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Kommentar zur Idee der Arzneimittel-Flohmärkte

Verrückter Vorschlag

Bielefeld

Tausche Blutdrucksenker gegen Fieberzäpfchen: Der Vorschlag des Ärztekammer-Präsidenten Klaus Reinhardt, angesichts der Lieferengpässe bei Medikamenten Nachbarschaftsflohmärkte zu organisieren, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Symbolbild. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Reinhardt, Allgemeinmediziner aus Bielefeld, hat es mit seiner Idee in die „Tagesschau“ geschafft, aber niemandem geholfen – im Gegenteil.

Das Arzneimittelgesetz sagt: Ein Medikament, das die Apotheke verlassen hat, darf nicht zurückgenommen werden. Denn niemand weiß, ob es zu kalt oder zu warm gelagert oder – im Fall von Tropfen, Säften und Salben – verunreinigt wurde. Diese Skepsis sollte auch gelten, wenn Mittel privat weitergegeben werden.

Dabei ist die Aspirin-Tablette von der Kollegin sicherlich nicht das Problem. Aktuell im Fokus stehen jedoch vor allem Lieferengpässe bei Medikamenten für Kinder, und spätestens da wird es kritisch. Fiebersenkende Paracetamol-Zäpfchen etwa gibt es mit Wirkstoffgehalten zwischen 75 und 1000 Milligramm. Was, wenn das Baby das falsche Zäpfchen bekommt? Im schlimmsten Fall droht ihm ein Leberversagen. Und: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Man kann nicht einfach eine Tablette durch Zerkleinern an ihr geringeres Gewicht anpassen. Aber wissen das alle Eltern?

Problem besteht schon lange

Dass wir im Moment über fehlende Kinder-Arznei reden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es schon seit Jahren Lieferengpässe bei etwa 1000 Medikamenten gibt. Nur haben die Betroffenen meistens nicht so eine starke Lobby wie die Kleinsten.

Die Misere geht auf Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zurück, die 2007 Exklusiv-Lieferverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern erlaubte, worauf sich andere Produzenten zurückzogen – die jetzt als Lieferanten ausfallen. Als engster Berater Ulla Schmidts galt damals ein Professor, den Sie vielleicht kennen. Er heißt Karl Lauterbach.

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