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Rocksänger

Der Brave mit der Mähne - Jon Bon Jovi wird 60

New York (dpa)

«Ich habe den Willen einer Armee», sagte Jon Bon Jovi, der selbst nach Jahrzehnten im Geschäft weiter hart an seiner Musik arbeitet. Das hat auch mit seiner Kindheit zu tun.

Von Benno Schwinghammer, dpa

Jon Bon Jovi wird 60 Jahre alt. Foto: Drew Gurian/Invision/AP/dpa

Ein Mann, der als Sänger Weltruhm und so ziemlich alle denkbaren Preise bekam, aber noch immer Gesangsunterricht nimmt?

Das ist typisch Jon Bon Jovi: Seine Karriere ist gespickt mit Superhits, seine Stimme Abermillionen nur allzu bekannt - und Allüren hat er trotzdem nicht. Am Mittwoch (2. März) wird er 60 Jahre alt - und sagt, er habe noch nie härter an sich und seiner Karriere gearbeitet.

«Ich habe gestern im Studio gesungen, als wäre es eine komplette Show, meine Gitarre war zweieinhalb Stunden lang angeschlossen und ich habe 20 verschiedene Songs gespielt, die ich seit 25 Jahren nicht mehr gesungen habe», erzählte er vor wenigen Wochen dem US-Sender PBS. Trotz mehr als 130 Millionen verkauften Tonträgern, 15 Studioalben und mehr als 2700 Konzerten ist der Grammy-Gewinner noch nicht fertig. «Ich habe den Willen einer Armee», meint er.

Harte Arbeit kennt er von Zuhause

Jon Bon Jovi, bürgerlich John Francis Bongiovi, ist der Sohn eines aus Sizilien stammenden Arbeiters. Aufgewachsen ist er jedoch im Mittelschichtsmilieu von New Jersey nahe New York, so wie Bruce Springsteen, dem er schon am Anfang seiner Karriere über den Weg lief. Seiner Heimat blieb Bon Jovi immer verbunden: Jersey sei wunderbar. In seiner Kindheit hätten beide Eltern sechs Tage die Woche geschuftet. «Harte Arbeit wurde uns also anerzogen», so der Sänger, der selbst mit 60 noch seine charakteristische volle Haarmähne trägt.

In seiner Schulzeit sang Bon Jovi bereits in Highschool-Bands, mit 13 gab es nur einen Berufswunsch: Rock-'n'-Roll-Star. Und wie es sich für einen solchen gehört, gibt es eine Legende, die am Karriere-Anfang steht. Bon Jovi wurde sozusagen mit dem Mob in der Hand beim Bodenwischen entdeckt. Als 18-Jähriger war er Hausmeister im Aufnahmestudio seines Cousins und legte nebenbei Demos seines Songs «Runaway» aus.

Der Track wurde zum lokalen Hit. Mit seinem Keyboarder-Kumpel David Bryan, Gitarrist Dave Sabo, Bassist Alec John Such und Schlagzeuger Tico Torres gründete er die Band Bon Jovi. Richie Sambora löste später Sabo ab. Mit geschliffenem Gitarren-Rock, Lederoutfits und Songs wie «You Give Love A Bad Name» und «Livin' On A Prayer» ging es für die Jungs in den 80er Jahren steil aufwärts. Ausverkaufte Stadien, Nr.-1-Hits und Preise.

Ein Rockstar ohne Skandale

Zudem war Jon Bon Jovi auch auf Solo-Pfaden unterwegs. Der Song zum Erfolgswestern «Young Guns II» wurde mit Grammy- und Oscar-Nominierungen bedacht, Bon Jovi hatte im Film eine Nebenrolle. Es blieb nicht die einzige: Er spielte unter anderem in der TV-Serie «Ally McBeal» und 2011 in der Romanze «Happy New Year» mit.

Zu einer Änderung im Stil der Band kam es Anfang der 90er. Von ihren Heavy-Roots verabschiedeten die Musiker sich in Richtung Arena-Rock: Ohrwürmer wie «Bed Of Roses» und «I'll Be There For You» sorgten für Millionenabsätze und schmachtende Teenies - was auch an der Ausstrahlung des Sängers lag. Bon Jovi schaffte es auf die Liste der attraktivsten Männer des «People»-Magazins und verkündete: «Ich habe noch nie Botox benutzt.»

Das passt zum Image des Jersey-Boys, des Kleinstadtjungen: Seit mehr als 30 Jahren ist der Vater von vier Kindern mit seiner Freundin aus Schultagen, Dorothea, verheiratet. Auch in Jersey lebt er noch. Bon Jovi ist Umweltaktivist und politisch aktiv, kümmert sich mit einer Stiftung und einem Restaurant um Familien in Not. Gleichzeitig gilt er als Typ ohne Skandale. Fast schon zu brav für einen Rockstar.

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