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Kulturpolitik

Brasilien: Hoffnungen in Kulturszene nach Lula-Sieg

Rio de Janeiro (dpa)

Künstler Ernesto Neto bezeichnet die vier Jahre Bolsonaro-Regierung als «brutale Attacke auf die Kultur». Entsprechend viel erwarten die Künstler in Brasilien vom gewählten Staatschef Lula.

Von dpa

Luiz Inacio Lula da Silva (M., l), damals ehemaliger Präsident von Brasilien, nimmt an einer Veranstaltung mit Künstlern und Akademikern teil. Foto: Fernando Frazão/Agencia Brazil/dpa

Nach dem Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva bei der Präsidentenwahl in Brasilien hofft die Kulturszene auf neue Impulse und eine Aufbesserung des Budgets. «Die Stimmung verbessert sich schon», sagt der Künstler Ernesto Neto aus Rio de Janeiro der Deutschen Presse-Agentur.

Neto, 58, ist für raumgreifende Skulpturen aus Stoff wie im Hauptbahnhof Zürich («Gaia Mother Tree») und seine Arbeit mit Indigenen vom Volk der Huni Kui aus dem brasilianischen Amazonasgebiet bekannt. «Lula ist Teil des Kampfes für Bildung und Kultur, der Indigenen und Afro-Brasilianer», sagt Neto. Der Linkspolitiker Lula tritt sein Amt am 1. Januar 2023 an.

Der abgewählte rechtsgerichtete Präsident Jair Bolsonaro, seit Anfang 2019 im Amt, betrachtet Kultur vor allem als notwendiges Übel oder nutzt diese, um seine Wertvorstellungen zu verbreiten. So wurde das Kulturministerium zum Sekretariat herabgestuft, der damalige Kultursekretär Roberto Alvim etwa wurde 2020 wegen einer Rede im Stil von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels entlassen. Fördergelder für Kultur wurden gekürzt oder blockiert.

«Das Gegenteil von Kunst»

«Diese vier Jahre waren eine brutale Attacke auf die Kultur von einer Regierung, die tödliche Polizei-Einsätze und Waffenbesitz befürwortet», sagt Neto. «Das führt nur zu Hass, Tod, Traurigkeit, Leiden - und ist das Gegenteil von Kunst.»

Lula versprach in seiner Siegesrede, das Kulturministerium wieder einzurichten und die Kulturförderung wieder aufzunehmen. Unter anderem werden die Sängerin Daniela Mercury und ein früherer Chef der staatlichen Filmagentur als Kandidaten für den Ministerposten gehandelt. In Lulas Amtszeit zwischen Anfang 2003 und Ende 2010 war der legendäre Sänger Gilberto Gil mehrere Jahre Kulturminister.

«Eine unserer Verpflichtungen für die kommenden vier Jahre besteht darin, die Investitionen in die Kultur zu erhöhen und das Funktionieren der Förderprogramme zu gewährleisten», sagte Márcio Tavares, der in Lulas Wahlkampfteam für Kultur zuständig war. «Aber das ist auch eine Frage des Haushalts.» Die Frage ist auch angesichts der Andeutung Lulas, die Haushaltsobergrenze eventuell nicht einzuhalten, heikel.

Programme schnell überprüfen

Um so wichtiger, so Tavares, seien Gesetze wie das umstrittene «Lei Rouanet», das im Gegenzug für Kulturförderung steuerliche Erleichterungen erlaubt. Kritikern zufolge bekamen damit etwa auch renommierte Künstler Unterstützung, die dies gar nicht nötig hatten. «Zu Beginn der Regierung müssen wir die Programme schnell überprüfen und wieder aufnehmen, um die Kulturproduktion ankurbeln zu können.»

Das erwartet auch Odilon Wagner. «Wir haben mehrere dringende Bedürfnisse», sagte der Vize-Präsident der Vereinigung der unabhängigen Theater-Produzenten. «Während der Pandemie haben sich viele Menschen nach anderen Tätigkeiten umgesehen. Jetzt heißt es, in Ausbildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu investieren.»

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