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Kommentar zu Laschet und der Neuaufstellung der CDU

Noch nicht am Ende

Schluss, aus und vorbei: Glaubten wohl alle, als Armin Laschet im Berliner Konrad-Adenauer-Haus vor die Kameras trat, denn das Gerücht seines Rückzugs als CDU-Vorsitzender war längst in der Welt. Und man hätte ihn so gut verstehen können.

Von Ulrich Windolph

Armin Laschet nach der Pressekonferenz, in dem er seinen Rückzug angekündigt hat. Foto: dpa

Ein Mann  – aufgerieben zwischen  persönlichen Fehlern  sowie übelsten Intrigen und  beispielloser Illoyalität in den eigenen Reihen – erlöst   sich selbst und schmeißt hin.

Doch denkste!  Der glücklose Kanzlerkandidat hielt die beste Rede seit langem, rechnete mit der  CSU und Markus Söder ab, ohne beide auch nur mit einem einzigen Wort zu erwähnen, und warb abermals  mit großer Leidenschaft bei Grünen und FDP für ein Jamaika-Bündnis. Seine Botschaft: An einer Person scheitert es nicht – auch nicht an meiner.

Sein Subtext: Wir stehen weiterhin für eine solche Allianz zur Verfügung – egal, was in München geredet wird.  Was für ein Move!  Laschet kämpft – auch  weil er weiß, dass eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP alles andere als ein Selbstläufer wird.   Mit seiner Ankündigung, das Wahldebakel umfassend aufzuarbeiten und   einen  neuen Parteichef zu suchen,  zwingt Laschet die Heckenschützen in den eigenen Reihen zum Schwur

Norbert Röttgen, Jens Spahn und Friedrich Merz müssen nun  Farbe  bekennen. Und  die Unionsparteien auch.  CDU und CSU   haben zuletzt lernen müssen, dass sie nicht nur Wahlen verlieren können, sondern auch den Bezug zur Wirklichkeit im Jahr 2021. Entscheidungen in Parteigremien brauchen eine ausreichend breite Legitimation an der Basis. So lautet die konkrete Frage, wie die CDU-Mitglieder bei der Suche eines Laschet-Nachfolgers  eingebunden werden.

Schließlich geht es um den Kurs, auf dem man zukünftig unterwegs sein will. Inhaltlich,  vor allem aber  mit Blick auf den  Stil. Sind CDU und CSU bloß mehr ein Intrigantenstadl oder wollen sie wieder als  eine Union auftreten, die diesen Namen auch wirklich verdient?



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