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Kommentar zur Aufnahme von Flüchtlingskindern

Eine kluge und richtige Entscheidung

Kinder brauchen Hilfe und keine politischen Tricksereien. Darum ist es wichtig, dass sich Deutschland bereit erklärt hat, notleidende Minderjährige aus den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln aufzunehmen.

Elmar Ries

Edirne: Kinder aus Syrien schlafen an einem Busbahnhof nahe der türkisch-griechischen Grenze. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Ein Land, in dem die Würde des Menschen erklärtermaßen unantastbar ist, das die Menschenrechte hochhält und zu Recht darauf hinweist, auf christlichen Fundamenten zu ruhen, kann eigentlich gar nicht anders entscheiden.

Die neue Flüchtlingskrise an der griechischen Grenze offenbart das Dilemma, in dem sich die Europäische Union befindet. Menschen in akuter Not zu helfen ist ein Gebot der Nächstenliebe. Daran gibt es nichts zu deuteln. Auf der anderen Seite gilt aber auch: Die chaotischen Zustände des Jahres 2015 dürfen sich nicht wiederholen und die staatliche Souveränität muss gewahrt bleiben. Elementar hierbei ist die Unversehrtheit der Grenzen und die uneingeschränkte, eigene Kontrolle darüber.

Deutschland, so scheint es, hat aus den Ereignissen des Jahres 2015 gelernt

CDU/CSU und die SPD haben klug und weitsichtig gehandelt, indem sie ihre Bereitschaft, Flüchtlingskinder aufzunehmen, an die gleichlautende Zustimmung der anderen europäischen Länder geknüpft haben. Deutschland, so scheint es, hat aus den Ereignissen des Jahres 2015 gelernt. Vor fünf Jahren konnte der Flüchtlingsstrom auch darum eine Krise in der EU und zuletzt eine Krise der EU hervorrufen, weil die Gemeinschaft eben nicht als Gemeinschaft auftrat, sondern uneins war in der Frage, wie mit den Heerscharen an Migranten umzugehen sei. Das Gros der flüchtlingskritischen Nachbarn fühlte sich damals vom flüchtlingsfreundlicheren Deutschland genötigt, gegängelt und gedrängt.

Die Bundesregierung pocht aber auch aus einem ganz anderen Grund auf eine europäische Lösung. Seit 2015 gibt es europäische Länder, die unverhohlen und unverfroren auf Deutschland zeigen, wenn es um die Aufnahme von Migranten geht.

Es tun sich neue Fragen auf

So richtig die Entscheidung aus Berlin auch ist – sie bleibt problematisch: Weil sich mit ihr neue Fragen auftun, die beantwortet werden müssen. Zum Beispiel die nach der Gerechtigkeit. Wenn die EU den Kindern in den griechischen Flüchtlingslagern hilft, indem sie bis zu 1500 von ihnen aufnimmt, wie erklärt man den Menschen in den anderen Lagern in der Türkei, in Jordanien und Libyen, dass man ihnen hingegen nicht hilft?

Das ist das zweite Dilemma der EU . Helfen zu müssen, helfen zu wollen. Aber eben nicht allen helfen zu können.

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