1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Meinung
  6. >
  7. Es fehlt die Einheitlichkeit

  8. >

Kommentar zu Pandemie-Regelungen für Schulen

Es fehlt die Einheitlichkeit

Eine Kernbotschaft des Bund-Länder-Gipfels zur Verlängerung des Lockdowns war: Die Schulen machen bald wieder auf. Jedenfalls teilweise und unter bestimmten Voraussetzungen.

Jan Drebes

Homeschooling - wie lange noch? Foto: Jonas Güttler/dpa

Was bei Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern bereits für einen Hoffnungsschimmer sorgte, droht jetzt in Verunsicherung und Verärgerung umzuschlagen. Der Grund ist das nicht abgestimmte Vorgehen einzelner Länder bei der Rückkehr zum Wechsel- oder Präsenzunterricht. So gilt in den meisten Ländern der 22. Februar als Startdatum, Sachsen aber will schon ab diesem Montag einen eingeschränkten Regelbetrieb erlauben, andere Länder wie Hamburg lassen die Schulen noch bis März zu.

Dieser Flickenteppich, der sich bereits seit Monaten zeigt, nervt die Menschen zunehmend. Das gilt insbesondere für Regionen an Landesgrenzen, wenn die Öffnungstermine zwischen den Nachbarländern nicht abgestimmt sind. Es ist unverständlich, warum es noch immer keinen inzidenzbasierten Stufenplan zur Öffnung von Bildungseinrichtungen gibt, die Öffnungsperspektiven für Friseure und andere Dienstleister aber bereits sehr konkret sind.

Doch das Schulwirrwarr endet nicht mit der mangelhaften Abstimmung der Landesregierungen. Auch innerhalb der Länder wächst die Verunsicherung bei Schülern, Eltern und Lehrkräften. So bleibt oftmals die Präsenzpflicht aufgehoben, auch wenn wieder Präsenzunterricht angeboten wird. Die Entscheidung darüber, ob ein Kind wieder in den Klassenraum darf, liegt dann meist bei den Eltern. Einheitlichkeit wie bei einem verpflichtenden Wechselmodell mit festen Gruppen, die mal zu Hause und mal in der Schule lernen, ist dabei nicht gegeben. Die Folge: Die Unterschiede im Lernfortschritt drohen noch größer zu werden. Verantwortung wird von den Ländern über die Schulen bis zu den Eltern delegiert.

Immerhin: An vielen Schulen haben es die Lehrkräfte in den vergangenen Monaten mit viel persönlichem Engagement und der Hilfe der Eltern geschafft, die Lerninhalte zu vermitteln – ob durch Arbeitsblätter, Online-Angebote oder direkte telefonische Unterstützung. Doch das wenig koordinierte Vorgehen der Länder könnte die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern in Deutschland noch weiter vergrößern. Das bleibt eine der größten Gefahren der Pandemie mit erheblichen Langzeitfolgen insbesondere für Abschlussklassen.

Startseite