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Kommentar zu den US-Vorwahlen

Vorteil für Biden

Bernie Sanders, der „demokratische Sozialist“, kann es drehen und wenden, wie er will. Und noch auf Wunder hoffen. Doch seit Dienstagabend gibt es so gut wie keine Zweifel mehr, dass der Herausforderer von Donald Trump im November Joe Biden heißen wird.

Bernie Sanders, US-Senator und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, spricht zu Journalisten. Foto: dpa

Die jüngsten Erfolge des Ex-Vizepräsidenten haben eine politische Weisheit bestätigt, die denn lautet: Der Trend ist dein Freund. Vor allem der Verlust des Bundesstaates Michigan, wo 125 Delegierte zu vergeben waren, war für Sanders ein herber Schlag. Er hatte dort 2016 das Vorwahl-Duell gegen Hillary Clinton noch klar gewonnen und betont, Michigan sei für das Rennen „sehr sehr bedeutend“.

Doch am Ende setzte sich Biden durch, obwohl er sich noch am Wahltag bei einem Auftritt in Detroit einen verbalen Ausrutscher geleistet hatte. Als ihm ein Mitglied der Autobauer-Gewerkschaft vorwarf, den Amerikanern ihre Waffen wegnehmen zu wollen, reagierte Biden vor laufenden Kameras mit den Worten: „You are full of shit“ – was sich in etwa so übersetzen läßt: „Sie haben nur Scheiße im Kopf.“

Schlechte Nachricht für Trump

Dass Biden ein Comeback feiert, ist für Trump eine denkbar schlechte Nachricht. Denn Biden kann – anders als Sanders – mit seiner maßvollen Politik der Mitte auch Wechselwähler ansprechen, die 2016 ins Republikaner-Lager gewechselt waren und nun Gründe suchen, wieder demokratisch zu wählen. Einer dieser Gründe liegt mit Blick auf die Coronavirus-Krise auf der Hand. Donald Trump hat die Bedrohung so schlecht gemanagt, wie es nur denkbar war. Vieles spricht sogar dafür, dass das Weiße Haus die Testkriterien bislang extrem verengte, um die Diagnosezahlen künstlich niedrig zu halten. Und Trump hat die Herausforderung zunächst verniedlicht und verharmlost.

Dies allein schon sollte – neben den anderen Skandalen um seine Person – die Abwahl rechtfertigen. Die Demokraten haben also jede Menge Munition für den Wahlkampf-Endspurt. Und Amerikas Jugend, die sich mehrheitlich – aber erfolglos – hinter Sanders gestellt hat, wäre gut beraten, den Spitzenkandidaten Biden zu unterstützen und im November nicht zu Hause zu bleiben. Denn am Ende wird jener Bewerber gewinnen, der es schafft, die meisten seiner Unterstützer zu mobilisieren.

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