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Kommentar zum G7-Treffen

Starke Worte und ein symbolträchtiger Schulterschluss

Münster

Das G7-Treffen ist zu Ende. Zwei Tage lang haben die sieben Außenministerinnen und Außenminister live in Münster getagt. Muss das sein? Unser Autor hat vor allem aus einem Grund eine klare Antwort.

Die G7-Außenminister und ihre Gäste am zweiten Konferenztag in Münster Foto: Bernd Lauter/AFP Pool/dpa

Zwei Tage lang wurde Münster von der großen Politik dominiert, ab jetzt herrscht wieder Alltag. Die G7-Au­ßenminister sind abgereist. Was bleibt, sind schöne Bilder, starke Worte und der erneute symbolträchtige Schulterschluss.

So ein Spitzentreffen vis-à-vis: Ist es im 21. Jahrhundert, in dem jede Schulklasse den digitalen Distanzunterricht aus dem Effeff beherrscht, wirklich noch nötig, dass ­ sieben Außenminister plus Entourage und illustrer Gästeschar für Friedensappelle, Hilfszusagen und die Geißelung barbarischer Regimes um die Welt jetten? Dass sie enorme Kosten produzieren, einen ordentlichen CO2-Fußabdruck in die Umwelt setzen und ganz nebenbei ei­ne Stadt zwei Tage auf den Kopf stellen?

Persönliche Treffen wichtiger denn je

Klare Antwort: selbstverständlich ja. In Zeiten, in denen die Welt immer unruhiger, unfriedlicher und unzuverlässiger wird, ist das wichtiger denn je. Die G7-Abschlusserklärung ist eindeutig: klare Kante Richtung Iran und Nordkorea, die erneut scharfe Verurteilung des russischen Angriffskrieges, eindeutige Hilfszusagen für die Ukraine – und ein Blick auf das hungerbedrohte Afrika. All das ­gemeinsam verhandelt, gemeinsam verkündet. So können Worte maximal wirken.

Wichtiger ist aber etwas anderes: Treffen wie das in Münster dienen der Selbstvergewisserung – und senden zugleich einen Subtext. Er lautet: Unsere Reihen sind geschlossen, wir bilden eine demokratische Front. All das bringt der Ukraine noch keinen Frieden und bremst auch Chinas imperiale Ambitionen nicht. Es lässt aber die Herren Putin, Xi oder Kim in Nordkorea aufhorchen. Denn die G7-Staaten sind schiere Wirtschaftskraft, darum sind ihre politischen Statements immer auch Machtdemons­trationen. Und die Sprache der Macht ist die, die Despoten sprechen – und leider die einzige, die sie verstehen.

Alle grundlegenden Informationen zum G7-Treffen in Münster finden Sie auf unserer Special-Seite. Und unter folgendem Link steht das gesamte WN-Angebot vier Wochen kostenfrei zur Verfügung: wn.de/digitalbasis

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