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Pionier der Medienkunst

Kunst und Science-Fiction: Trauer um Herbert W. Franke

München (dpa)

Kunst und Computer, das ist heute kein Gegensatz mehr, auch dank Herbert W. Franke, der schon vor Jahrzehnten mit Hilfe der Technik kreativ wurde. Obendrein war er Science-Fiction-Autor, Forscher, Physiker und vieles mehr.

Von Cordula Dieckmann, dpa

Herbert W. Franke starb mit 95 Jahren. Foto: Ingo Wagner/dpa

Während die Technik andere im Rentenalter längst überfordert, mischte Herbert W. Franke sogar noch beim Hype um NFTs mit - mit 95 Jahren. 100 dieser Non-Fungible Tokens oder digitalen Echtheitszertifikate hatte er am 1. Juni für Kunstwerke seiner Serie «Math Art» veröffentlicht - und binnen 30 Sekunden verkauft.

Ein Erfolg, wie vieles im Leben des Ausnahme-Wissenschaftlers und Computer-Künstlers aus Österreich, der nun am Samstag in seiner oberbayerischen Wahlheimat Egling (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) starb, wenige Wochen nach seinem 95. Geburtstag am 14. Mai, wie seine Frau Susanne Päch über Twitter mitteilte.

«Selten trifft die Bezeichnung Universalgelehrter zu – Herbert W. Franke war einer von ihnen», würdigte Österreichs Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) den Verstorbenen. «Er vereinte physikalisches, mathematisches, philosophisches und chemisches Wissen und war in vielem seiner Zeit weit voraus.» 1979 war er auch einer der Mitbegründer des Festivals Ars Electronica. Das österreichische Bundeskulturministerium verlieh ihm 2007 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Enorme Bandbreit in seinem Schaffen

In der Tat hatten Frankes Talente eine enorme Bandbreite. Nach dem Abitur in seiner Geburtsstadt Wien studierte er Physik, Chemie und Mathematik sowie im Nebenfach Psychologie und Philosophie. Er schrieb Science-Fiction-Bücher, forschte etwa im Bereich der Elektrotechnik, war fasziniert von künstlicher Intelligenz, lehrte unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste in München. Fasziniert war er auch, wenn es darum ging, Höhlen zu erkunden oder Tropfsteine zu datieren.

Neben all der Wissenschaft galt er als Pionier der Computerkunst und -grafik. «Man pflegt die Technik als kunstfeindliches Element abzutun. Dass sie das nicht ist, ja, dass sie uns sogar ungeahntes künstlerisches Neuland erschließt, will ich zu beweisen versuchen», schrieb Franke 1957 in seinem Buch «Kunst und Konstruktion». Eine Art Leitmotiv für den Neugierigen, der mit Fotografie experimentierte und früh Kunstwerke mit Hilfe von Computern kreierte. 1970 war er mit einem Siebdruck gar auf der Biennale in Venedig.

Dass Franke die reale Welt nicht mehr ausreichte, lag eigentlich auf der Hand. Und so begab er sich in virtuelle Reiche und galt bald als Vordenker des Metaverse, eines kollektiven, digitalen Raumes. Hier eröffnete er etwa Ende der 2000er-Jahre mit seiner Frau Susanne auf der Plattform Active Worlds die Z-Galaxy, ein dreidimensionales Ausstellungsgelände mit Werken von ihm selbst, aber auch von anderen.

Durch Mauern marschieren

Die Faszination dieser Welten beschrieb Franke 2010 in seinem Buch «Die Zukunftsmaschine» mit Science-Fiction-Erzählungen: «So gibt es fantastische Möglichkeiten für die Kunst, wobei der Künstler zu einem Schöpfer wird, der, wenn er will, neben den Landschaften und der Architektur auch die physikalischen Grundgesetze ändert. Er schafft Welten, in denen er schwerelos schwebt, sich unsichtbar macht oder durch Mauern hindurch spaziert – und er kann sein Publikum in diese Welten mitnehmen.»

2017 übergab er dem Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe Unmengen an Dokumenten, Büchern, Skizzen, Briefen, Fotografien, Ton- und Bildaufnahmen und Hörspielen. Das Vermächtnis eines erfolgreichen Lebens, das Franke aber mit leichter Ironie betrachtete, wie ein Tweet seiner Ehefrau nahelegt, den sie nach dem Tod ihres Mannes auf dessen Account postete: «Herbert nannte sich gerne den Dinosaurier der Computerkunst», schrieb Päch. Witz gepaart mit scharfer Zunge spiegelt sich auch in seinen Gedichten, so etwa in dem Zweizeiler «Geist»: «Wer Geist hat, macht davon Gebrauch. Wer nicht, versucht dies meistens auch.»

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