unternehmen unterstützt sie Frauen, die dasselbe Schicksal erleben. Sie stellt Praktikantinnen ein und bietet Frauen eine Berufsperspektive oder plant, wie sie mit Frauen aus einem Viertel ein Catering gründen kann. Sie schiebt Projekte gegen häusliche Gewalt an.

Doppelbelastungen für Frauen

Die Doku begleitet auch Clelia. Die 39-Jährige arbeitet schon in Teilzeit als Sekretärin und möchte einen zweiten Job annehmen. Den sucht Clelia noch. Sie versucht ihren Mann so wenig wie möglich um Geld zu bitten. Die Sizilianerin möchte nämlich aus Prinzip von niemanden abhängig sein. Das bedeutet für sie allerdings großen Stress. Denn auch wenn sie arbeitet, muss eine Frau in ihrer Lebensrealität die Betreuung des Kindes und den Haushalt stemmen.

Die 39-Jährige wird in Bewerbungsgesprächen regelmäßig gefragt, wie sie den Beruf und Familie gleichzeitig meistern will. Das findet sie «demütigend und eine krasse Form von Benachteiligung», denn solche Fragen werden männlichen Bewerbern nie gestellt, sagt Clelia.

Ihr Mann hat für sich einen festen Plan und keine Zeit für familiäre Angelegenheiten an einem Arbeitstag, während Clelia in ihrem Alltag beides meistern muss. Sie macht sich Sorgen um Sizilien: «Es heißt immer, dass Kinder die Zukunft unseres landes ist, aber wenn niemand mehr Kinder bekommt, weil der Staat nicht präsent ist und keine Unterstützung anbietet, dann steht diese Zukunft auf dem Spiel.» Italien gehört schon jetzt zu den geburtenärmsten Ländern Europas.

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