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Kommentar zur Schließung der VW-Werke

Eine Frage der Vernunft

Herbert Diess will mit dem weitgehenden Produk- tionsstopp in den europäischen VW-Werken die Mitarbeiter des Konzerns schützen. So weit, so honorig. Doch die Entscheidung des Konzernchefs ist auch ökonomisch folgerichtig. Grund: Das Coronavirus be- droht nicht nur die Gesundheit der VW-Beschäftigten, sondern wird auch den Autoabsatz weltweit in die Knie zwingen. So erwarten etwa Branchen­- experten allein in Europa einen Verkaufseinbruch um bis zu 20 Prozent.

Jürgen Stilling

Das Volkswagen-Werk im hessischen Baunatal. Foto: dpa

Andere Autobauer , zum Beispiel Opel und Ford, reagieren ähnlich. Ein solcher Entschluss ist also mindestens vernünftig, wenn nicht sogar alternativlos. Denn auch immer mehr Auto- häuser schließen – freiwillig oder staatlich erzwungen – ihre Pforten.

Und nicht nur die Verkaufs- zahlen schwächeln wegen der Pandemie. Zulieferprobleme – vor allem bei Lieferanten aus der Volksrepublik China – gibt es schon seit Monaten.

Der Autobranche bringt die Corona-Flaute eine Umsatz­- delle wie vielen anderen Wirt- schaftszweigen. Aber hinzukommt: Die Fahrzeugbauer ­stecken ohnehin schon in strukturellen Schwierigkeiten. Die Neuorientierung zum Elektroantrieb als Zukunfts- technologie ist im vollen Gange – und kostet Engagement und viel, viel Geld. Doch bedauern muss man die Unternehmen nicht: Schließlich hat die Auto- industrie den Wandel jahrelang verschlafen und zu lange an Pkw mit umweltschädlichen Verbrennungsmotoren fest­- gehalten. Jetzt bekommen sie ihre Quittung.

Zusätzlich ist Volkswagen in besonderem Maße von den Nachwehen der Diesel-Affäre betroffen. Zu Recht werden die Wolfsburger in dieser Frage wohl auch künftig noch viel- fach zur Kasse gebeten. Des- halb ist es hilfreich, dass sie wie andere Betriebe auch von den aktuell verbesserten Re- geln für das Kurzarbeitergeld profitieren.

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