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Kommentar zur Lage der Profifußballklubs

Was wirklich zählt

Wer Geisterspiele ablehne, „der muss sich keine Gedanken mehr machen, ob wir demnächst mit 18 oder 20 Profiklubs spielen. Denn dann wird es keine 20 Profiklubs mehr geben“, hat Christian Seifert gesagt. Der DFL-Boss malte nach der Krisensitzung am Montag ein düsteres Bild. Seine Botschaft: Alles ist besser als nichts. Also lieber Spiele ohne Fans als gar keine Spiele. Hauptsache, der Ball rollt.

Dirk Schuster

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, nach der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt. Foto: Arne Dedert/dpa

Das Geld, das die Klubs aus den TV-Übertragungen erhalten, ist die wichtigste Säule, auf der der Profifußball im Allgemeinen und das Wohl der Klubs im Speziellen fußt. Weit wichtiger als Einnahmen aus dem Ticketing.

Doch wer glaubt denn ernsthaft, dass Anfang April die Kugel wieder rollt, wenn um uns herum das normale Leben gerade zum Erliegen kommt?

Weil am 30. Juni die Verträge zahlreicher Spieler und Trainer auslaufen, die womöglich längst woanders unterschrieben haben, ist das Zeitfenster, um diese Saison noch zu einem halbwegs vernünftigen Ende zu bringen, unfassbar klein. Dass die EM um ein Jahr verschoben werden wird, verschafft dem Klubfußball zwar etwas Luft. Ob die aber reicht, um am Ende eine gerechte Titelvergabe und einen gerechten Auf- und Abstieg zu gewährleisten, darf bezweifelt werden.

Ist sich am Ende jeder selbst der Nächste?

Im Augenblick betont zwar jeder gern, dass die Gesundheit der Menschen über allem stehe und auch der Fußball seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden müsse. Doch was, wenn es am Ende wirklich hart auf hart kommt? Wenn Paderborn aus der 1. Liga absteigen muss, obwohl gar nicht alle 34 Spiele gespielt sind? Oder wenn Arminia nicht aufsteigt, obwohl der DSC monatelang Platz eins der Zweitligatabelle zierte? Oder wenn Dortmund nur Zweiter wird, obwohl noch mehrere Runden ausstehen? Geht es dann auch noch ums große Ganze? Oder ist sich dann doch wieder jeder selbst am nächsten? Nehmen wir doch mal Hans-Joachim Watzke. Am Ende, sagte der Geschäftsführer des BVB, könnten ja „nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, dann im Prinzip die Klubs, die das wiederum nicht gemacht haben, dafür auch noch belohnen“ . Noch Fragen?

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