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Gerichtsshow

«Der Richter schlechthin» - Alexander Hold wird 60

München (dpa)

Jahrelang war Alexander Hold nahezu omnipräsent im deutschen Fernsehen. Jetzt wird der frühere TV-Richter 60 - und hat inzwischen einen Job, der dem des Fernsehrichters ähnelt.

Von Britta Schultejans, dpa

Alexander Hold wird 60 Jahre alt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Giftmord im Gerichtssaal: Ein Angeklagter stirbt während der Verhandlung, vergiftet mit Insulin. In einem anderen Fall droht eine Zeugin, bei ihrer Aussage an einem Asthma-Anfall zu ersticken. Doch der Mann in der Robe bleibt ruhig.

«Wir haben Ihr Spray gleich da», bemerkt Alexander Hold auf der Richterbank nahezu stoisch. Im Giftmordfall stellt er fest: «Er hat kaum noch Puls.»

Es waren nicht die herkömmlichsten Fälle, mit denen «Richter Alexander Hold» sich in seiner gleichnamigen Gerichtsshow von Anfang der 2000er Jahre an befasste. «Wir haben sicher nicht den Durchschnitt des Justizalltags abgebildet», sagt er rückblickend der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es ist schon erstaunlich, wie viele unglaublich klingende Fälle tatsächlich geschehen.»

Der erste Fall

Hold, der am Freitag (11. März) seinen 60. Geburtstag feiert, war Staatsanwalt und Richter im Allgäu, bevor er 2001 als «Richter Alexander Hold» das Gesicht der gleichnamigen Sat.1-Sendung wurde. An seinen ersten Fall als Fernsehrichter kann er sich noch gut erinnern: «Ein junges Pärchen, das einen vier Monate alten Säugling hatte, aber keinen Babysitter, hatte das Kind deshalb in einem Schließfach am Bahnhof eingeschlossen, um feiern zu gehen. Am nächsten Tag wurde das Baby dort völlig unterkühlt gefunden.»

Als er den Fall auf den Tisch bekam, sei er unzufrieden gewesen mit seinem Team, sagt er. «Ich habe mich bei der Redaktion sofort beschwert, weil wir vereinbart hatten, realistische Fälle zu behandeln und keine völlig aus der Luft gegriffenen. Die Antwort war: Es tut uns leid, aber der Fall ist nicht ausgedacht, sondern tatsächlich so passiert.» Dieser erste Fall habe ihm etwas klar gemacht: «Das wahre Leben schreibt oftmals die abnormeren, skurrileren und schrecklicheren Geschichten als jeder Autor.»

2500 Folgen der Show hat er nach eigenen Angaben gedreht - mit Quoten, von denen Fernsehmacher heute träumen: «Wir hatten unvorstellbare Quoten von 34 Prozent und bis zu 3,9 Millionen Zuschauer. "Richter Alexander Hold" war jahrelang dreimal am Tag auf Sendung – teilweise sieben Tage und 20 Stunden in der Woche. Das ist heute kaum noch vorstellbar.»

Wechsel in die Politik

Die mediale Omnipräsenz dieser Zeit ist auch der Grund dafür, warum Hold noch heute - viele Jahre nach dem Ende der Show - vielen noch als «der Richter schlechthin» gilt, auch wenn er eigentlich längst eine andere Rolle hat: die des Politikers.

Seit 2018 ist er für die Freien Wähler Mitglied und Vize-Präsident des bayerischen Landtags. Im Jahr davor hatte ihn seine Partei sogar als - wenn auch chancenlosen - Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl aufgestellt.

Allerdings entdeckt er in seinem aktuellen Amt als Landtagsvizepräsident Parallelen zu seinem alten Job: «Ich versuche es mal undiplomatisch: Ob in Robe oder im Anzug, ob bei der Justiz, im Fernsehen oder bei der Sitzungsleitung im Landtag – mein ganzes Berufsleben bin ich derjenige, der in spannenden Sitzungen den Vorsitz führt, für Ordnung sorgt und dabei Protagonisten vor sich hat, die nicht immer so leicht im Zaum zu halten sind. Das scheint die Rolle meines Lebens zu sein.»

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