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TV-Tipp

«Trügerische Sicherheit»: Gar nichts ist sicher

Berlin (dpa)

Was ist schon sicher in diesem Leben? Die Beziehung nicht, der Job nicht, das Glück schon mal gar nicht - jedenfalls in einem packenden TV-Drama im ZDF.

Von Klaus Braeuer, dpa

Magnus Mittendorf (Christian Berkel, l) lernt seine neue Pressesprecherin Katharina Borba (Friederike Becht) kennen - von ihrer Beziehung zu seinem Personenschützer (Max Simonischek) weiß er jedoch nichts. Foto: Christine Schroeder/ZDF/dpa

Eine junge, aufstrebende Pressesprecherin hat eine Affäre mit einem engagierten Personenschützer. Soweit klingt das ganz normal - bis eine dritte Person dazwischen funkt, für die alle beide obendrein arbeiten. Von persönlichen Abhängigkeiten erzählt das ZDF-Drama «Trügerische Sicherheit» an diesem Montag um 20.15 Uhr.

Jonas Neimann (Max Simonischek) ist nicht nur Kriminalkommissar, sondern schon seit einigen Jahren der Personenschützer des Hamburger Lokalpolitikers Magnus Mittendorf (Christian Berkel). Und er ist ihm sowie dessen Familie sehr verbunden. Mit Mittendorfs neuer Pressesprecherin Katharina Borba (Friederike Becht) hat Neimann eine recht junge Beziehung, die sie beide geheimhalten, so gut es geht - vor ihrem Chef, aber auch vor neidischen und intriganten Kollegen.

Doch plötzlich ist alles anders: Katharina zieht sich von Jonas zurück, meldet sich mitten im Wahlkampf krank. Bis Jonas endlich von ihr erfährt, dass Mittendorf nach einer Party sexuell übergriffig geworden ist. Jonas drängt Katharina, den Vorfall sofort anzuzeigen, doch sie zögert - aus Scham, Angst - und weil es keine Beweise gibt. Jonas beginnt zu recherchieren - und zu handeln.

Regisseur Thomas Kronthaler (55, «Irgendwas bleibt immer») hat ein packendes Drama inszeniert. Seine Wucht wird erst ganz allmählich deutlich, dann aber gründlich. Was insbesondere daran liegt, dass hier nichts und niemand in schwarz oder weiß gezeichnet erscheint, und dass nicht alles in endlosen Dialogen erklärt und zerredet wird.

So bleibt ganz viel Zeit für lange, intensive Blicke und sparsame Gesten, die viel mehr aussagen als noch so viel Gerede. Außerdem wird der politische Betrieb, noch dazu mitten in einem Wahlkampf, erstaunlich realistisch dargestellt. Dazu gehört auch, dass ein durchaus sympathisch wirkender Typ eines Politikers gezeichnet wird, dem so etwas wie Bürgernähe und Prinzipien viel zu bedeuten scheinen, und dem dennoch eine gewisse Ambivalenz anzumerken ist.

Dieser Herr Mittendorf wird, mit eher leisen Tönen, vortrefflich verkörpert von Christian Berkel (64, «Sportabzeichen für Anfänger»), der mit seinen Mitarbeitern im Film respektvoll umgeht und sich sehr um seine kränkliche Ehefrau sorgt. Was nichts daran ändert, dass er einen schlimmen Fehler begeht und diesen obendrein zu verdrängen sucht, obgleich er unter ständiger Beobachtung steht.

In einem ZDF-Interview sagt Berkel: «Einen Personenschützer um mich zu wissen, der mich auf Schritt und Tritt begleiten müsste, stelle ich mir für beide Seiten sehr herausfordernd vor. Ich würde das Alleinsein vermissen, die Möglichkeit des spontanen Rückzugs, ohne die meine Arbeit undenkbar wäre. Ein Familienleben unter Beobachtung, den Verlust der Privatheit, kann ich mir auch nicht denken.»

Friederike Becht (35, «Plötzlich so still») überzeugt als toughe und clevere Pressesprecherin, die nach dem üblen Missbrauch durch ihren Chef sichtlich verstört ist und niemanden mehr an sich heranlassen will. Umso mehr kämpft Max Simonischek (39, «Laim und die Tote im Teppich») in seiner engagiert und zurückhaltend angelegten Rolle um ihr Vertrauen und ihre Liebe, will den ganzen Fall aufrollen - auch, um selbst wieder zur Ruhe zu finden.

So ist es unausweichlich, dass die Konsequenzen für alle drei Hauptfiguren in diesem Film gravierend sein müssen. Sicher ist spätestens dann gar nichts mehr.

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