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Kommentar zum Missbrauchsfall Lügde

Alles halb so schlimm?

Dass im Fall Lügde alle Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont davonkommen – wer soll das verstehen?

Christian Althoff

Das Kreishaus des niedersächsischen Landkreises Hameln-Pyrmont. Foto: Peter Steffen/dpa

Zur Erinnerung: Als das Jugendamt 2017 einen Pflegevertrag mit Andreas V. schloss und ein kleines Mädchen zu ihm auf den Campingplatz gab, standen bereits drei Hinweise auf den alleinstehenden Mann und einen möglichen Kindesmissbrauch in den Jugendamtsakten. Trotzdem bekam Andreas V. das Mädchen, und selbst, als er nicht mehr mit dem Amt kooperierte, wurde die Reißleine nicht gezogen. Das Kind wurde nie unter vier Augen befragt, es wurde nie begutachtet.

Dass die Unterbringung des Mädchens „keine objektive Gefahr erheblicher körperlicher oder psychischer Entwicklungsschäden“ bedeutet haben soll, wie es die Staatsanwaltschaft meint, ist schwer vorstellbar. Die Gefahr bestand nicht nur, sie hat sich in schlimmster Weise verwirklicht. Deshalb hätte das Vorgehen der Jugendamtsmitarbeiter unbedingt von einem Gericht überprüft werden müssen.

Stattdessen sendet die Staatsanwaltschaft mit der Verfahrenseinstellung das Signal: War alles nicht so schlimm.

Doch, das war es!

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