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Kommentar zum Klimaschutz

Auch diese Krise ernst nehmen

Am 12. Dezember also jährt sich nun das Pariser Klimaabkommen. Fünf Jahre sind vergangen, seitdem sich Versammlungspräsident Laurent Fabius und die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in den Armen lagen und diesen historisch bemerkenswerten Moment feierten.

Ulrich Schaper

Lichteraktion von Fridays for Future vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: imago/epd

Fünf Jahre, in denen sich die 197 Vertragsstaaten in ihren Bemühungen verhedderten, den exponentiellen Anstieg der globalen Mitteltemperatur zu bremsen. Nachdem die Klimagipfel in Marrakesch, Bonn und Kattowitz das technische Fundament für die Treibhausgasreduktion legten, sollte in Madrid die Phase der Umsetzung beginnen. Die Konferenz im vergangenen Jahr aber endete mit schwachen Kompromissen. Der diesjährige Gipfel in Glasgow musste aufgrund der Pandemie um ein Jahr nach hinten verlegt werden.

Man darf die geleisteten Anstrengungen seit 2015 nicht unterschätzen – die Klimadiplomatie ist ein komplexes Geschäft. Letztendlich muss sich die Politik aber an den Ergebnissen messen lassen.

Und die sind nach wie vor unbefriedigend. Die Ausgestaltung eines globalen Klimaschutzmarktes scheiterte bislang und die nationalen Reduktionspläne werden ohne gravierende Nachbesserungen nicht zum gewünschten Ziel – einem Temperaturanstieg unterhalb der 2-Grad-Marke – führen. Die Weltwetterorganisation WMO vermeldete im Zeitraum zwischen Juni 2019 und Juni 2020 bereits einen durchschnittlichen Temperaturanstieg um 1,3 Grad Celsius im Vergleich zum vorindus­triellen Niveau.

In eben diesem Jahr aber, in dem die globale Klimadiplomatie ohne ihr Jahrestreffen stillzustehen schien, setzte eine bemerkenswerte Dynamik ein: Die überwiegende Zahl der Wiederbelebungs-Programme der Regierungen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Schieflage durch die Corona-Pandemie sind mit einem deutlich grünen Anstrich versehen.

Nachdem die EU Klimaneutralität als Ziel ausrief, tat dies auch China. Für den größten CO2-Emittenten war das vormals ein Tabu-Thema. Durch die Wahl Joe Bidens und dessen Ankündigung, die USA zum Pariser Abkommen zurückzubewegen, könnte gar eine Sog-Wirkung entstehen. Das bislang geltende Narrativ der Industrieländer „Wir sind allein in Sachen Klimaschutz“ wird durch die neuen Zusagen ausgehebelt. Das macht einen großen Unterschied. Endlich könnte sich eine Geo-Ökonomie mit Blickrichtung ambitionierter Klimaschutzziele entwickeln; immerhin verbessern sich die Möglichkeiten, Klimaschutz mit Beschäftigung und Wirtschaftlichkeit zu betreiben, stetig.

Viele Länder haben es im Jahr 2020 bewiesen: Sie können das doch, eine Krise ernst nehmen. Bis zum Gipfel im Jahr 2021 ist noch viel Zeit – bis dahin sollte dann noch einiges möglich sein.

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