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Kommentar zum Lückenschluss

Diese A33 ist auch ein Mahnmal

Wenn an diesem Montag die A33 in der letzten verbliebenen Lücke zwischen Halle und Borgholzhausen für den Verkehr freigegeben wird, werden die mutmaßlich meisten Menschen in der Region darauf mit Erleichterung reagieren. Und viele von diesen werden mit einem sarkastischen Unterton womöglich noch hinzufügen: Dass ich das noch erleben darf...

Stefan Küppers

Hier geht’s nach Bielefeld, Paderborn oder Osnabrück: ein A33-Verkehrsschild in Halle am Ravennapark. Foto: Oliver Horst

In der Tat: Dieser Lückenschluss am 18. November 2019 ist allein deshalb schon ein sehr besonderes Ereignis, weil sich an der A33 mittlerweile ganze Generationen von Politikern, durch Lärm und Dreck frustrierte B68-Anlieger, kämpferische Naturschützer, besorgten Unternehmer und im Dauerstau schimpfende Verkehrsteilnehmern abgearbeitet haben. Im Laufe der nahezu 60-jährigen Planungsgeschichte ist der Kampf für und gegen diese Autobahn immer stärker emotionalisiert und politisch instrumentalisiert worden. Mit koordiniertem Widerstand auf höchster Ebene (erst SPD-Verkehrsminister Zöpel in den 80er Jahren, später Grünen-Umweltministerin Höhn in den 2000er Jahren) diente diese A33 immer auch dazu, politische Exempel zu statuieren. Dass Vertreter der Umweltverbände anlässlich der Eröffnung wieder von einer »Dinosaurierplanung« sprechen, obwohl sie an der sogenannten Konsenstrasse rund um den Tatenhausener Wald mit sechs Grünbrücken auf knapp zehn Kilometer seinerzeit mitgewirkt haben, zeigt, dass alte Wunden längst nicht verheilt sind.

Im Laufe der Planungsjahre aber haben immer mehr Bürger die Überzeugung gewonnen, dass solche Dauer-Auseinandersetzungen beendet werden müssen. Lange vor dem Berliner Flughafen BER war die A33 zu einem Symbol dafür heran gewachsen, was in diesem Land alles nicht geht. Der großen Bürgerdemonstration pro A33 von 2012 in Halle, ohne die es den Lückenschluss bis 2019 wohl nicht gegeben hätte, lag der tiefe Wunsch nach pragmatischen Lösungen und mehr politischer Einigkeit zugrunde.

Und das ist es wohl im Kern, was man aus dieser nahezu unendlichen A33-Geschichte für die Zukunft lernen kann: Die Mehrzahl der Bürger wünscht sich eine pragmatisch orientierte Herangehensweise gerade an Probleme der Infrastruktur. Gelegentlich helfen pfiffige ÖPNV-Konzepte weiter, manchmal aber braucht es eben auch eine neue Straße, um Alltagsprobleme und -bedürfnisse von Menschen zu lösen.

Dieses Land ist im globalen Wettbewerb darauf angewiesen, dass Fortentwicklungen angestoßen, entschieden und zügig umgesetzt werden. Ideologische Kämpfe, wie sie sich aktuell im Kulturkampf gegen das Auto zeigen, und fehlender politischer Grundkonsens hingegen können über Jahrzehnte Stillstand erzeugen. Und dafür ist diese A33, bei aller Freude über den Lückenschluss, leider eben auch ein Mahnmal.

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