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Kommentar zu den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus

Die Kleinen brauchen jetzt Hilfe

Alle reden über das Corona­virus. Schnell haben die Verbände der Wirtschaft klar gemacht, dass die Politik reagieren muss. Fast genauso schnell wurden als Gegenmaßnahmen eine deutlich erleichterte Kurzarbeit und Liquiditätshilfen beschlossen. Jetzt sind sogar Rettungspakete im Gespräch – einschließlich staatlicher Beteiligungen an Unternehmen nach dem Bankenmodell bei der Finanzkrise.

Bernhard Hertlein

Weniger Großveranstaltung gleich weniger Taxifahrten. Fast jede Branche leidet unter der Ausbreitung des Coronavirus. Foto: dpa

So weit, so gut – aus Sicht der großer Unternehmen. Doch wer hilft den kleinen? Wer hilft dem mittelständischen Spediteur, der sich auf Italien-Verkehr spezialisiert und nun nichts zu transportieren hat? Wer hilft dem Tischler, der den von ihm entwickelten Messestand nicht aufbauen kann? Wer dem Messeveranstalter? Dem Hotel, dessen Zimmer storniert werden? Dem Restaurant, dessen Tische kaum noch besetzt sind? Dem Catering-Service, dem die Aufträge ausgehen?

Was soll der Taxifahrer tun, der von Kundschaft während Großveranstaltungen lebt? Was der Ein-Mann-Unternehmer, der seine Würstchenbude im Stadion unterhält oder flexibel dort aufschlägt, wo gerade etwas los ist? Wer unterstützt den Schausteller, der sein Karussell nirgendwo aufstellen kann? Den Künstler, dessen Auftritte oder Lesungen abgesagt werden? Den Zirkus?

Eine zeitlich befristete Liquiditätshilfe nützt ihnen nichts. Schließlich werden sie die Einnahmen, die das Coronavirus jetzt wegfrisst, nicht mehr gutmachen können. Man kann sich die Verzweiflung vorstellen, wenn genau diese Unternehmer demnächst die Aufforderung vom Finanzamt erhalten, ihre nächste Steuervorauszahlung zu entrichten! Unter normalen Umständen könnte man darauf verweisen, dass Risiken zur Unternehmerschaft gehören. Aber 1. waren die Folgen des Coronavirus nicht abzusehen,2. können kleine und junge Betriebe gar nicht so viel Rücklage bilden, wie sie jetzt bräuchten, 3. ist die deutsche Staatskasse wieder soweit aufgefüllt, dass die Politik reagieren kann. Hoffentlich richtet sie ihre Maßnahmen nicht nur an Großkonzernen aus.

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