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Maler

Rastlose britische Kunstikone: David Hockney wird 85

London (dpa) -

Farbenprächtige Porträts und Bilder von Swimmingpools machten ihn weltberühmt. David Hockney zählt zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Auch im hohen Alter ist der exzentrische Brite sehr aktiv.

Von Philip Dethlefs, dpa

David Hockney gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit. Jetzt wird er 85. Foto: Arne Dedert/dpa

Im Fitzwilliam-Museum in Cambridge erlebten einige Besucherinnen und Besucher der aktuellen David-Hockney-Ausstellung vor kurzem eine echte Überraschung. Denn sie bekamen dort nicht nur die Bilder des britischen Malers zu sehen, sondern auch David Hockney höchstpersönlich.

In einem auffälligen, karierten Tweed-Anzug, mit roter Krawatte und weißer Schiebermütze saß er dort. Hockney, der diesen Samstag (9. Juli) 85 Jahre alt wird, war offenbar unangekündigt vorbeigekommen, um sich seine eigene Ausstellung anzusehen.

Werkschauen des einflussreichen Künstlers ziehen regelmäßig große Besuchermengen an. 2017 kamen fast eine halbe Million Menschen in die Londoner Tate Britain, es war die bislang meistbesuchte Ausstellung der Tate. In Cambridge läuft «Hockney's Eye: The Art and Technology of Depiction» bis zum 29. August. Zeichnungen, Gemälde und digitale Kunstwerke des einflussreichen Künstlers sind dort zu sehen.

Typisch sind die oft leuchtenden, subtilen Farbtöne, mit denen Hockney gewissermaßen seine eigene Farbsprache erschaffen hat. Meist erkennt man ein Bild von ihm sofort. Er gilt als hedonistischer Maler, der gern die schönen Dinge des Lebens zeigt, den Genuss, die Freiheit, die Natur. Auch Porträts sind seine Spezialität. Bevorzugt malt Hockney Menschen aus seinem Umfeld.

Rastloser Künstler

Im Fitzwilliam-Museum, wo Werke von Domenico Veneziano, Claude Monet oder Vincent van Gogh hängen, wird erstmals ein neues Selbstporträt - eins von mittlerweile geschätzten 300 - gezeigt, das der rastlose Hockney im vergangenen November gemalt hat. Mit Mitte 80 tritt er offenbar kein bisschen kürzer. Inzwischen muss er beim Malen aber häufiger sitzen, verriet er kürzlich dem «New Yorker».

David Hockney wurde während der Zeit der großen Depression 1937 in der Industriestadt Bradford/West Yorkshire als viertes von fünf Kindern geboren. Sein Vater, ein begeisterter Hobbymaler, förderte die Begabung des Sohnes mit Malunterricht. «Bradford war eine sehr, sehr schwarze Stadt damals», erinnerte sich Hockney vergangenes Jahr in der Zeitung «Guardian». «Die Häuser waren total schwarz von der Kohle. Das hab ich gemalt. Man konnte kaum Farben sehen.»

Sein Gespür für leuchtende Farben entwickelte er später. «Es kam von Monet und Matisse und Picasso», so Hockney, für den im Teenageralter eine Van-Gogh-Ausstellung in Manchester zur Offenbarung wurde. «Ich dachte, Van Gogh muss ein sehr reicher Künstler sein, weil er ganze Tuben von Blau verwenden kann, um den Himmel zu malen. Diese Ausstellung habe ich immer in Erinnerung. Es war fantastisch für mich, das zu sehen.»

Revolution am College in London

Als Student am Royal College of Art in London sorgte Hockney für eine Revolution, als er sich weigerte, Teile der Abschlussprüfung zu absolvieren. Er wollte auf Basis seiner Kunst bewertet werden. In Anerkennung seines Talents und wachsender Popularität änderte das Royal College seine Regeln und verlieh ihm schließlich sein Diplom.

Damals, im Alter von 23 Jahren, outete sich Hockney auch als schwul, obwohl homosexuelle Handlungen unter Männern damals in Großbritannien noch gesetzlich verboten waren. Seine Homosexualität war lange eines seiner beherrschenden Bildthemen - so etwa auf dem Ölgemälde «Domestic Scene, Los Angeles» von 1963, das einen nackten Mann unter der Dusche zeigt, während ein anderer Mann seinen Rücken wäscht.

Umzug in die USA

Nach Lehraufträgen in Großbritannien zog es Hockney Mitte der 1960er Jahre in die USA. Die «Magie von Hollywood» habe ihn dazu inspiriert, verriet er in Archivaufnahmen in der BBC-Dokumentation «Hockney». Der meist etwas exzentrisch und farbenfroh gekleidete Brite dozierte unter anderem in Los Angeles und an der renommierten University of California in Berkeley.

Während dieser Zeit entstanden einige seiner berühmtesten Kunstwerke, darunter «The Splash» (1966), das das Spritzen in einem Pool zeigt, in den gerade jemand hereingesprungen ist. Noch bekannter wurden das Nachfolgewerk «A Bigger Splash» (1967) und «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» (1972). Letzteres erzielte 2018 bei einer Auktion des britischen Traditionshauses Christie's 90 Millionen US-Dollar. Es war das teuerste Kunstwerk eines lebenden Künstlers, das bis dato versteigert wurde.

Swimmingpools waren fortan ein häufiges Bildmotiv von Hockney. Der begeisterte Schwimmer bemalte sogar den Boden seines eigenen Schwimmbads mit den für seine Bilder charakteristischen Wellen. Und nicht nur das. Der ikonische Tropicana-Pool des berühmten Hollywood Roosevelt Hotels in Los Angeles hat noch heute ein solches Hockney-Design, eine Unterwasser-Wandmalerei, die gerade erst aufwendig restauriert wurde.

Das «Sieben-Zwerge-Haus» in Frankreich

Über die Jahrzehnte schuf der neugierige und stets an neuen Technologien interessierte Künstler unzählige Porträts, Selbstporträts, Landschaftsgemälde, Stillleben, Lithografien, Zeichnungen und Aquarelle. Er arbeitete mit Fotografie und malte auf dem Ipad. Dafür entwickelten Mitarbeiter Hockneys eine Pinsel-App weiter, damit sie seinen hohen Ansprüchen genügt.

Nach mehr als 30 Jahren in Kalifornien lebt Hockney seit einigen Jahren überwiegend in der Normandie. Mit seinem langjährigen Assistenten und heutigen Partner Jean-Pierre Gonçalves de Lima bewohnt er ein Landhaus. Das «Sieben-Zwerge-Haus», wie er es selbst nennt, hat er auch auf einem farbenprächtigen Gemälde verewigt.

Eine chronologische Übersicht über sein umfangreiches Gesamtwerk bietet der schwere, riesige Bildband «David Hockney: A Bigger Book» mit 500 Seiten im Großformat. Fans müssen für das auf 9000 Exemplare limitierte und von David Hockey signierte Buch allerdings tief in die Tasche greifen. Es kostet umgerechnet knapp 5200 Euro.

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