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Kommentar zu den Impfproblemen in der EU

Schwarzer-Peter-Spiel

Corona-Schnelltests sollen künftig auch Privatpersonen abnehmen dürfen, nicht mehr nur Ärzte, Apotheker oder Labor-Mitarbeiter. So will es Gesundheitsminister Jens Spahn und das ist gut so.

Birgit Marschall

Impfbesteck Foto: imago images/Nicolaj Zownir

Wer sich unmittelbar vor nicht abwendbaren Treffen mit anderen vergewissern will, ob er ansteckend ist, sollte das schnell und problemlos per Schnelltest tun können.

Spahns Freigabe bedeutet eine enorme Erleichterung etwa für Angehörige älterer Menschen oder Geschäftsleute. Allerdingsmuss Spahn diese Freigabe mit einer umfassenden Aufklärung begleiten. Dies ist eine für alle Bevölkerungsteile wichtige Aufgabe, um Sinn und Zweck der Maßnahme nicht zu vereiteln. Fehler hätten eine erhebliche Konsequenz.

Denn auch ein Schnelltest muss richtig abgenommen werden, andernfalls ist er wertlos. Der geplante neue Spuck- und Gurgeltest dürfte aber für Laien leichter handhabbar sein als der bisherige Test mit Stäbchen in Nase und Rachen. Mit der Schnelltest-Freigabe kann der umtriebige Gesundheitsminister Jens Spahn aber kaum überdecken, dass bei der Impfstoffbereitstellung noch immer und immer noch Vieles im Argen liegt. Während die USA, Großbritannien und Israel ihre Bevölkerungen fleißig weiter durchimpfen, steht die Immunisierung in Deutschland und Europa erst einmal still. In den europäischen Hauptstädten wächst der Unmut über die Hersteller, die ihre Lieferpläne in diesen Wochen aus unterschiedlichen Gründen nicht einhalten können. Die EU-Kommission versucht den Schwarzen Peter an die Hersteller weiter zu geben, indem sie nun den Druck auf die Firmen erhöht.

Gerade bei brandneuen Produkten ist es jedoch immer möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass unvorhergesehene Ereignisse auftreten. Brüssel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Schwarze Peter bei der Kommission selbst liegt. Hätte Brüssel früher und deutlich mehr bei allen potenziellen Impfstoffproduzenten bestellt, würden Lieferengpässe bei dem einen oder anderen Hersteller die EU jetzt nicht in Verzweiflung stürzen.

Der Bundesregierung und Spahn als verantwortlichem Minister kommt eine Mitschuld zu: Sie hätten der Kommission in Brüssel von Anfang an mehr auf die Finger schauen müssen. Und auch bei der nun begonnenen Öffnungsdebatte muss die Regierung mehr Antworten parat haben, als einfach nur vor einem zu frühen Ende der Corona-Schutzmaßnahmen zu warnen.

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