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Kommentar zur Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden

Laschets erster Erfolg

Armin Laschet kann fürs Erste aufatmen: Die 796 Delegiertenstimmen, die der nun auch offiziell neue CDU-Vorsitzende bei der aus juristischen Gründen notwendigen Briefwahl bekommen hat, sind angesichts des knappen Ergebnisses beim Digitalparteitag ein gutes, ja respektables Resultat.

Ulrich Windolph

Armin Laschet (CDU) hat nach der Auszählung der Briefwahl gut lachen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Auch wenn sich die Vorsitzenden der Christdemokraten unter „normalen Umständen“ kaum mit einer Zustimmung von 83,35 Prozent zufrieden geben würden.

Mindestens 275 Delegierte, die am Samstag am heimischen Computer noch für Friedrich Merz votiert hatten, haben nun Laschet ihre Stimme gegeben. Natürlich sind nicht alle davon binnen einer Woche bekehrt worden – vielmehr dürfte der Wunsch nach Einigkeit im Superwahljahr 2021 für viele das entscheidende Motiv gewesen sein. 205 Delegierte hat aber auch das nicht überzeugt. Sie ha­ben Armin Laschet, nur dieser Name stand ja jetzt noch auf dem Briefwahlbogen, ihre Zustimmung bewusst verweigert.

Der Aachener weiß nun, woran er ist. Und er weiß, woran er zu arbeiten hat. Noch in seinen kurzen Dankesworten kündigte er an, am Wochenende in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unterwegs zu sein. In beiden Bundesländern wird am 14. März ein neuer Landtag gewählt. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Ausgang der Wahlen großen Einfluss auf die Frage hat, wer Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird.

Genauer: Laschet braucht hier Erfolg, steht doch schließlich „seine“ CDU zur Wahl. Markus Söder hingegen kann das Ganze recht entspannt angehen. Erst recht, da der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef aktuell in puncto Beliebtheitswerten und Kompetenzzuschreibung in allen Meinungsumfragen klar vor Laschet liegt.

Gleichwohl irrt, wer glaubt, die Sache sei entschieden. Allein, weil der weitere Verlauf der Corona-Pandemie ungewiss und für alle Akteure fast unkalkulierbar ist. Über Nacht kann da ein Popularitätskiller entstehen. Mit seiner Idee einer Impfpflicht ist Söder diesem Phänomen jüngst schon einmal bedrohlich nahe gekommen.

Und: Laschet ist die Rolle des Underdogs gewohnt. Legendär, wie er 2017 aus schier aussichtsloser Position noch die SPD um Ministerpräsidentin Hannelore Kraft schlagen und so die Düsseldorfer Staatskanzlei für die CDU erobern konnte. Noch wichtiger aber: Sollte es Laschet gelingen, neben Jens Spahn auch noch Friedrich Merz an seine Seite zu bringen, sieht die Arithmetik der CDU/CSU auf einen Schlag ganz anders aus.

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