Kommentar zu Apples Sieg im Steuerstreit

Ein Missverständnis

Das Urteil des EU-Gerichts, das dem US-Giganten Apple die Steuernachforderung in Irland erlässt , macht wütend. Allerdings nur dann, wenn man die Sachlage sehr oberflächlich betrachtet. Entgegen weit verbreiteter Vorurteile hat Apple den irischen Fiskus nicht mithilfe kurioser Steuertricks hinters Licht geführt, sondern lediglich das Lockangebot einer Steueroase angenommen.

Jürgen Stilling

Irland, Cork: Ein Blick auf die europäische Zentrale des Technologieunternehmens Apple im Industriepark Hollyhill. Foto: Niall Carson/PA Wire/dpa

Vor allem die USA haben jahrelang darauf verzichtet, die ausländischen Erträge ihrer Konzerne mit Steuern zu belegen. Länder wie Irland und Luxemburg setzten lange auf niedrige Steuern, um Großfirmen ins Land zu locken – und damit Arbeitsplätze zu schaffen.

Im Übrigen ist eine Erkenntnis nicht neu: Mit der Senkung der Steuersätze kann der Staat seine Einnahmen steigern. Standorte mit Mini-Besteuerung locken nicht nur internationale Firmen an, sondern fördern zudem die Ehrlichkeit gegenüber dem Finanzamt. Letztlich fußt die Wut auf Apple und Co. also auf einem Missverständnis.

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